© Klaus-Peter Kappest

Zum Glück gezwungen - Kepler Track Neuseeland

Ausgabe 133 – Februar/März 2007

Seit Mitte Juli 2006 befindet sich unser Redakteur Andreas Vierkötter mit seiner Freundin Anja Schnippe auf Weltreise. China haben die Beiden bereits hinter sich gelassen, jetzt steht Neuseeland auf dem Programm. Die Wanderung auf dem „Kepler Track“ begin

Unser Redakteur Andreas Vierkötter mit seiner Freundin Anja Schnippe
Unser Redakteur Andreas Vierkötter mit seiner Freundin Anja Schnippe

Keinen anderen Wanderweg haben wir mit soviel Widerwillen begonnen wie den Kepler Track – denn er ist teuer, man muss ihn in der Hochsaison lange im Voraus buchen und die Wettervorhersage war miserabel. Alle drei Umstände wirken derart negativ zusammen, dass wir die Buchung rückgängig machen wollen. Das würde uns aber die Hälfte der 120 Euro Hüttengebühr kosten. Soviel Geld wollen wir nicht verlieren und sind zudem sauer auf das Department of Conservation DOC, das für Buchung, Anlage und Wartung der Wanderwege in Neuseeland zuständig ist. Die Mitarbeiter sind uns gegenüber derart unflexibel, arrogant und unverschämt, dass wir ihnen schon aus Trotz kein Geld schenken wollen.

Im Aufbruch ist der Wurm drin

An der Mount Luxmore Hütte
An der Mount Luxmore Hütte

So stehen wir also eines Morgens in voller Montur im Hostel von Te Anau und wollen nicht raus, denn dort regnet es schon seit dem Aufstehen. Natürlich ist unsere Kleidung wasserdicht, aber eine Mehrtageswanderung im Regen zu beginnen, lässt sich dem trockenheitliebenden Stammhirn schlecht verkaufen. So gegen 10 Uhr überwinden wir uns dennoch und stapfen die Dreiviertelstunde um das Südende des Lake Te Anau zum offziellen Startpunkt des Weges. Dort treffen wir auf ein älteres Ehepaar, das aufgeregt auf ihre Enkelin wartet, die für die „Kepler Challenge“ trainiert, einem Lauf über die gesamte Strecke des 60 Kilometer langen Wanderweges.

Auf dem folgenden Anstieg treffen wir die Enkelin auch, die allerdings mit leichten Sprüngen an uns vorbei läuft. Wir kommen uns wie zwei verirrte Riesenschildkröten vor, die zu einer aussterbenden Spezies gehören und vielleicht nicht mal diesen Anstieg schaffen werden, geschweige denn die von uns auf vier Tage kompfortabel angelegte Tour in fünf Stunden zu laufen. Wir denken beide an Umkehr – sagen es aber nicht, sondern stiefeln schimpfend weiter mit dem Gefühl, dass der Wurm in dieser Wanderung drin ist.

Völlig überraschend erreichen wir dann aber sehr schnell die Baumgrenze, von der es weniger als eine halbe Stunde zur Mount Luxmore Hütte ist. Wir haben die 800 Höhenmeter dank eines perfekt ausgebauten Weges mit angenehmem Steigungswinkel in erstaunlich kurzer Zeit unter uns gelassen. Gut gelaunt gehen wir über eine Wiesenkuppe, die weite Blicke bieten müsste, die aber wegen der bereits leer geregneten, aber immer noch tief hängenden Wolken verbaut sind. Das ändert sich im Laufe des Abends, an dem wir unsere zehn „Mitwanderer“ kennenlernen, von denen die Hälfte alle drei „Super-Tracks“ des Fjordlandes (Kepler, Milford, Routeburn) hintereinander abwandern und damit die Absicht des DOC, den heillos überlaufenen Milford Track zu entlasten, unterlaufen. Vor allem mit zwei Israelis haben wir so viel Spaß, dass wir unser Zelt, das wir in den Alpen stets nutzen, gar nicht vermissen.

Der Morgen bringt Begeisterung

Farne und Buchen auf den letzten beiden Abschnitten des Kepler Tracks
Farne und Buchen auf den letzten beiden Abschnitten des Kepler Tracks

Die Nacht ist bitter kalt und es fällt Neuschnee. Am nächsten Morgen schnappe ich mir die ausgeruhte Kamera, schleiche durch den Riesenschlafsaal und trete allein vor die Tür. Es ist der Auftakt eines phantastischen Wandertages mit Blick auf die umgebenden, mit frischen Schneemützen überzogenen Bergkämme und Lake Te Anau. Über die gestern noch „verdreckte“ Landschaft blitzt heute sauber die Sonne. Aufgeregt renne ich zu Anja, und nach einem schnellen Müsliriegel sind wir die ersten im Schnee. Unwirkliche Blicke durch Wolkenungetüme sowie Eiszapfen und peitschender Wind auf dem Gipfel von Mount Luxmore folgen. Wärmer, aber nicht minder begeisternd dann der Abstieg zur Iris Burn Hütte durch Buchenwald, dem aus Stämmen und Ästen Flechten wie tausend Bärte wuchern.

An den nächsten zwei Tagen wird die Landschaft lieblicher und Farn dominiert unter Buchen. Herausragender Höhepunkt ist die Moturau Hütte direkt am Ufer des Lake Manapouri. Trotz all der landschaftlichen Reize hat mich auf der gesamten Tour etwas anderes aber noch mehr beschäftigt. Und zwar eine Riesenkiste, die mit einer 4 kg-Mischung verschiedener Sorten Schokolade und Nüsse von einem Freiburger zusammengetragen worden war. Ein Paradies für Kinder und Mehrtageswanderer. Lecker!

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