© Klaus-Peter Kappest

Das Speichenreich - Tecklenburger Land: Elf Radeltrümpfe und ein Ass im Ärmel

Ausgabe 135 – Juni/Juli 2007

Deutschland

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Wie Berg und Tal, Moor und Sand, Kanal und See, Raps und Rüben, Schnaps und Saft, Mönch und Hexe oder Fels und Höhle zum Beispiel. Ein Charakterstück der Gegensätze ist das Tecklenburger Land. Das Speichenreich vor,

Tödden und Moor

Bevor die Tecklenburger das Rad für sich entdeckten, gingen sie zu Fuß. Zum Beispiel den Sommer über nach Holland zum Dammbau oder Torfabbau. Später zogen sie als fahrende Händler mit Leinenpacken auf dem Rücken in der Welt herum. Auf diese Tüötten oder Tödden gehen ganze Textilkonzerne wie Peek & Cloppenburg oder C & A zurück. Wir sind im Norden des Tecklenburger Landes: Wo der Mittelland-Kanal mit lebhaftem Schiffsverkehr und ebenerdigen Radwegen lockt. Wo man 6.000 Jahre alten Mooren wie Vinter, Recker und Mettinger Moor zu neuem Wachstum verhilft, wo Torfmoose, Wollgras, Moosbeere, Rosmarienheide, Pfeifengras, Mittlerer und Rundblättriger Sonnentau wachsen und Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Krickente, Braunkehlchen, Waldwasserläufer und Kiebitze brüten. Immer neue Landmarken wachsen aus dem saftig-grünen Horizont hervor. Uralte Gehöfte, Eichenkämpe, dann wieder schnurgerade Gräben. Dazwischen Hopsten, Mettingen und Recke, die Zentren der Töddengeschichte.

Pferde und Kumpels

Nicht nur Radeln und Wandern, auch das Reiten steht bei den Tecklenburgern hoch in der Gunst. Schloss Surenburg, das schönste und größte Wasserschloss im Tecklenburger Land, ist das Mekka der Pferdegespannfahrer und Hörstel-Riesenbeck ist umgeben von Reit-, Dressur- und Springplätzen. Das Radeln durch die Koppeln und Weiden ist eine wahre Freude. Hier, ganz in der Nähe des „Nassen Dreiecks“, wo sich Dortmund-Ems-Kanal und Mittelland-Kanal treffen, liegt das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst (heute Kunsthaus). Wie Schloss Surenburg ganz im Stile der Renaissance mit Staffelgiebeln erbaut. Östlich erreicht man von hier aus Ibbenbüren. Noch heute ist die Stadt am Aasee bergmännisch geprägt. Über 2.000 Kumpel fahren Tag für Tag in über 1.400 Meter Tiefe ein, so tief liegt hier die Steinkohle. Sehenswert ist das Bergbau-Museum Ibbenbüren. Schließlich reicht die bergmännische Tradition in der Stadt bis ins 16. Jh. Zurück.

Hexen und Kalk

Spannend ist auch der schmale Weg um die 140 m hohen Ausläufer des Teutos: abenteuerliche Felskolosse zwischen Dörenthe, Brochterbeck und Tecklenburg. Dreihasenstein, das Hockende Weib, der Dreikaiserstuhl, die Hexenküche – nomen est omen. Hier ist das Sagenzentrum des Tecklenburger Landes. Ob Höhle, Felstumult oder Bunt-sandsteinriff – alle sind sagenumwoben. Hinzu kommt der Hexenpfad um Tecklenburg und die sehenswerte Bergstadt mit Burgruine, Turm und Altstadt. Über den Kamm verläuft der berühmte Hermannsweg. Weiter östlich liegen renaturierte Canyons, Überbleibsel des Kalkabbaus, der auch heute noch die Region um Lengerich mit seinem sehenswerten Altstädtchen rund um den Römer und die ev. Stadtkirche prägt. Der 60 m hohe Wasserbehälterschornstein ist die weithin sichtbare Landmarke für Radler. So auch aus der Parklandschaft Richtung Gut Erpenbeck, dem letzten erhaltenen Gräftenhof des Tecklenburger Landes mit Wassermühle und hölzernem Torbogen.

Kirschen und Kannäle

Weiter südlich erreicht man Ladbergen. Die einstige Bauernschaft Kattenvenne in der Nachbarschaft erinnert heute noch an die Zeit, als sich hier riesige Moorlandschaften ausdehnten. Riesig sind heute die Traktoren und die schurgeraden Entwässerungskanäle. Bildhübsch, das Ensemble um den Kirchhof der ev. Stadtkirche von Ladbergen und entlang der Ladbergener Aa. Die Boten und Unterhändler während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden von 1648 nutzten Ladbergen als Zwischenstation. Ebenfalls vor dem Teuto gelegen, mit einem Barfußpark, zauberhaften Tälern und einem historischen Ortskern, liegt Lienen. Eines der schönsten Täler Lienens, das Holperdorper Tal, ist auch als Tal der Kirschen bekannt. Ein Wander- und Radwandertraum. In sanftschwingender Wiesenlandschaft, gesäumt von Wäldern, liegen verstreut Bauerngehöfte, Vierseitanlagen mit Fachwerk und mächtigen Deelentoren. …



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Ausgabe 135

Juni/Juli 2007