© Klaus-Peter Kappest

Galicien: Costa da Morte - Steilklippen am Ende der Welt

Ausgabe 135 – Juni/Juli 2007

Spanien

Über Jahrtausende stellte die Costa da Morte („Küste des Todes“) das Ende der bekannten Welt dar. Die alten Griechen glaubten, am Abend versinke die Sonne hier im Land der Toten – möglicherweise erhielt die Küste schon zu jener Zeit ihren merkwürdigen Nam

Wanderung über die Steilküste

Santuario da Virxe da Barca (Heiligtum der Jungfrau vom Boot)
Santuario da Virxe da Barca (Heiligtum der Jungfrau vom Boot)

Auch bei einer Wanderung über die Steilklippen von Laxe erinnern einige weiße Kreuze daran, dass die Schönheit der steilen, von wildem Meer umspülten Klippen ihre dunkle Seite hat. Von dieser Tatsache völlig unbeeindruckt stehen die Möwen einbeinig auf von tosender Gischt umschäumten Felsen und blicken auf die untergehende Sonne über der Ría von Corne und Laxe. Rías heißen die fjordähnlichen Meeresarme an den galicischen Küsten, die sich in manchmal bizarren Formen tief ins Landesinnere eingegraben haben. Die Ría von Laxe erinnert an ein prähistorisches Monster, dessen langer geschwungener Schwanz sich im Flussbett des Río Anllóns verliert. Fantastische Formen findet das Auge auch in den vom Meer geschliffenen Felsen, während der Fuß durch federndes Gras rollt, das bis an die Knie reicht.

Die prall in bunten Farben leuchtenden Blumen erinnern daran, dass der letzte Regenschauer noch nicht allzu lange zurückliegt. Glücklicherweise kommt der Regen in Galicien jedoch nicht aus einer bleigrauen Wolkendecke, sondern aus wohlgeformten, dunklen Wolken, zwischen denen freundliche weiße und unschuldig blaue Abschnitte hervorblitzen. Auch die Sonne scheint gerne während eines Schauers und malt Regenbögen über Steilküsten und lange weiße Strände. Im Hinterland erheben sich kleine Berge, überzogen von Pinien, Kastanien und Eukalyptusbäumen.

Spuren der Steinzeit im Hinterland

Galiciens längster Kornspeicher in Carnota
Galiciens längster Kornspeicher in Carnota

Das fruchtbare Küstenland ist seit etwa 6.000 Jahren besiedelt. Dies bezeugen Castros (befestigte Lager) und Dolmengräber, die hier vielerorts zu besichtigen sind. Das besterhaltene dieser Gräber ist der Dolmen de Dombate bei Carbana de Bergantiños. Die Wandbemalungen, die einmal den Tunnel zur Grabkammer schmückten, sind zwar kaum noch zu erkennen – die Tatsache ihrer 6.000-jährigen Existenz ist an sich jedoch schon beeindruckend genug. Im Castro A Cidá auf einem leicht zu verteidigenden Hügel ist die alte Befestigungsmauer zu erkennen und die Fundamente kreisrunder Häuser. Darunter der Bach – die Wasserstelle des Dorfes – auch nach tausenden von Jahren scheinbar unverändert. Von hier aus führen markierte Wanderwege in den Wald und laden dazu ein, das Hinterland der Costa da Morte genauer zu erkunden. ...

Plus Tourentipp:

Rundwanderung über die Steilklippen der Costa da Morte

Weitere Reportagen zum Thema Wandern in Spanien in diesem Heft:

  • Galicien: Ribeira Sacra - Das Land der Klöster und Weine
  • Lugo - Geschichte aus dem Untergrund


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Juni/Juli 2007