© Klaus-Peter Kappest

Galicien: Ribeira Sacra - Das Land der Klöster und Weine

Ausgabe 135 – Juni/Juli 2007

Spanien

Den Glockenturm des Klosters Santa Cristina de Ribas de Sil erreicht man über eine schmale Holztreppe, an der nur der unterste Teil ein wenig instabil wirkt. Glücklich oben angekommen, blickt man auf die alten, grauen Mauern des Klosters mit geschwungenen

Kreuzgang des ehem. Klosters und heutigen Paradors Santo Estevo de Ribas de Sil (Ribeira Sacra)
Kreuzgang des ehem. Klosters und heutigen Paradors Santo Estevo de Ribas de Sil (Ribeira Sacra)

Die alte Glocke läutet nicht mehr – ihr fehlt der Schlägel, aber die Fingernägel entlocken ihr leise Töne, die ellipsenförmig über die Baumgipfel schwingen. „Santa Cristina ist mágica“, hat man uns gesagt und von den Kastanien erzählt, deren hohle Stämme heilende Kräfte haben sollen. Im Kastanienwald, der das Kloster umgibt, angekommen, verstehen wir sofort, was damit gemeint ist. Santa Cristina liegt abgeschieden, 8 km Fußweg vom nächsten Dorf entfernt, in den schwer zugänglichen Bergen der Ribeira Sacra. In den alten Mauern scheint die Spiritualität von Jahrhunderten zu kondensieren und spürbar zu werden, während die Kastanienterrassen davon erzählen, wieviel Anstrengung und Mühe die Zisterziensermönche in die Kultivierung der Berghänge legten.

Feine Weine

Steinerne Denkerin in der Ribeira Sacra
Steinerne Denkerin in der Ribeira Sacra

Andernorts in der Ribeira Sacra dienten die Terrassen am Berghang der Kultivierung weitaus edlerer Pflanzen. Schon die Römer bauten hier Wein an, nachdem ihre langwierigen und von vielen Rückschlägen begleiteten Eroberungsversuche schließlich ein erfolgreiches Ende genommen hatten. Die Ribeira Sacra, die ihren Namen „Heilige Ufer“ der Fülle von Klöstern verdankt, die sich hier seit dem 6. Jahrhundert ansiedelten, verfügt über ein mediterranes Mikroklima, das den Anbau exzellenter Weine ermöglicht, die den Winzer allerdings harte Arbeit kosten. Zwei kräftige Männer benötigen einen vollen Arbeitstag, um eine Terrasse für 5 Weinstöcke anzulegen. Wer es in der Welt des Weines in Ribeira Sacra zu etwas bringen will, kann deshalb nur auf Qualität und nicht auf Quantität setzen, erklärt Fernando, seines Zeichens Besitzer der Bodega Agueira und in den Augen seiner Besucher eine Art Zen-Meister in der Kunst des Weingenusses. „Ein guter Wein bringt zum Nachdenken über die Aromen, die dir in die Nase steigen und die vergessen geglaubten Erinnerungen, die damit verbunden sind. Ein guter Wein schult die Aufmerksamkeit und kultiviert die Sinne.“ ...

Plus Tourentipp:

Zum Höhlenkloster San Pedro de Rocas

Weitere Reportagen zum Thema Wandern in Spanien in diesem Heft:

  • Galicien: Costa da Morte - Steilklippen am Ende der Welt
  • Lugo - Geschichte aus dem Untergrund


Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 135

Juni/Juli 2007