© Klaus-Peter Kappest

Romantischer Rhein: Landschaftliche Schönheit von Weltrang

Ausgabe 135 – Juni/Juli 2007

Deutschland

Der Romantische Rhein ist eine einzigartige, über Jahrhunderte gewachsene Natur- und Kulturlandschaft. Der einhundert Kilometer lange Flussabschnitt zwischen dem Rolandsbogen im Norden und dem Mäuseturm im Süden kann gleich zwei Welterbestätten sein Eigen

Das „Obere Mittelrheintal“ im „Tal der Loreley“ zwischen Koblenz und Bingen/Rüdesheim sowie die Reste des „Obergermanisch-Raetischen“ Limes, Grenzwall zur römischen Provinz „Germania Superior“ wurden vor wenigen Jahren durch die UNESCO mit dem Welterbe-Status ausgezeichnet. „Superior“, von höherem Niveau, sind hier am Romantischen Rhein auch die Wandergenüsse.

Romantisches Rheintal

Deutsches Eck in Koblenz von der Festung Ehrenbreitstein aus betrachtet
Deutsches Eck in Koblenz von der Festung Ehrenbreitstein aus betrachtet

Schon in der Antike spielten der Verkehr auf dem Fluss und das Tal eine besondere Rolle, wie es heute noch an zahllosen Funden und Ruinen abzulesen ist. Im Mittelalter blieb das Rheintal weiter im Interesse der Mächtigen. Die vielen Burgen entstanden. Statistisch betrachtet steht auf den 65 Kilometern zwischen der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz bis zum Mäuseturm bei Bingen alle 2,24 Kilometer eine Burg oder Ruine. Sie säumen natürlich beide Ufer des Rheines, denn Landesherren fanden es höchst attraktiv, an dem europäischen Hauptverkehrsweg einen Sitz zu haben. Schließlich bedeuteten die vorbeifahrenden Schiffe reichlich sprudelnde Zolleinnahmen und da zierten sich weder weltliche noch kirchliche Herrschaften, ordentlich zuzulangen. Zu Füßen der Höhenburgen entwickelten sich Dörfer und kleine Städtchen, die sich meist mit der Enge des Tals arrangieren mussten. Und vieles, was man heute als „malerisch“ und „romantisch“ bezeichnet, entstand aus dieser Platznot.

Bacharach mit Burg Stahleck
Bacharach mit Burg Stahleck

Schmale Häuser, enge Gassen geben heute vielfach den Orten ein besonderes Flair. Aber für die großen romanischen oder gotischen Kirchen fand man immer noch den geeigneten Baugrund. Und dieses gedrängte Miteinander von Kultur aus allen Jahrhunderten und einer Natur, die von der Gunst des Klimas profitiert, das alles macht den Weltrang des Rheintals aus!

Reisetraditionen

Blick auf Burg Maus
Blick auf Burg Maus

Wer von der schreibenden Prominenz vergangener Zeiten, beispielsweise vom Geheimrat Goethe über Heinrich Heine, Lord Byron und Victor Hugo, war nicht alles hier und schwärmte von den überraschenden Wechseln in der Landschaft, von den „anmutigen“ und den „schaurig wilden“ Abschnitten des Rheintals? Die englischen Touristen, die Reise-Weltmeister des 19. Jahrhunderts, hatten als erste im großen Stil die Schönheiten des Mittelrheintals entdeckt und es zu einer Pionierlandschaft des europäischen Tourismus gemacht. Wer auf sich hielt, musste hierhin! Die ersten Dampfer für eine Reise auf dem malerischen Fluss brachten sie auch gleich mit. Rheinromantik wurde bald ebenso für Mittelalter-Liebhaber aus deutschen Landen ein Grund, sich auf eine Reise zu begeben und sie fuhren auf dem Schiff durch das Rheintal. Aber immer wieder ging man von Bord, um auf Wanderungen die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Steile Felsen, weite Ausblicke, nicht nur vom Rolandsbogen oder der Loreley sowie Burgen und ihre Ruinen waren besonders gefragt.

Touristisch „up to date“

Der Eckfritz in Braubach wurde vor über 400 Jahren als Bauernschänke gegründet
Der Eckfritz in Braubach wurde vor über 400 Jahren als Bauernschänke gegründet

Diese Attraktionen locken nach wie vor, doch das Natur- und Kulturerlebnis Mittelrhein zwischen Mäuseturm und Rolandsbogen mit seinen zahllosen Facetten hat durch die Verleihung des Welterbe-Status noch einen ganz besonderen Auftrieb erhalten. Dieser Ehrentitel hat viele vor Ort beflügelt und die touristische Region präsentiert sich nun wieder als eine Destination, die am „Puls der Zeit“ steht. Aktiv die Landschaft und Kulturschätze kennenlernen, dazu wird für jeden Geschmack und Geldbeutel viel angeboten. Es gibt Pauschalen von Wandern ohne Gepäck, einem Picknick-Service, geführten Wanderungen über Mountainbike- und Fahrradtouren bis hin zum abwechslungsreich gefüllten Programm eines Kurzurlaubs mit sportlicher Bewegung und Kultur. Und dies – soweit möglich – das ganze Jahr über. Kulturangebote wie die Mittelrhein Musik Momente sorgen den ganzen Sommer lang für Events oftmals vor historischer Kulisse in Burgen, Kirchen und Schlössern. Zum Ohrenschmaus kommen im Rheintal auch kulinarische Genüsse. Gastronomen und Winzer koperieren und bringen alte Spezialitäten wie neue regionale Kreationen auf dem Tisch. …

Diesem Heft ist ein Pocketguide beigeklebt, mit 15 Tourentipps:

3-4: Von Bingen bis Bacharach. Rheinburgenweg Teil 1 (linksrheinisch)
5-6: Von Bacharach bis St. Goar. Rheinburgenweg Teil 2 (linksrheinisch)
7-8: Von St.Goar bis Koblenz. Rheinburgenweg Teil 3 (linksrheinisch)
9-10: Von Koblenz bis Andernach. Rheinburgenweg Teil 4 (linksrheinisch)
11-12: Von Andernach bis Bad Breisig. Rheinburgenweg Teil 5 (linksrheinisch)
13-14: Von Bad Breisig bis Rolandseck. Römer und Ritter Roland
15-16: Klettersteig Boppard. Rheinburgenweg
17-18: Weinlagenweg Boppard. Bacchus ruft!
19-20: Traumpfad Rheingoldbogen. Wald, Wein und Weitsicht!
21-22: Von Koblenz nach Rhens. Festungsmauern, Schlosszinnen und ein Königsstuhl
23-24: Traumpfad Saynsteig. Aussichten zwischen Rittern und Römern
25-26: Traumpfad Waldschluchtenweg. Idyllische Bachtäler, Waldschluchten und tolle Wälder
27-28: Rund um Lahnstein. Zwischen Klamm und Lahn
29-30: Auf den Spuren der Loreley. Von Kaub nach St.Goarshausen
31-32: Zwischen Katz und Maus. Von St.Goarshausen nach Kestert

Die neuen Traumpfade im Rhein-Mosel-Eifel-Land

Die schönsten Landschaften an Rhein, Mosel und Eifel mit ihren Bachtälern, Wäldern, Weinbergen, Wiesen und ihrer Welt der Burgen und Schlösser sowie vieler touristischer Highlights werden durch die neuen Traumpfade im "Rhein-Mosel-Eifel-Land" erschlossen. Im Herbst 2007 werden die ersten elf Wege fertig ausgeschildert und beschrieben sein, 2008 und 2009 sollen weitere 24 Traumpfade folgen.

Traumpfade sind speziell auf Genusswanderer zugeschnitten. Sie bieten schmale Pfade auf federnden Böden, abwechslungsreiche Wegeverläufe und spektakuläre Ausblicke als Tages- und Halbtagestouren auch für Ungeübte. Die Traumpfade verführen zum Wandern und werden allesamt die Qualitätsstandards "Premium-Wanderweg" und "Extratour" des Deutschen Wanderinstituts erfüllen.

Die ersten drei Traumpfade "Rheingoldbogen", "Waldschluchtenweg" und "Saynsteig", die Sie mithilfe der Beschreibungen im Pocketguide des aktuellen Wandermagazins schon wandern können, bieten wundersschöne Tagestouren am Mittelrhein. Ab 1. Oktober 2007 wird dann die "unverlaufbare" Beschilderung der ersten elf Traumtouren fertig sein. Diese wird den aktuellen Vorgaben des Wanderwege Leitfadens Rheinland-Pfalz (Rezension im aktuellen Wandermagazin) entsprechen.



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