© Klaus-Peter Kappest

Wildbachklamm Buchberger Leite: Wilde Wasser im Bayerischen Wald

Ausgabe 135 – Juni/Juli 2007

Deutschland

Etwas unwirklich sieht es schon aus, wenn die Sonne durch das grüne Blätterdach scheint und ihr Licht sich im schäumenden, wilden Bachlauf der Wolfsteiner Ohe bricht. Fast könnte man meinen, es liegen Edelsteine auf dem Grund des Flusses, der sich süd-wes

Einst verkürzte sie den Arbeitern des Carbidwerks den Weg, heute ist die abenteuerliche Hängebrücke über die Wolfsteiner Ohe ein
Einst verkürzte sie den Arbeitern des Carbidwerks den Weg, heute ist die abenteuerliche Hängebrücke über die Wolfsteiner Ohe ein

Besonders zur Schneeschmelze zeigt sich der Wildbach von seiner ungestümen Seite. Doch auch im Sommer sprudelt und schäumt es gewaltig zwischen den grün schimmernden, moosbewachsenen Granitblöcken, durch die sich der Fluss im Laufe der Jahrtausende eine tiefe Schlucht gegraben hat. Am Rand des Wanderweges türmen sich imposante Gesteinsformationen auf. Der „Pfahl“, ein fast 150 km langer Riss im Gebirgsgrund zwischen Naabtal und Linz, verläuft durch die Buchberger Leite. Er gehört zu den schönsten Geotopen Deutschlands.

Märchenland

Die Wildheit der Buchberger Leite und ihre verwunschene Atmosphäre hat die Menschen schon vor langer Zeit gefesselt und fasziniert. So ranken sich viele Märchen und Sagen um die Schlucht, von Rehen mit zwei Geweihen, verzauberten Burgfräulein und tapferen Edelmännern. Sogar einen Drachen soll es hier gegeben haben. Doch die vielleicht schönste Geschichte ist gleichzeitig die tragischste: Der letzte Puchberger, ein junger, eigenwilliger Gesell und einziger Sproß seines Geschlechts, hat gegen die Gepflogenheit seiner Zeit kein Edelfräulein, sondern eine einfache Müllerstochter geheiratet. Der erzürnte Vater enterbte ihn, doch der junge Edelmann verließ mit seiner Frau die Burg und wurde zum Strauchritter.

Die Wildbachklamm ist seit August 2003 ausgezeichnet mit dem Natur-Gütesiegel Bayerns schönste Geotope
Die Wildbachklamm ist seit August 2003 ausgezeichnet mit dem Natur-Gütesiegel Bayerns schönste Geotope

Gar manchen Säumerzug am Goldenen Steig hat er überfallen, sein Weib hat ihm dabei als Troßbub verkleidet geholfen. Eines Tages fingen Häscher die Beiden und verlangten eine hohe Lösesumme. Der Vater löste ihn auch aus, hatte aber einen finsteren Urteilsspruch gefällt: Der Sohn sei auf immer des Landes verwiesen, die Müllerstochter werde am Scheiterhaufen verbrannt. Ein letzter Wunsch wurde dem Verbannten noch zugebilligt. Da bat er sich seine Frau aus. Er nahm sie vor sich auf ein Roß und sprang mit ihr über Mauern und Felsen hinab in die Leite. Im wilden Saußbach haben sie ihr Ende gefunden. …

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Juni/Juli 2007