© Klaus-Peter Kappest

Produktübersicht: Mit Genuss in die Kälte

Ausgabe 138 – Januar/Februar 2008

Know How

Winter ist eine herrliche Zeit zum Wandern. Klare Luft, Körpergefühl und Wärme durch Bewegung. Dazu gibt es einen ganz anderen Blick auf die Natur, die sich je nachdem, ob Schnee, Reif, Frost oder die winterlichen Nacktheit der Landschaft dominieren, ganz

Der Winter hat es in sich. Sei es nun auf Schusters Rappen, den großen Tellern oder langen Brettern, Wanderungen im Winter haben einen besonderen Reiz. Die Stille der Landschaft ist erholsam, die Schönheit verblüffend und zuweilen sogar bizarr. Damit man das genießen kann, gibt es eigentlich nichts Besseres als das Zwiebelschalensystem: unterschiedliche Lagen kombinieren, wie man sie braucht, damit einem warm ist.

Das klassische 3-Lagen-System ist auf kalte und feuchte Bedingungen perfekt zugeschnitten: Die erste Lage am Körper sorgt für den Trage- und Klimakomfort. Die zweite Lage schafft die notwendige Wärme und die äußere, dritte Lage schützt gegen Wind und Wetter.

Das klingt simpel, aber die Möglichkeiten in diesem System sind vielfältig - sowohl bei den Materialien wie auch in den Preiskategorien. Ob man sich von Kopf bis Fuß für knapp 700 Euro funktionell einkleidet oder aber die Luxusversion zum doppelten Preis favorisiert, das schlägt sich nicht unbedingt in der erzielbaren Wärme nieder. Meist geht es dabei dagegen um weniger Gewicht, mehr Tragekomfort, bessere Passform, aufwendigere Materialien und Verarbeitungen.

Klimakomfort - die erste Lage

Wenn es kalt ist, besteht die Hauptfunktion der Funktionswäsche darin, den Körper angenehm warm zu halten, also die Körpertemperatur bei 37° C zu konservieren. Im Gegensatz zu sportlichen Aktivitäten, bei denen der Körper die Schweißproduktion braucht, um sich zu kühlen, geht es beim Wandern darum, den Schweiß nicht zu lang in der Bekleidung zu speichern, sondern loszuwerden.

Die Funktionswäsche muss also die Feuchtigkeit transportieren. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Wicking". Darunter versteht man den Kapillar- oder Docht-Effekt (Wick = Docht), der die Feuchtigkeit vom Körper weg leitet. Dieses „Wicking" funktioniert besonders gut bei Mehrlagenstoffen, die aus unterschiedlichen Fasern zusammengesetzt sind. Dabei wird ein hydrophobes (= wasserabstoßendes) Material auf der Innenseite mit einem hydrophilen (= wasseranziehenden) Material auf der Außenseite kombiniert. Die Außenseite „zieht" so die Nässe nach außen. Materialien, die weniger Nässe aufnehmen, sind innen besser (Synthetikfasern wie Polypropylen, Polyester, Polyamid), Materialien, die mehr Nässe aufnehmen können, werden außen eingestrickt (Naturfasern wie Baumwolle, Viskose, Wolle). Allerdings lässt sich auch Polypropylen (ca. 0,1% Feuchtigkeitsaufnahme) innen mit Polyamid (ca. 6% Feuchtigkeitsaufnahme) außen kombinieren.

Eine andere Möglichkeit liegt in der Verwendung hochwertiger Merinowolle. Wolle kann relativ viel Feuchtigkeit speichern, ohne sich nass anzufühlen. Damit wird der Körper auch nicht unnötig ausgekühlt. Gleichzeitig gibt es kaum eine Faser, die so viel angenehme Wärme speichern kann wie Merino. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Phalanx der Synthetikfasern zunehmend von Merino „aufgebrochen" und diese als funktionell dargestellt wird. Sie ist es wirklich!

Wärmeisolation - die zweite Lage

Wärme, Wärme, Wärme. Das sind die drei Notwendigkeiten der zweiten Lage. Da die Bekleidung selbst keine Wärme produziert, geht es dabei um die Isolation der Körperwärme. Aus der Physik wissen wir, dass stehende Luft ein hervorragender Isolator ist. In der zweiten Lage werden also Materialien eingesetzt, die möglichst viel Luft einspeichern können: synthetische Bauschfasern, Polyesterfleece, Daunen oder Wollfleece. Daunen, nicht zu verwechseln mit Federn, sind das leichteste Ge-fieder von Gänsen und Enten. Von einem winzigen Punkt gehen extrem dünne Verästelungen aus, die viel Luft einschließen. Daunen sind extrem leicht und dennoch sehr langlebig. Sie haben eine hohe Rückstellfähigkeit. Das heißt, sie lassen sich komprimieren und dehnen sich doch immer wieder aus. Leider sind hochwertige Daunen sehr teuer und auch Nässe können sie nur mit viel anschließender Pflege vertragen, weil sie sonst verklumpen.

Die Alternative dazu, ähnlich wie bei Schlafsäcken auch, sind so genannte Bausch- oder Kunstfasern wie PrimaLoft®, Thinsulate®, Microloft, Hollow- und Quallofil. Sie imitieren Daunen durch starke Verästelungen und Hohlkammern. Nachteile der Kunstfasern sind Gewicht und Packmaß. Auch in der „Lebenslänge" sind Kunstfasern der Daune unterlegen. Allerdings sind Kunstfasern pflegeleicht, unempfindlich gegen Nässe und günstiger in der Anschaffung. Fleece gehören zu den Standardprodukten der zweiten Lage. Sie sind meist aus Polyester und haben einen zweiseitigen Flausch, der auf der Oberfläche geschoren ist. Unterdessen gibt es viele unterschiedlichen Materialdicken mit unterschiedlichen Isolationsleistungen: Mikro-fleece, 100er, 200er, 300er Qualitäten (bezieht sich auf das ungefähre Grammgewicht), Stretchfleece oder Highloft-Fleece. Im Gewichts-/Isolationsverhältnis ist das Highloft-Fleece besonders interessant. Es ist langfasrig, fast wie ein Tierfell, und speichert dadurch viel Luft ein. Gleichzeitig ist es erstaunlich leicht. Highloft-Fleece hat darüber hinaus den Vorteil, dass es nicht pillt, also Knötchen bildet: ein Nachteil vor allem bei günstigem No-Name Fleece.

Die zweite Lage wählt man entsprechend der zu erwartenden Kälte: warm genug, um nicht zu frieren, aber nicht zu warm, um nicht sofort zu schwitzen - sonst hat man ein Feuchtigkeitsproblem.

Wetterschutz - die dritte Lage

Die äußere Lage muss vor Wind, Regen und Schnee schützen. Das machen die unterschiedlichen Membranen und Beschichtungen funktioneller Markenbekleidung inzwischen alle sehr gut. Für den Winter empfiehlt es sich allerdings, zu überlegen, wie die Außenjacke verarbeitet sein soll.

Beim klassischen 3-Lagen-System wird bei der Außenjacke auf jegliche Isolation verzichtet, damit man die Jacke zu allen Jahreszeiten anziehen kann. Das ist funktionell und variabel und relativiert etwas die mitunter hohen Preise. Daneben gibt es spezielle, festgefütterte Winterjacken. Sie sind warm, aber auch klobig, was die Bewegungsfreiheit beim Wandern etwas einschränken kann.

Eine gute Alternative sind so genannte Doppeljacken. Diese sind sehr variabel, obendrein aber auch praktisch in der Handhabung. Doppeljacken haben eine herausnehmbare Innenjacke - aus Fleece oder Kunstfaser, selten mit Daunenfüllung - und eine wasserdichte, ungefütterte Außenjacke. Die Innenjacke lässt sich über einen zusätzlichen Reißverschluss und Druckknöpfe an den Ärmeln in der Jacke fixieren. Dadurch hat man eine vollwertige Ganzjahresjacke mit drei verschiedenen Tragemöglichkeiten: Innen- und Außenjacke kombiniert bei Kälte und schlechtem Wetter, nur die Innenjacke bei trockener, kühler Temperatur, und nur die Außenjacke bei nassen, eher milden Verhältnissen.

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