© Klaus-Peter Kappest

Wanderschaukel Rheintal

Ausgabe 139 – März/April 2008

Deutschland

Ob ich pralles Naturvergnügen schätzen würde? Ob ich etwas für sagenhafte Ausblicke, trutzige Bur-gen, süffige Weine und virtuose Wandervielfalt übrig hätte? Natürlich! Und alles ohne das Auto auch nur einen Zentimeter zu bewegen? Klar doch! Alleine oder

St.-Severus-Kirche in Boppard
St.-Severus-Kirche in Boppard

Felix hatte ich zufällig kennengelernt. Letzten Sommer, beim Wandern im Westerwald. Ich moserte über ausgedünnte Busfahrpläne an den Wochenenden. Über mangelnde Tourenalternativen in der Nähe, steigende Spritpreise und darüber, dass mir meist das gewisse Prickeln, eine urige Einkehr, eine ungeplante Überraschung oder ein szenisches Highlight, fehlen würde. Er hatte mich nur verständlos angeschaut und gemeint: Wie wär`s denn mit der Wanderschaukel Rheintal?

Familie on Tour

Die feindlichen Brüder
Die feindlichen Brüder

Er sollte Recht behalten! Und das kam so: Rein in einen Regionalexpress, der südwärts ins Mittelrheintal fuhr. Fünf Menschen on Tour. Dass unsere drei „Großen“ mal wieder mit von der Partie waren, versetzte mich in euphorische Hochstimmung. Das Rheintal aus der Eisenbahnperspektive? Außer für mich war das für meine Frau und die Kinder eine Premiere. Bizarr, wenn die Steillagen aus den Dächern der Orte zu wachsen scheinen. Höher und höher jagt der Blick. Felsen druchbrechen die Symmetrie, Büsche, dann Schluchtenwald. Bachtäler lassen sich als „Falten“ im Waldmantel ausmachen. Die Marksburg. Ein Ah und Oh ist zu hören. Längst hängen wir am Panoramafenster. Abwechselnd pointieren ausgestreckte Finger Bedeutsames, fahren die Silhouetten der Orte nach. Wie ausgebreitete Schals säumen sie das Ufer. „Wo steigen wir eigentlich aus?“ Wo es uns gefällt. Alles ist schön. Mit der Fähre rüber, aufsteigen, Höhe machen, staunen, tippeln, einkehren, absteigen.

In Hunsrück oder Taunus

Als Burg Maus ins Blickfeld gerät, entscheidet sich die Mehrheit für Ausstieg in St. Goar. Rüber mit der Fähre nach St. Goarshausen und zur Loreley oder Burg Katz oder zum Vier-Burgen-Blick oder linksrheinisch bleiben und über die gewaltige Ruine Rheinfels in den Hunsrück wandern. Hunsrück? Warum nicht! Links ist Hunsrück, rechts haben wir die Ausläufer des Taunus. Ich muss dann letztlich zur Eile drängen. Die Besichtigung durch die Kasematten der sagenhaft schön gelegenen Burgruine Rheinfels animiert zu allerlei „Nachschauen“. Dann der Aufstieg durch das Gründelbachtal. Oben in Karbach endet die Waldeinsamkeit. Ein sagenhafter Blick. „Wo bitte ist der Rhein?“ Tatsächlich ist aus dieser Perspektive der Rhein nur als beeindruckend tiefe, geschwungene Geländefalte zu erkennen. Richtung Osten machen wir im Rhein-Taunus einige Dörfer in der Höhe aus. Wunderbar. Karbach, das Kirchlein St. Quentin und wir ziehen in Emmelshausen ein. „Und alles zu Fuß zurück?“ Natürlich nicht. Alles einsteigen in die Hunsrückbahn und auf nach Boppard am Rhein…

In diesem Heft finden Sie auch sechs ausführliche Wandertipps sowie weitere Reportagen zum Thema Stress- und Staufrei Wandern:

Reportagen:

Ausführliche Tourentipps:

  • Rheinburgenweg Andernach bis Brohl-Lützing
  • Traumpfad Saynsteig
  • Felskippen und Wasserlauf - Durch das Baybachtal
  • Der Oelsbergsteig
  • Von Osterspai nach Braubach
  • Zu Sauerburg und Pfalzgrafenstein


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März/April 2008