© Klaus-Peter Kappest

Ardèche - Viel mehr als nur eine spektakuläre Schlucht

Ausgabe 140 – Mai/Juni 2008

Frankreich

Ein anerkennendes Nicken der Freunde folgt der Ankündigung, den Urlaub in der Ardèche zu verbringen. Klar, jeder kennt sie, viele waren schon mal da: Diese grandiose Schlucht mit den spektakulären Steilfelsen ist nicht nur bei Kanusportlern beliebt.

Am Fluss Ardèche
Am Fluss Ardèche

Doch die Ardèche, ein Departement der Region Rhône-Alpes, hat für Wanderer sehr viel mehr zu bieten. Wer wieß schon, dass unterhalb des 1.551 m hohen Mont Gerbier de Jonc die Loire entspringt, wer kennt die Tanargue-Höhen mit wildromantischen, einsamen Tälern – ein herrliches Wandergebiet. Dieses Departement mit den südöstlichen Ausläufern des Zentralmassivs, den nördlichen Cevennen und den sanften Abhängen am rechten Rhôneufer bildet nicht nur die Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer, sondern auch den reizvollen Übergang zum Midi. In den sonnigen, abwechslungsreichen Landstrichen finden Wanderer neben schönen Wegen eine Gastronomie mit vielen Spezialitäten und vor allen Dingen, immer wieder Begegnungen mit interessanten Menschen.

Kräftiger Einstieg

Ardèche-Schlucht
Ardèche-Schlucht

Lamastre, ein quirliges Dörfchen im Norden des Departements Ardèche erscheint geeignet, um sich mit dieser Landschaft vertraut zu machen. Von hier zuckelt eine Dampfeisenbahn aus dem 19. Jh., von den Einwohner liebevoll „Mastrou“ genannt, als Attraktion für Touristen ab und zu durch das wildromantische Doux-Tal. Einen köstlichen Einstieg in die regionalen Spezialitäten gibt mir Madame Blanc in dem etwas außerhalb gelegenen Bauerngasthof Jameysse. Sie serviert ein leckeres, mit Esskastanien gefülltes Perlhuhn. Das Federvieh stammt aus eigener Zucht, die Füllung reifte in unmittelbarer Umgebung. Es folgt Salat aus dem Garten mit einem Picodon, dem würzigen, kleinen Ziegenkäse der Ardèche, und als krönender Abschluss ein Flan (In Wasserbad gestockte Masse aus Eiern und Flüssigkeit. Wahlweise süß oder pikant) aus Kastanienmehl. Wohl dem, der sich dagegen zunächst auf ein französisch-frugales Frühastück beschränkt. So gestärkt kann man dem Aufstieg zur Burgruine Peychelard, die seit dem 10. Jh. Auf einem Felsvorsprung über Lamastre wacht, gelassen entgegen sehen. Die kleine Wanderung überzeugt beim Rundblick auf der Anhöhe vom Reiz dieses Landstriches mit seinen schönen Buchen- und Kastanienwäldern.

Apropos Kastanien …

Bei der Mühle von Raoul
Bei der Mühle von Raoul

Sie stehen wie kaum ein anderes Produkt für die Ardèche. Seit 2006 dürfen sich die Esskastanien mit dem begehrten Qualitätszeichen AOC schmücken. Zu recht, denn Maronencreme und kandierte Maronen sind eine ständige Versuchung und das Brot mit Kastanienmehl schmeckt hervorragend zu den kleinen, lokalen Ziegenkäsen. Die Tagestour mit einer zusammengewürfelten Gruppe von Gästen aus Vals-les-Bains, die sich nach jeder Wanderung in den Thermen verwöhnen lassen, führt durch eben diese lichten Esskastanienwälder, in denen die Kastanien auch fleißig geerntet werden. Raphael fährt alle mit dem Minibus nach Genestelle, ein Weiler hoch über dem Bach Sandron. Schon diese Fahrt lohnt wegen der herrlichen Aussicht. …



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Ausgabe 140

Mai/Juni 2008