© Klaus-Peter Kappest

Blumen, Fachwerk und leckere Karpfen - Radtouren im Sundgau

Ausgabe 140 – Mai/Juni 2008

Frankreich

„Fir in d‘Heimet wieder z’kumme gab i s’letschte Tröpfle Blüet“, damit erklärte der beliebte Volksdichter Charles Zumstein seine Verbundenheit mit dem Sundgau. Immerhin war es dem Sundgauer vergönnt, fast einhundert Jahre in seiner Heimat zu leben, bevor

Radlerfreundliche Unterkünfte

Die gut ausgearbeitete, dreisprachige Karte „Sundgau auf Rädern“ enthält insgesamt acht Tourenvorschläge und Informationen über die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecken. Mehr noch, die aufgeführten 37 Hotels in ländlicher Umgebung sowie die sieben Hotels in Mulhouse bieten außer einem Abstellraum für Fahrräder und dem Raum zum Trocknen der Kleidung auch den Parkplatz für das Auto. Alle servieren ein frühes, reichhaltiges Radler-Frühastück, spezielle Menüs für Radfahrer und auf Wunsch auch ein Picknick für unterwegs. Wer ohne den eigenen Drahtesel anreist, erhält eine Liste der Fahrrad-Vermieter in der Nähe. Für kleine Wehwehchen von Rad und Radler gibt es eine kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung. Bei längeren Touren mit mehreren Etappen wird für den Gepäcktransport gesorgt.

Auf dem Treidelpfad

Damit nicht gleich ein ausgewachsener Muskelkater droht, wählen wir zunächst eine gemütliche Strecke am Rhein-Rhône-Kanal. Sie ist Teil des Fernwander-Radweges, auf dem demnächst von Nantes am Atlantik bis Budapest geradelt werden kann. Im kleinen Freizeithafen von Dannemarie dümpeln einige Boote, über dem Wasser des Kanals liegt noch etwas Dunst. Flott rollen die Räder von einer Schleuse zur anderen, viele sind mit Blumen geschmückt, bei Nr. 20 dient gar ein Fahrrad als Blumenständer. Links der Kanal, rechts Weiden, auf denen Kühe friedlich wiederkäuen, dazwischen stakst ein Reiher. Er hebt kurz den Kopf, doch lässt er sich von uns ebenso wenig von der Nahrungssuche ablenken wie der Schwan am anderen Kanalufer vom Dösen. Ab und zu kommt ein Radfahrer entgegen, dann eine junge Frau auf gleich acht Rädern: Der flache Radweg erfreut sich auch bei Inline-Rollern großer Beliebtheit. Auf dem ehemaligen Treidelpfad könnte man bis Mulhouse fahren und danach weiter am Kanal entlang bis Basel. Doch der Sundgau mit seinen hübschen Dörfern lockt. In Balschwiller ruht unter dem Dach des Waschhauses aus dem Jahr 1881 eine alte Feuerwehrspritze.

Karpfenfischer
Karpfenfischer

. Schon lange schnattern keine Waschfrauen mehr rund um die Becken und das Löschgerät kommt auch nicht mehr zum Einsatz. Doch es ist zu erfahren, dass es hier sogar einen „Waschhaus-Aufseher“ gab, der auf die Einhaltung der Regeln zu achten hatte. Und darauf, dass hier weder Gemüse noch Schweinsdärme gewaschen werden durften. In den Dörfern herrscht Ruhe, nur hin und wieder werkelt jemand im Garten. Die bunten Fachwerkhäuser wetteifern mit dem allgegenwärtigen Blumenschmuck um die leuchtendsten Farben. Man fragt sich als gestresster Zeitgenosse, wo die Einwohner wohl die Zeit hernehmen, um sich so intensiv der Dorfverschönerung zu widmen. …



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Ausgabe 140

Mai/Juni 2008