© Klaus-Peter Kappest

Drahteselgeschichten: Was zieht man an, wie wird was transportiert?

Ausgabe 140 – Mai/Juni 2008

Know How

Radwandern ist ein wunderbare Art der Fortbewegung: Umweltfreundlich, zügig, gelenkschonend, menschlich. Egal, ob man um den Bodensee als Familientour radelt, sportlich über die Alpen strampelt oder auf großer Tour zum Nordkap fährt. Mit dem Fahrrad ist d

Wandern ist mitunter mühsam, weil man langsamer unterwegs ist und der Geist schon am Ziel weilt, ehe der Körper folgt. Wer dagegen radelt, kommt vielleicht körperlich schneller an als die Psyche folgen kann. Das ist Stress und meist wenig erholsam. Mit dem Fahrrad kann man lange Strecken zurücklegen, und nähert sich ruhig und allmählich dem Ziel. Die Gedanken können mit der Geschwindigkeit Schritt halten. Radwandern ist für viele Outdoorer das ideale Reisetempo. Man sieht ausreichend viel von der Umgebung und kommt doch gut vorwärts.

Das Gewicht ist auf den meisten Radtouren nicht so belastend. Die Gepäcktaschen nehmen ordentlich was auf und mit dem Fahrrad kann man es transportieren – eventuell sogar im Anhänger. Nur etwa auf Alpencross-Touren belastet der Rucksack, weil hier Radtaschen die Beweglichkeit der Mountainbikes einschränken würden.

Und noch etwas kommt hinzu: Radfahren schont die Gelenke und verbindet die Generationen besser miteinander. Auch Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen können auf Radwanderungen längere Strecken bewältigen.

Schutz gegen Wind und Wetter

Wer eine mehrtägige oder gar mehrwöchige Radtour unternimmt, kommt um ordentlichen Wind- und Wetterschutz nicht umhin. Windschutz gilt sogar als „Muss“, weil bereits der Fahrtwind zu einem unangenehmen Auskühlen des Körpers führen kann. Wenn dann noch Gegenwind dazukommt und der Körper wegen der Anstrengung mehr schwitzt, besteht die Gefahr einer Hypothermie, der Unterkühlung des Körpers. Zum Glück gibt es die extrem leichten und faustgroßen Lösungen: dünne, aber winddichte Polyamid Überzieher, die in die Hosen- oder Trikottasche passen und immer dabei sein sollten. Die Alternative wäre eine Softshelljacke: Ebenfalls winddicht, ist sie eine vollwertige Jacke mit etwas Wärmeleistung und einer komfortablen Passform. Die Softshelljacke lässt sich auch sehr vielseitig als Fleece- und Alltagsjacke benutzen. Während es meist ausreicht, den Oberkörper gegen Wind zu schützen, hilft gegen Regen nur eine Komplettkombination von Regenjacke und Überhose. Diese sollt möglichst atmungsaktiv sein, weil Radfahren mitunter sehr schweißtreibend sein kann. Viele Radregenjacken kommen ohne Kapuze daher. Das liegt natürlich daran, dass ein Helm zur Pflichtsicherheitsausrüstung gehört und darüber ein Regenüberzug getragen wird. Andererseits haben die Hersteller auch optionale Kapuzen im Sortiment. Die Idee einer von der Jacke abgekoppelten Kapuze hat den Vorteil, dass diese auf dem Kopf perfekt mitdreht und somit die Sicht beim Blick über die Schulter nicht behindert.

Polster fürs Sitzfleisch

Der typischste Ausrüstungsgegenstand für Radfahrer ist die gepolsterte Radhose. Mit ihr verhält es sich seltsamerweise so, dass sich die Polsterung umgekehrt proportional zum Leistungsstand verhält. Hosen für Vielfahrer, insbesondere Rennprofis, haben eher dünnere Polsterung, die Polsterungen für Freizeitradler sind meist etwas dicker. Wie immer man sich entscheidet, gepolsterte Radhosen sind sehr angenehm und verhindern das Wundscheuern des Gesäßes – zumindest verzögern sie es. Normalerweise wird unter einer Radhose keine Unterwäsche getragen, um Reibungspunkte zu minimieren. Auf längeren Radtouren mag man das anders handhaben oder sollte Ersatzhosen einpacken, damit man zwischendurch mal waschen kann. Eine dritte Variante ist die Funktionswäsche mit integriertem Sitzpolster. Der große Vorteil hier: Man benötigt keine spezielle Radhose, sondern zieht die gepolsterte Wäsche unter einer normalen Trekking- oder Wanderhose an. Klassiker der Radhose ist aber dennoch die Tights mit Radpolster in der kurzen oder langen Version. Wer etwas sportlicher unterwegs ist, wählt gerne die Trägervariante. Sie hat den Vorteil, dass sie perfekt sitzt, nicht verrutscht und die Nieren zusätzlich etwas wärmt. Mountainbiker oder Freizeitradler lehnen die Tights manchmal aus ästhetischen Gründen ab. Sie bevorzugen eine lockere Bikeshorts mit Taschen. Das ist praktischer und weitaus lässiger in der Optik. Manche dieser Shorts haben herausnehmbare Sitzpolster, damit man die Radshorts auch als normale Shorts tragen kann.

Unterschiedliches Gepäck für unterschiedliche Touren

Je nach geplanter Tour benötigt man unterschiedliche „Gepäckträgerkonzepte“. Grundsätzlich lassen sich vier Varianten unterscheiden. Für die Tagestour reicht ein kleiner Radpack oder ein Rucksack mit Trinksystem. Mit wenig Gewicht , d.h. den, nötigsten Ausrüstungsgegenständen und Verpflegungsrationen, lässt sich der Tag gut bewerkstelligen. Wenig Gewicht heißt gute Beweglichkeit und viel Spaß. Wer die Tagestour nicht mit dem Mountainbike im Gelände fährt, sondern auf befestigten Straßen mit einem Rad mit Gepäckträgern unterwegs ist, kann sich komplett entlasten und den Rucksack auf dem Gepäckträger befestigen. Die Alternative sind kleinere Taschen oder eine Lenkertasche. Für größere Touren wie ein Alpencross benötigt man einen 25 bis 30 Liter Radrucksack. Hier sollte dann verstärkt auf ein hochwertiges und bequemes Tragesystem sowie einen gut gepolsterten und effektiv belüfteten Rücken Wert gelegt werden. Zur Entlastung des Rückens kann schweres Gepäck (wie Werkzeug) in Satteltaschen unter dem Sattel oder Getränke in Radflaschen am Rahmen befestigt werden. Bei der normalen Radtour ist eine Ausstattung des Rades mit Vorder- und Hinterradgepäckträgern notwendig. Dadurch kann man die benötigte Ausrüstung transportieren und sorgt für eine optimale Verteilung des Gepäckes am Fahrrad. Die Gepäcktaschen werden an den Trägern seitlich befestigt, um einen möglichst niedrigen Schwerpunkt zu erzeugen. Beim beweglichen Vorderrad sollten sie auf Achshöhe sitzen. Dazu benötigt man sogenannte „Lowrider“-Gepäckträger. Rahmentaschen, Satteltaschen, eine Lenkertasche und eventuell eine Gepäckrolle auf dem Hinterradgepäckträger sind weitere Möglichkeiten, das Gewicht sinnvoll zu verteilen, viel mitzunehmen und dabei Übersicht zu behalten. Wer für längere Touren noch mehr Gepäck mitnehmen muss, kommt an einem Gepäckanhänger nicht vorbei. Auch dieser sollte auf Achshöhe mit dem Fahrrad verbunden sein. Die Zuladungskapazität liegt dann locker bei über 100 Liter Packvolumen. Das müsste auch für die längste Tour reichen.

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