© Klaus-Peter Kappest

Erzgebirge: Bewegende Lebensläufe

Ausgabe 141 – Juli/August 2008

Deutschland

Ein abenteuerlicher Alltag, harte Lebensbedingungen und das Ganze eingebettet in die abwechslungsreiche Landschaft des westlichen Erzgebirges – das war das Lebensumfeld für die erzgebirgischen Originale Anton Günther und Karl Stülpner. Es lässt sich heute

„Arzgebirg, wie bist du schie!“

Wandern im Naturpark
Wandern im Naturpark

Die Schönheiten des Erzgebirges hat kein anderer so ausführlich beschrieben und besungen: Rund 150 Lieder textete und komponierte Anton Günther. Eine pfiffige Idee hatte er, um seine Lieder unter das Volk zu bringen: die Liedpostkarte. Darin vereinigen sich die beiden Talente des 1876 im böhmischen Gottesgab (Bozi Dar) geborenen Sohnes eines Stickmeisters und Musterzeichners. Anton wäre zwar lieber Förster geworden, doch für diese Ausbildung hatte die Familie kein Geld. Und so begann er 1892 im sächsischen Buchholz eine Lehre als Lithograf. Die erste Stelle führte den jungen Lithografen drei Jahre später nach Prag. Hier fühlte er sich nicht wohl und schrieb – von Heimweh geplagt – seine ersten Lieder über das Erzgebirge. „Drham is drham“ (Daheim ist daheim) war der Auftakt. 1901 kehrte er in sein geliebtes Erzgebirge zurück. Der Anlass war jedoch traurig. Der Vater war gestorben und Anton musste sich um die Familie, darunter fünf jüngere Geschwister, kümmern.

Neben der kargen Landwirtschaft waren es die Liedpostkarten und die Auftritte als Sänger, die ihm halfen, seiner Verantwortung nachzukommen und 1908 eine eigene Familie zu gründen. Als Musiker war er ein gefragter Mann. Er gab Liederabende in Dresden, Leipzig, Berlin und Wien, spielte auch vor gekrönten Häuptern. 1911 gründete er in Gottesgab eine Stiftung, die sich um arme, alte und kranke Menschen kümmerte. Auf die Höhen seines Lebens folgten zunehmend gesundheitliche und wirtschaftliche Probleme. Nachdem man ihn zu seinem 60. Geburtstag in Bozi Dar noch geehrt hatte, wählte er im folgenden Jahr den Freitod.

Der Anton-Günther-Rundweg

Burg Scharfenstein im Zhopautal
Burg Scharfenstein im Zhopautal

Die 65 km lange Wanderung führt durch den böhmischen und sächsischen Teil des Erzgebirges, genauer durch die Kammregion des oberen Westerzgebirges. Ausgangspunkt und Ziel ist Bozi Dar mit dem ehemaligen Wohnhaus und dem Grab des Dichters und Sängers. Die Route berührt manchen Platz aus seinen Liedern oder beliebte Auftrittsorte wie das ehemalige Gasthaus „Dreckschenke“. Wer besonders intensiv auf den Spuren Anton Günthers wandern möchte, sollte einige Lieder im Wandergepäck haben – entsprechende CDs gibt es. Neben den Plätzen aus dem Leben des Sängers stehen natürlich auch die Schönheiten der Mittelgebirgslandschaft auf dem Wanderprogramm. Allgegenwärtig ist dabei die Wirtschaftsgeschichte des Erzgebirges mit den Relikten des Bergbaus. …

Unsere Beiträge zum Thema „Geschichte(n) für unterwegs“:



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Ausgabe 141

Juli/August 2008