© Klaus-Peter Kappest

Gard: Überraschendes Wanderrevier

Ausgabe 141 – Juli/August 2008

Frankreich

Vor lauter Antike könnte man im südfranzösischen Departement Gard schnell das Wesentliche übersehen. Der spektakuläre Pont du Gard oder die römischen Arenen von Nîmes stellen oft die landschaftlichen Schönheiten in den Schatten. Abwechslungsreiche Landstr

Unerwartet vielseitige Landschaften

Die Wasserfälle von Sautadet im Sommer
Die Wasserfälle von Sautadet im Sommer

Wie viele französische Departements trägt auch der Gard seinen Namen nach einem Fluss. Der berühmte Aha-Effekt tritt meistens ein, wenn noch das Pont davor gesetzt wird, denn der Pont du Gard ist das Wahrzeichen einer ganzen Region, die sich rechts der Rhône und südlich der Ardèche bis zur Camargue erstreckt. Und in westlicher Richtung dehnt sich das Departement Gard von den Weinlagen über der Rhône-Ebene bis zu den Kastanienwäldern der Cevennen.

Bei der hinlänglich bekannten Touristenattraktion handelt es sich um ein mächtiges Aquädukt aus der Römerzeit, das mittlerweile zum UNESCO-Welterbe gehört und alle Postkarten ziert. Touristen, die sich auf das Abhaken des kulturellen Pflichtprogramms beschränken, wissen nicht, was ihnen entgeht. In diesem südfranzösischen Departement gibt es eine unerwartete Landschaftsvielfalt und die schönen, alten Dörfer dienen nicht lediglich als pittoreske Ferienkulisse für Touristenmassen. In jedem Landstrich ist die Architektur eine andere. Hohe Hoftore führen zu den Weingütern in den Costières, in den Weinfeldern stehen Natursteinhütten. Diese „Capitelles“ und „Mazets“ aus Trockenmauern dienten als Schutz, Geräteschuppen und Sommerdomizil für die Feldarbeiter.

In den Cevennen-Dörfern zeugen hohe Gebäude mit großen Dachböden von der einst florierenden Seidenraupenzucht, während in den höheren Lagen dicke Granitmauern die Bewohner der Bauernhöfe vor dem raunen Klima schützten. Mächtige Burgen oder versteckte Schlösser in einem Park mit Palmen und Zedern sind Zeugnis dafür, dass dieses Land auch nach dem Verschwinden der Römer noch Schauplatz einer wechselhaften Geschichte war.

Kräuter und Kastanien

Eines der schönsten Dörfer Frankreichs: La Roque sur Cèze
Eines der schönsten Dörfer Frankreichs: La Roque sur Cèze

Kaum hat man das städtische Umfeld hinter sich gelassen und seine Schritte in die ländliche Umgebung gerichtet, wird die Nase von mediterranen Düften umschmeichelt. Die „Garrigues“ sind eine typische Landschaftsform im Gard. Die Garrigues-Gebiete entstanden nach einer massiven Abholzung, die bereits vor etwa 3.000 Jahren begann und von den Römern fortgesetzt wurde. Heute sind diese Landstriche Lebensraum von Grüneichen, Zistrosen, Buchs, Wachholder und Ginster. Thymian, Rosmarin und Lavendel sorgen für Wohlgerüche.

Nach den Weinlagen über der Rhône beginnen die Terrassen mit Obstgärten und Esskastanienbäumen, die heute mangels aktiver Landwirtschaft verwildern. Danach schließen sich die steilen Abhänge und tiefen Schluchten der Cevennen mit Buchen- und Kastanienwäldern an, weithin überragt vom 1.567 m hohen Hausberg des Gard, Mont Aigoual, auf dem sich seit 1887 eine der höchsten Wetterstationen Europas befindet.

Die dreifache Sieben

Reben und Romantik, die Kapelle St. Julien
Reben und Romantik, die Kapelle St. Julien

Angesichts einer solchen Landschaftsvielfalt wird schnell verständlich, dass sich hier abwechslungsreiche Wanderziele finden. Zumal insgesamt 3.500 km gekennzeichnete und mit Richtungsschildern versehene Wege nur darauf warten, erwandert zu werden. Die „7“ ist im Gard die Glückszahl für Wanderer. Seit 1958 führt der Fernwanderweg GR 7 entlang der Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer über den Aigoual.

Der GR 70 entstand vor 130 Jahren, als der Schriftsteller Robert Louis Stevenson mit seiner Eselin Modestine durch die Cevennen bis St. Jean du Gard wanderte. Heute folgen zahlreiche Wanderer seinen Spuren auf dem legendären Stevenson-Weg. Und die jüngste Fernwanderstrecke, der GR 700, ist letztlich sogar der älteste Weg. Sie verläuft auf der Voie Regordane, eine historische Pilger- und Handelsroute vom Mittelmeer bis ins Zentralmassiv. Eine Vielzahl an Rundwanderwegen, zweisprachige Gebietswanderkarten (franz. Und engl.) sowie eine Kette wanderfreundlicher Unterkünfte verheißen dem Gard eine Erfolg versprechende Zukunft als Wanderregion…

Allgemeine Auskünfte, Wandermöglichkeiten und Unterkünfte: Comité Départemental du Tourisme du Gard, B.P. 122, F-30010 Nîmes Cedex 4, www.tourismegard.com

Weitere Informationen: - Sommières und Umgebung, Wandern im Vidourletal, die Fahrrad-Strecke Voie Verte und die Steinbrüche von Junas, sowie die Liste der Unterkünfte Label „Accueil et Rando“ für Wanderer zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Rad: Office de Tourisme du Pays de Sommières, Tel. +33(0)466 80 99 30, E-Mail: ot.sommieres@wanadoo.fr, www.ot-sommieres.fr 

Sauve und die Wege durch das „Mer des Rochers: Office de Tourisme de Sauve, F-30610 Sauve, Tel. +33(0)466 77 57 51, E-Mail: offtoursauve@wanadoo.fr, www.vallée-vidourle.com

Vézenobres und die Wege durch die Garrigues: Office de Tourisme Intercommunal de Vezenobres, Les Terrasses du Château, F-30360 Vézenobres, Tel. +33(0)466 83 62 02, E-Mail: ot-vezenobres.Orange.fr

Goudargues und Wanderungen im Tal der Cèze: Office de Tourisme Valcezard, 4, Route de Pont Saint-Esprit, F-30630 Goudargues, Tel. +33(0)46682 30 02, www.tourisme-ceze-ardeche.com

Voie Regordane sowie kleine Broschüre in deutsch: Association La Voie Régordane, F-30450 Génolhac, Tel. +33(0)466 61 26 50

Sehenswürdigkeiten:

Concervatoire de la Fourche (Heugabeln), Rue des Boisseliers, F-30610 Sauve, Tel. +33(0)466 80 54 46, E-Mail: fourchedesauve@hotmail.fr, www.lafourchedesauve.com 1. April bis 30.September, täglich 9.30 bis 12.30 und 15 bis 19 Uhr geöffnet, restliche Jahres mittwochs bis sonntags 14 bis 17 Uhr, den Schulferien täglich.

Château de Portes, F-30530 Portes, Tel. +33(0)466 54 92 05,www.chateau-portes.org Wechselnde Öffnungszeiten, im Juli und August täglich geöffnet, Führungen in deutsch.

Wanderführer: Verschiedene zweisprachige Wanderkarten mit Informationen (engl., franz.) für acht Gebiete im Gard sind zum Preis zwischen 3 und 5 € beim CDT du Gard und in den Verkehrsämtern erhältlich. Topo-Guides, herausgegeben vom französischen Wandeverband, erhältlich im Buchhandel und Versandbuchhandel: - „Le Gard à pied“ mit 53 Wandervorschlägen zwischen 2 und 7 Stunden, in franz, aber mit guten Karten. Preis 13,30 € , ISBN 978-2-7514-0081-0 - „Le Chemin de Stevenson“ - Fernwanderweg GR 70, in franz, aber mit guten Karten. Preis 14,20 € , ISBN 978-2-7514-1902 - „La Voie Regordane“ - Fernwanderweg GR 700 von Le Puy-en-Velay bis Saint-Gilles-du-Gard, erscheint ab Juni 2008

Private Gästezimmer:

  • La Migrane, Sophie de Craëne, 1, Impasse de la Migrane, F-30250 Villevieille, Tel. +33(0)466 77 74 48, www.la-migrane.com
  • Mas Nouveau, Christine Gerbino - Jean Piere Libes, F-30450 Genolhac, Tel. +33(0)6 64 64 27 79, www.masnouveau.com 
  • Mas de la Filoselle, Marie-Lyse Zielinski, 344, Rue du 19 Mars 1962, F-30520 Saint-Martin de-Valgalgues, +33(0)466 24 74 60, http://filoselle.free.fr 
  • Pause Café, Le buis de Lussan, Rue de Ritourelle F-30580 Lussan, Tel. +33(0)466 72 88 93, http://buisdelussan.free.fr 
  • Four Banal, Mme. Malard, Rue du Four Banal, F-30630 Saint André de Roquepertuis, Tel. +33(0)466 89 21 55, www.aufourbanal.com


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