© Klaus-Peter Kappest

Rothaarsteig: der Pionier und seine Pioniere

Ausgabe 141 – Juli/August 2008

Deutschland

Sie heißen Wibke, Vivian, Lothar oder Kyrill. Erst jüngst fegte Emma im Februar 2008 über Mitteleuropa. Naturgewalten von unvorstellbarer Energie. Sie verändern Landschaften. Sie schaffen gewaltsam überraschende Blickhorizonte und bieten Platz für die Pio

Kammwege sind anders

Sie sind das Salz des Wanderns: Ausblicke
Sie sind das Salz des Wanderns: Ausblicke

Ein Kammweg hat Vorteile. Er bleibt in der Höhe. Er folgt der von den Höhenlinien vorgegebenen Diretissima. Er nutzt jeden erreichbaren Gipfelblick. Es zieht ihn in die natürliche Abgeschiedenheit, in die Ruhezonen der Natur. Der Rothaarsteig nutzt auf diese Weise den Kammverlauf des Rothaargebirges und erreicht vielfach dauerhaft Höhen zwischen 600 und 800 Metern. Gelegentlich sogar darüber. Hier lebt und überlebt, was sich den harten Wirklichkeiten der Natur an 365 Tagen im Jahr stellen will. Kein Platz für Weicheier. Das Gesetz der natürlichen Selektion regiert.

Die Kraft der Natur

Ehrfurcht einerseits - Veränderungsimpuls andererseits
Ehrfurcht einerseits - Veränderungsimpuls andererseits

Ein Kammweg hat Nachteile. Stürme zausen und brausen in luftiger Höhe ungehindert, ungebremst. Mehr Niederschlag, kühlere Temperaturen, kürzere Sommer und längere Winter. Frostigere Tage. Es geht rauer zu in der Höhe, als im geschützten Tal. Kyrill fegte Altholz hinweg und schlug breite Breschen in die flach wurzelnden Fichtenbestände. Jung oder alt, solitär oder im Kollektiv – es spielte keine Rolle. Ein Mikadospiel, der Wald als Streichhölzerbühne. Wohl den mächtigen Rotbuchen, die sich trotz ehrbaren Baumalters wacker halten konnten. Doch soll das Gesetz der Naturgewalt gescholten werden? Wohl kaum!

Was Natur schafft

154 km lang ist der Rothaarsteig. Ein wunderschöner Weitwanderweg mit attestierter Premiumqualität. Der Pionier unter den deutschen Erlebniswegen. Der erste Wanderweg überhaupt, der nach Lust- und Frustfaktoren für die Wanderei untersucht und optimiert wurde. Ihm folgten inzwischen ein gutes Dutzend prominenter Wanderrouten. Erfahrungen mit realitätsverändernden Naturgewalten hatte bis Anfang 2007 nur der Westweg, den am 2. Weihnachtsfeiertag 1999 Orkan Lothar veränderte.

Wie immer, wenn Gewaltiges passiert, gibt sich der Mensch betroffen. Waldbauern, Waldbesitzer, Hotel- und Gaststättengewerbe fürchten um ihre Zukunft. Das dramatisch Schöne der Natur ist freilich die Veränderungsenergie. Diese unbeschreibliche Kraft. Schon sind die ersten Pioniere überall deutlich zu erkennen. Vogelmiere, Fingerhut, Johanniskraut, Weidenröschen ergreifen Besitz und allenthalben buscht es und wächst eine neue Waldgeneration heran. …



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Ausgabe 141

Juli/August 2008