© Klaus-Peter Kappest

Altweibersommer und Indian Summer

Ausgabe 142 – September/Oktober 2008

Know How

Woher stammen eigentlich die Namen Altweibersommer, Indian Summer oder Wenzelsommer? Und welche Wetterlagen beschreiben sie genau? Das weiß Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. In der Serie „Wetter-Know-how kompakt“ wird er auch in den kom

Der in Deutschland gebräuchliche Begriff „Altweibersommer“ beschreibt eine oft auftretende sonnige und vergleichsweise trocken-warme Witterungsperiode im Mitteleuropäischen Herbst. Die Eintreffwahrscheinlichkeit liegt bei immerhin 76 %. Allerdings schwankt der Beginn sehr stark. Im Mittel liegt er um den 25./26. September. Meist stellen sich zu dieser Jahreszeit stabile südwestliche oder südöstliche Wetterlagen ein, die bis weit in den Oktober hineinreichen können. Dabei dominiert eher hoher Luftdruck, oft verbunden mit kühlen Nächten und erster Tau- oder Nebelbildung. Am Tage erreichen die Höchsttemperaturen dann aber trotzdem vielfach nochmals sommerliche Werte.

Brigitten- oder Wenzelsommer

Für die Namensgebung gibt es unterschiedliche Erklärungen. Der Begriff hat seinen Namen wohl den in der Luft schwebenden Spinnfäden zu verdanken, die in dieser Zeit besonders gut zu erkennen sind. Durch den Tau, der sich nach den schon sehr kühlen Nächten bildet, glitzern die Fäden im Sonnenlicht und erinnern so an graue oder wieße Haare alter Frauen. Allgemein verbreitet ist übrigens auch die Vorstellung, dass die Fäden den Menschen, an denen sie hängen bleiben, Glück bringen. In Schweden heißt diese Witterungsperiode übrigens „Brigittensommer“, in Frankreich „Été de la Saint-Martin“, in Böhmen „Wenzelsommer“ und „Witwensommerli“ in der Schweiz. Der so genannte Goldene Oktober ist dagegen kein eingeführter meteorologischer Begriff.

Indianischer Sommer

Der „Indian Summer“ in den USA tritt fast zur gleichen Zeit auf wie der Altweibersommer. Hauptsächlich bezeichnet er die herbstliche Schönwetterperiode nach dem ersten Frost im Norden der Staaten, wird mittlerweile aber auch auf andere Staaten und Regionen übertragen. Sein Hauptkennzeichen sind jedoch nicht die Spinnfäden, sondern die prächtigen Färbungen der verschiedenen Laubbäume, wenngleich der Begriff ursprünglich wohl nichts mit der Laubfärbung zu tun hatte. Eine Vermutung, warum diese Zeit gerade „indianischer Sommer“ heißt, bezieht sich darauf, dass das schöne, warme Wetter für die Indianer noch einmal eine gute Gelegenheit bot, auf Kriegspfad zu gehen. Eine andere Theorie besagt, dass die Indianer die Schönwetterperiode als spezielles Geschenk einer ihrer wichtigsten Gottheiten ansahen.


Gerhard Lux
Gerhard Lux

Der Autor: Gerhard Lux (geb. 1953) studierte Meteorologie, Geophysik und Mathematik in Frankfurt am Main und ist seit 1980 beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach beschäftigt. Dort arbeitete er im Vorhersagedienst, als Klima-Gutachter, Key-Accounter sowie als Qualitätsmanager. Zugehörigkeit zu nationalen und internationalen Normenausschüssen. Veröffentlichung zahlreicher Fachartikel über Wetter und Klima. Zur Zeit ist er Pressereferent und Sprecher des DWD. Seine bevorzugten Wandergebiete: Kellerwald und das Wallis/Schweiz



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September/Oktober 2008