© Klaus-Peter Kappest

Berg und Tal - Unterwegs auf dem Medebacher Bergweg

Ausgabe 142 – September/Oktober 2008

Deutschland

Die Schnauze voll? Es reicht? Weg, raus und die Hufe schwingen. Sich frei laufen. Den quälerischen Begleitumständen stressiger Alltage Adieu sagen? Ich wüsste da etwas...

Lichspiele über der Berg- und Talwelt
Lichspiele über der Berg- und Talwelt

Das ganze Wandervergnügen umfasst 64 km. Gerade recht für drei Wandertage. Der Medebacher Bergweg liegt vor der Haustüre des Ruhrgebietes. In bester Reichweite von den Metropolen entlang des Rheintales. Wer will fährt mit der Bahn nach Winterberg, Frankenberg oder Korbach. Keine 30 Busminuten später kann es bereits losgehen.

Am Osthang des Hochsauerlandes

Der Aufstieg zum Rösberg
Der Aufstieg zum Rösberg

Wie ich das Wanderland beschreiben würde? Ein munteres Auf und Ab. Vor dem waldwälzenden Hochsauerland, von Osten her betrachtet, tänzelt der Bergweg vorüber. Erhascht geniale Ausblickspunkte, kuschelt sich einfach in den Regen- und Windschatten der höchsten Berge des Rothaargebirges. Ein Wald-, Wiesen- und Felderteppich. Dazwischen schmucke Dörfer mit ziemlich langer Geschichte. Schiefergedeckte Kirchtürme, gediegenes Fachwerk. Üppig blühende Bauerngärten, kleine und breite Bäche und alle mit ziemlich ansehnlichen Wiesentälern. Erstaunliches gibt es um den Kahlen Pön und die Kalied oder am Usselner Kreuz zu bewundern: Bergheideflächen mit einem verführerischen Flair. Wogendes Rispengras, Blaubeerenbüsche und jede Menge Sichtfenster. Rundum versteht sich.

Der Startpunkt ist beliebig

Die Deifelder Kirche bei Nacht
Die Deifelder Kirche bei Nacht

Die Rundschleife des Medebacher Bergweges, die übrigens allen Medebacher Dörfern und Medebach selbst, dem Mittelzentrum der Medebacher Bucht, einen Besuch abstattet, lässt sich überall starten. Irgendwann, spätestens nach drei Tagen, ist man wieder am Ausgangspunkt. Wer mit dem Zug nach Winterberg fährt, startet vielleicht in Küstelberg, einem Fuhrmannsort an legendären Handelswegen unter dem sagenumwobenen Schlossberg. Mit dem Bus sind es kaum 10 Minuten Fahrzeit vom Bahnhof. Medelon oder Medebach, Düdinghausen mit seiner erstaunlichen Geschichte als Zentrum einer Freigrafschaft – man starte nach Lust und Laune. Ich war, die Karte auf den Knien liegend, am Klang des Ortsnamens von Medelon hängengeblieben. Hier, am Ufer der Orke brach ich zu meiner kleinen Auszeit auf.

Vom Rösberg alles überblicken

Der Vildische Grund ist der erste Höhepunkt meiner Tour. Nach steilem Abstieg vom Hochsauerland hat sich das kleine Flüsschen ein beachtliches Wiesental geschaffen. Keine Straße. Hier herrscht die Stille der Natur. Die Orke mäandert in wilden Schwingen. Der Wind streicht durch den angrenzenden Wald. Fingerhut, Storchenschnabel und Johanniskraut blühen. Meter für Meter fällt der Panzer des Alltages von mir ab. Der Rhythmus des Gehens besänftigt, entkrampft. Alleine mit mir. Der Zeithorizont scheint sich auszudehnen. Der Förster grüßt freundlich. Die fünf Rindviecher wenden neugierig ihre Köpfe zu mir herüber. Das Holznasslager ist in eine riesige Wasserwolke getaucht. So starte ich den mählichen Anstieg zum Rösberg. Immer wieder vorüber an Windbrüchen, die Kyrill in den Wald schlug. Allenthalben grünt es wieder. Vogelmiere, Ginster, Fingerhutteppiche. Dann der ultimative Berganstieg zum 781 m hohen Gipfel des Rösberges. Immer noch alleine. Die Bank lädt zum Nickerchen. Links Blicke auf Winterberg, tief unten das Orketal. Nur das Rauschen und Zischeln des Windes – natürliche Stille ist nicht lautlos. Ein Grundrauschen vielmehr. …

Mit ausführlichem Tourentipp "Wanderschleife um die Toskana des Sauerlandes, Medebacher Bergweg"



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September/Oktober 2008