© Klaus-Peter Kappest

Wanderolympiade: Kolumne von Manuel Andrack

Ausgabe 142 – September/Oktober 2008

Know How

Das angeblich olympische Motto „Dabei sein ist alles“ habe ich schon immer für äußerst verlogen gehalten. Natürlich wäre „Gewinnen ist alles“ die korrekte Losung.

Autor: Manuel Andrack
Autor: Manuel Andrack

Beim Wanderfestival des „Wandermagazins“ in Bödefeld im Sauerland durfte ich an einer Wanderolympiade teilnehmen. Eine große Ehre für mich, aber ich hatte nur ein Ziel vor Augen: In allen Einzel-Disziplinen so oft wie möglich in die Medaillenränge zu gelangen und den Sieg in der Gesamtwertung zu erringen.

Zunächst trat ich beim Riesenschuhschnüren an. Ein Wanderschuh mit Schuhgröße 70 musste mit ellenlangen Schnürsenkeln gebunden werden. Ich wurde meinem Ruf als Grobmotoriker (Gromo) gerecht, verhedderte mich oft, brauchte über eine Minute und belegte in der Schlussabrechnung einen miserablen vorletzten Platz. Ein glatter Fehlstart in diese Olympiade!

Beim Rucksack-Weitwurf musste man den 7,5-Kilogramm schweren Ranzen bewegen. Ich hatte jahrelang mit der Hammerwurf-Schleuder-Technik trainiert, musste aber enttäuscht von der wurftechnischen Kommission erfahren, dass diese Technik nicht erlaubt war. So schaffte ich 6,85 Meter und landete damit auf dem äußerst undankbaren vierten Platz. Fünf Zentimeter war ich an Bronze vorbeigeschrammt! Hoffentlich waren die Kampfrichter nicht bestochen worden.

Ärgster Feind des Leistungswilligen sind die eigenen Lachattacken
Ärgster Feind des Leistungswilligen sind die eigenen Lachattacken

Nachdem ich beim Schlafsackwett-hüpfen (Was hat denn das mit Wandern zu tun?) hintere Plätze belegt hatte, trat ich zum Blinde-Kuh-Zielwandern an. Es wurde im Prinzip die Fähigkeit getestet, mit verbunden Augen geradeaus zu gehen und einen Pflock mit den Händen zu erhaschen. Die meisten verfehlten diesen Stab, ich reüssierte, aber nicht schnell genug für den Sieg. Immerhin ein dritter Platz, immerhin das Treppchen. Dass ich einen grandiosen Sieg in der letzten Disziplin, dem Distanzgefühlwandern, erringen konnte, half mir leider in der Gesamtwertung nicht mehr entscheidend weiter. Mir blieb aber immerhin der dritte Rang und ich erklomm mit pochendem Herzen das Treppchen. Durch meine tränenumflorten Augen betrachte ich meine siegreichen Konkurrenten aus China und Russland. Sie hatten die Wanderolympiade nach Belieben dominiert. Bleibt nur die Hoffnung, dass die beiden auch sauberen Wandersport betrieben haben.

In vier Jahren, bei der nächsten Wanderolympiade, werde ich wieder dabei sein. Mit dem Training für die neuen Disziplinen habe ich schon begonnen. Etwas merkwürdig sieht allerdings das enganliegende Trikot aus, in dem ich mich fit mache für das Unter-Wasser-Synchron-Wandern.

In vier Jahren, bei der nächsten Wanderolympiade, werde ich wieder dabei sein. Mit dem Training für die neuen Disziplinen habe ich schon begonnen. Etwas merkwürdig sieht allerdings das enganliegende Trikot aus, in dem ich mich fit mache für das Unter-Wasser-Synchron-Wandern.

Der 7,5 kg schwerer Rucksack landete nach härtester Anstrengung bei knapp 6,85 m
Der 7,5 kg schwerer Rucksack landete nach härtester Anstrengung bei knapp 6,85 m

Sehr freue ich mich auf den Neunhundert-Meter-Kuhzaun-Hürdenlauf. In dieser Disziplin gibt es eine Einzelwertung sowie eine Staffelwertung, jeweils mit Beteiligung von überaus gereizten Stieren, die den Läufern auf den Fersen sind.

Ein ästhetischer Hochgenuss wird das Zuschauen beim Dressur-Wandern sein. Ein Zylinder ist für die teilnehmenden Wanderer Pflicht. Eine Fachkommission beurteilt während des Wettkampfs die Stilsicherheit der einzelnen Wanderfiguren: Wie sauber wurde die Pirouette und die Volte gewandert? Wie elegant wurde die Piaffe (Wandern auf der Stelle) ausgeführt und wie harmonisch gelang die Passage (Verzögerung der Wanderbewegung in der Luft)? Ganz spannende Sache.

Ein ästhetischer Hochgenuss wird das Zuschauen beim Dressur-Wandern sein. Ein Zylinder ist für die teilnehmenden Wanderer Pflicht. Eine Fachkommission beurteilt während des Wettkampfs die Stilsicherheit der einzelnen Wanderfiguren: Wie sauber wurde die Pirouette und die Volte gewandert? Wie elegant wurde die Piaffe (Wandern auf der Stelle) ausgeführt und wie harmonisch gelang die Passage (Verzögerung der Wanderbewegung in der Luft)? Ganz spannende Sache.

Die Königsdisziplin der nächsten Wanderolympiade aber wird ohne Zweifel das Mountainbiker-Wettschleudern werden. Dabei ist die Technik des Wanderers, wie das Mountainbike gestoppt wird, freigestellt. Gewertet wird nur die Distanz, die der Mountainbiker bis zum Aufprall zurücklegt.

Ich freue mich schon auf die nächste Wanderolympiade des "Wandermagazins".

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