© Klaus-Peter Kappest

Wechselhafte Wandererlebnisse

Ausgabe 142 – September/Oktober 2008

Know How

Für viele Menschen gilt der Herbst als die schönste Jahreszeit. Die Sonne ist nicht mehr so stechend heiß wie im Sommer und man genießt sie wieder. Dazu verwöhnt einen die Natur mit einer herrlichen Farbenvielfalt. Und langweilig ist das Wetter auch nicht

Herbstzeit ist Wanderzeit! Das war schon immer so. Warum eigentlich? Jede Jahreszeit hat ihre Besonderheiten und Wandern kann man tatsächlich immer. Der Barockdichter Friedrich von Logau hat die Ursache zielsicher erreimt: „Der Frühling ist zwar schön, doch wenn der Herbst nicht wär, wär zwar das Auge satt, der Magen aber leer.“ Das hat was für sich. Im Herbst gibt es landauf, landab Bräuche wie das Törggelen in Südtirol, wo der junge Wein mit einer deftigen Brotzeit mit Speck und Käse gegessen wird. Ähnliches lässt sich in der Pfalz mit Federweißer und „Zwiwwelkuche“ erleben. Es bleibt dabei: Herbst ist Wanderzeit.

Wechselhaftes Wetter

Herbstwetter weist meist eine graduelle Verschlechterung auf, die in Sprüngen vonstatten geht. „Indian Summer“ und „Goldener Herbst“ sind Bezeichnungen für angenehme, sonnige Tage. Die Sonne schickt die letzten wärmenden Strahlen und das Grün des Sommers wechselt die Farbe zu warmen Gelb- und Rottönen. Spätestens in der letzten Oktoberhälfte schlägt das Wetter um. Regen und Wind dominieren und es wieder langsam grau. Der Herbst verlangt unterschiedliche Dinge von unserer Ausrüstung. Mit dem klassischen 3-Lagen Konzept lassen sich theoretisch alle Bereiche abdecken, aber wer will bei schönem Wetter mit einer wasserdichten Membranjacke wandern und im eigenen Saft schmoren? Drei Kollektionen verbinden die jeweilig benötigte Funktion mit optimalem Tragekomfort.

Die Kombi für den Goldenen Herbst

Wenn die Sonne noch wärmt, gilt es die Tage zu genießen. Der Körper mag die warme Luft spüren und dazu Stoffe mit einer weichen Haptik, die weich fallen und nicht knistern und rascheln. Über die Funktionswäsche passt ein Trekkinghemd. Ein funktioneller Stoff wie Supplex Polyamid, dünnes Mikrofleece oder Polyester Viskose bietet die Funktion, die gebraucht wird: leicht, atmungsaktiv, schnell trocknend und bügelfrei. Optional sollte das Hemd einen Geruchsschutz aufweisen, z.B. Silberionen, aktivierter Kohlenstoff aus Bambus/Kokosnuss oder Polygiene-Ausrüstung. So ist man auf mehrtägigen Wanderungen gut gekleidet, man kann gesittet einkehren, weil das Hemd unterwegs nicht zu müffeln beginnt, es aber auch über Nacht schnell gewaschen werden kann. Für den Herbst nicht nötig ist ein UV-Schutz. Häufig haben gute Trekking- und Travelhemden jedoch einen solchen integriert. Dann taugt das Hemd auch für den nächsten Teneriffa Trekkingurlaub. Die Trekkinghose ist und bleibt der Klassiker aus Baumwoll-Mischgewebe. Meist sind es Mischungen aus 65 % Polyester und 35 % Baumwolle, bei denen der Fadenkern aus Polyester ist und die Ummantelung Baumwolle (G-1000, Function 65 etc.). Das Material fühlt sich angenehm baumwollig an, ist aber leichter, robuster, nimmt weniger Nässe auf, trocknet schneller, schützt gegen Wind und kann beim Waschen nicht eingehen. Wenn man noch eine Zipp-Off Option hat, kann man, ganz verwegen, über Mittag in kurzen Hosen wandern und bei Bedarf die Hosenbeine wieder befestigen. Für die Jacke gibt es zwei Varianten. Eine ist die Jacke passend zur Hose. Die ist dann ebenfalls sehr geräuscharm und raschelt nicht beim Wandern. Die Alternative ist eine leichte Mikrofaser (MT, Meryl). Mikrofasern sind noch leichter, etwas weniger robust, dafür halten sie etwas Nässe über das Luftpolster zwischen den mikroskopischen Fasern ab und sind winddicht. Sie kann man auch leichter knautschen und im Rucksack verstauen.

Die Kombi für windige Zeiten

Eine ordentliche Brise um die Ohren ist Erholung pur. Da wird der Kopf frei gepustet und der subjektive Regenerationseffekt wird meist sehr hoch eingeschätzt. Allerdings sollte die Bekleidung winddicht sein, so dass man nicht auskühlt – sonst hat der Genuss ein jähes Ende. Direkt auf der Haut ist Merinowolle der ideale Wärmespender. Die Merinowolle besteht aus extrem feinen Wollfilamenten, damit sie nicht kratzen kann. Gleichzeitig hat Merino eine erstaunliche Funktionalität. Merino ist temperaturregulierend, kann bei Hitze kühlen und bei Kälte wärmen. Das liegt daran, dass sie Körperfeuchtigkeit schnell aufnehmen und einspeichern kann, ohne sich nass anzufühlen. Dazu hat Merino einen natürlichen Geruchsschutz und einen integrierten UV-Schutz. Sie ist antiallergen, antistatisch, und hautverträglich – und das alles ohne chemische Zusätze, sondern von Natur aus.

Über die Merinolage kann bei Bedarf ein dünnes Fleece gezogen werden. Meist kann man im Herbst sogar darauf verzichten. Einerseits wärmt die Merinolage, andererseits wärmt die obere Schicht auch etwas. Bei Wind und etwas Wetter sind Softshell-Materialien, z.B. Schoeller Dryskin, Polartec Powershield und Windstopper Soft Shell, in ihrem Element. Softshells liegen in der Funktion irgendwo zwischen Fleece (2. Lage) und wasserdichter Jacke (3. Lage). Sie können nichts von beiden richtig. Fleece isoliert besser und die Membranjacken sind absolut dicht. Softshells bieten ausreichend Wärme und ausreichend Nässeschutz für die meiste Zeit. Sie werden deshalb auch als 80 %-Jacken bezeichnet. Für 80 % der Zeit sind sie perfekt, bei 20 % der Zeit, in der es wirklich viel regnet, muss man eine wasserdichte Jacke darüber ziehen. Die Erfahrung zeigt, dass es meist sogar weniger als 20 % sind. Softshells sind dafür sehr elastisch. Sie machen Dehnbewegungen besser mit. Außerdem sind sie atmungsaktiver und haben eine abriebfestere Oberfläche als Fleece oder Regenjacken. Natürlich ist eine Softshell-Hose ebenso ideal für windige Tage.

Die Kombi für nasse Tage

Bei Dauerregen hilft nur eine richtige Regenkombi aus wasserdichter und atmungsaktiver Jacke sowie ebensolcher Überhose. Bei den Jacken sind 3-Lagen Verarbeitungen stabiler und langlebiger als 2-Lagen Verarbeitungen. Bei letzteren ist der Futterstoff lose, was im Extremfall den Nachteil haben kann, dass Wasser an den Bündchen daran in die Jacke hochziehen kann. Die Überhose sollte längere oder durchgehende Seitenreißverschlüsse haben, damit man sie bequem an- und ausziehen kann, ohne die Wanderschuhe ausziehen zu müssen. An wichtigen Stellen wie Knien, Innenkanten der Beinabschlüsse und am Gesäß sollte die Überhose verstärkt sein. Als zweite Lage ist ein technisches Fleece, z.B. High Loft oder Stretchfleece, sinnvoll. Es sollte elastisch und eng anliegend geschnitten sein, damit es unter der Jacke nicht sperrt. Fleece mit glatter Oberfläche wie Wind Pro oder Powerstretch rutschen besser an den Ärmeln. Auch das erleichtert die Bewegungsfreiheit. Als Basis muss natürlich eine Funktionswäsche als 1. Lage angezogen werden, damit der Feuchtigkeitstransfer überhaupt funktionieren kann.



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