© Klaus-Peter Kappest

Weniger ist mehr: Ruhig mehr leben in Bad Endbach - die Lebensschule

Ausgabe 143 – November/Dezember 2008

Deutschland

Der Lahn-Dill-Bergland-Pfad von Dillenburg oder Herborn über Bad Endbach nach Marburg beehrt das hessische Kneipp-Heilbad. Drumherum ein Bergwiesenteppich. Eine bucklige Welt mit sanftem Relief. Hochwälder und windungsreiche Wiesentäler schmiegen sich an

Mit den Füßen fühlen
Mit den Füßen fühlen

Nein, hierher kommt niemand auf der Suche nach Sensationen oder einer Kurbadarchitektur mit dem mondänen Understatement des 18. oder 19. Jahrhunderts. Das Glück liegt auf den lauschigen Wegen. Ausschreiten. Stundenlang lustwandern. Sich die Augen satt sehen, die Kraft der Bäume mit den Fingerspitzen ertasten, den Pulsschlag der Natur verinnerlichen. Leben lernen.

Für das Gehen bestimmt

Lebensschule Ruhe
Lebensschule Ruhe

Schon einmal barfüßig durch Lehm getrampelt? Das ungewohnte Kratzen, Kitzeln und Knuffen eines Kieselsteinpolsters unter den Füßen verspürt? Kann es sein, dass der Kopf denkt und der Fuß lenkt? Hier, auf dem Barfußpfad, auf dem scheinbar unendlich langen Wald- und Wiesenwegen, über den satten Waldweiden, den Moospolstern des Hochwaldes beginnt die Lebensschule ganz unten, bei den Füßen. Wir sind zum Gehen bestimmt. Schon einmal die alles durchdringende Wohltat einer Fußreflexmassage genossen? Barfüßig einen der kleinen Bäche durchschreiten, das Laub, Gezweig und Gehölz mit Füßen betreten und fühlen. Mit den Füßen die Welt neu entdecken. Es ist eine der Lektionen in der Lebensschule des mittelhessischen Ortes und seinen sieben Dörfern. Mit 300 bis 500 m nicht zu hoch – aber für stickiges oder schwüles Kleinklima muffiger Städte zu hoch. Exakter wäre: Nebelarmes Reizklima.

Den Atem spüren

Lebensschule Wasser
Lebensschule Wasser

Zu den Füßen gesellt sich die Freiheit des Atmens. Würzige, klare und schadstoffarme Luft strömt durch die Bronchien bis in die kleinsten Verästelungen der Lungenbläschen. Es riecht nach Bergwiesen, nach Wildkräutern, nach Wald und nach krumiger Erde. Ob Wanderpfad oder Nordic Walking – Parcour, die Lungen gefüllt stellt sich Schritt für Schritt jene Zufriedenheit ein, die sich vermutlich nur beim Gehen in solcher Intensität und dieser Ganzheitlichkeit erzielen lässt. Natur beruhigt. Naturfarben für die Augen, Naturgerüche für die Nase, Naturräume für die Wahrnehmung, den Gleichgewichtssinn und die Haptik. Die Atemlosigkeit des Alltags weicht der Gelassenheit, dem Bewusstsein des Augenblicks. Auch dies eine der Lektionen der Lebensschule im Schnittpunkt der altehrwürdigen Städte von Marburg, Wetzlar und Dillenburg….

Mit integriertem Wandertipp Premiumweg "Viertälerweg" (Link zum Download des GPX-Tracks s.u.)

Weitere Reportagen zum Titelthema Wellness. Zehn Wege zur Balance in diesem Heft:



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 143

November/Dezember 2008