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Wetter-Know-how kompakt: Weiße oder Grüne Weihnachten?

Ausgabe 143 – November/Dezember 2008

Know How

Kaum hat der Herbst richtig begonnen, liegen auch schon die ersten Packungen mit Dominosteinen, Mandelspekulatius und Lebkuchen in den Supermarktregalen. Und so sicher wie das Wasser bergab fließt, beginnt kurz darauf in den Medien das Rätselraten, ob den

Dazu kann man sagen, dass eine Wieße Weihnacht in Deutschland ein eher seltenes Ereignis ist. Zumindest wenn man nicht gerade im höheren Mittelgebirgsraum oder am Alpenrand wohnt. Grüne Weihnachten sind für die Mehrzahl der Deutschen hierzulande einfach die Regel. Der erste Schnee der Saison fällt zwar oft bereits Ende November, es folgt eine mildere Phase, etwa Mitte Dezember folgt manchmal ein Kaltluftvorstoß und weiterer Schneefall… Doch kurz vor dem Fest ist die wieße Pracht dann meist wieder dahin, das berüchtigte „Weihnachtstauwetter“ stellt sich ein – milde atlantische Luft strömt von Westen heran, verbunden mit gelegentlichen Regenfällen. Also kaum Chancen für Weihnachtsfreuden im Schnee?

Wir haben in die Statistik des Deutschen Wetterdienstes geschaut. Zunächst kommt es darauf an, wie man den Begriff „Wieße Weihnacht“ definiert. Soll an wenigstens einem der drei Weihnachtstage, also am 24., 25. oder 26.12., Schnee fallen oder eine Schneedecke liegen, sprechen wir vom „schwachen Kriterium“.

Zuletzt war das starke Kriterium im Jahr 2003 von den fünf untersuchten Städten in München erfüllt. In den anderen Städten trat das starke Kriterium zuletzt 2002 (Hamburg und Dresden), 1996 (Frankfurt) bzw. 1986 (Aachen) auf.

Trotz der allgemeinen Klimaerwärmung sind Wieße Weihnachten bislang noch nicht signifikant seltener geworden. Im letzten Jahrzehnt waren sie etwa genau so häufig, wie in der gesamten Zeitreihe, die etwa 100 Jahre beträgt. Allgemein gilt, je weiter weg von Nord- und Ostsee und je höher das Gelände, desto größer sind auch die Chancen. Am Niederrhein oder auf Helgoland wird man dagegen wohl auch in diesem Jahr vergeblich auf winterlich-weihnachtliche Spaziergänge hoffen.


Der Autor: Gerhard Lux (geb. 1953) studierte Meteorologie, Geophysik und Mathematik in Frankfurt am Main und ist seit 1980 beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach beschäftigt. Dort arbeitete er im Vorhersagedienst, als Klima-Gutachter, Key-Accounter sowie als Qualitätsmanager. Zugehörigkeit zu nationalen und internationalen Normenausschüssen. Veröffentlichung zahlreicher Fachartikel über Wetter und Klima. Zur Zeit ist er Pressereferent und Sprecher des DWD. Seine bevorzugten Wandergebiete: Kellerwald und das Wallis/Schweiz

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