© Klaus-Peter Kappest

Eure: Zwischen Reetdach-Häusern und Buchenwald

Ausgabe 146 – Mai/Juni 2009

Frankreich

Wie die meisten französischen Departements wurde auch die Eure nach einem Fluss benannt. Dabei wäre die Seine, die hier weite Landstriche prägt, vielleicht noch angemessener. Dieses ländliche Departement der Normandie, nur eine gute Autostunde von Paris e

Dörfer aus der Puppenstubenzeit

Liebevoll restaurierte Reetdächer am Seineufer
Liebevoll restaurierte Reetdächeram Seineufer

Ein modern eingerichteter Pfahlbau aus Holz ist eine komfortable und originelle Unterkunft. Die Ferienanlage auf Stelzen liegt neben der Risle bei Pont-Audemer im Mündungsgebiet der Seine. Und genau in einer Schleife dieses Stroms lockt eine der vielen Wanderungen, die uns die rührige Isabelle Pigache im Verkehrsamt von Bourneville empfohlen hat. Auf jeder der rund zwölf Karten finden sich fünfzehn bis zwanzig gekennzeichnete Rundwanderungen in der Umgebung. Hier müsste man sich länger niederlassen. Die Strecke „Chemin des Sources Bleues“ streift die beiden malerischen Dörfer Aziers und Vieux Port am Ufer der Seine. Kurz vor ihrer Mündung erstreckt sich eine idyllische Stromlandschaft. Aziers liegt an der touristischen Straße „Route des Chaumières“. Mit Chaumières werden die mit Reet gedeckten Fachwerkhäuser bezeichnet, von denen viele liebevoll renoviert wurden.

Flechtwerk der Verliebten

Immer wieder Sehenswertes am Wegesrand: Marienkapelle in einer 1.500 Jahre alten Eiche
Immer wieder Sehenswertes amWegesrand: Marienkapelle ineiner 1.500 Jahre alten Eiche

Hinter dem stillen Dorf geht es auf einer alten Römerstraße zur Ruine der Kapelle Saint Thomas aus dem 12. Jh. Junge Hobbyarchäologen legten hier die Grundmauern einer mittelalterlichen Leprastation frei. Bei der recht romantisch wirkenden Ruine pflegen Verliebte einen Brauch. Hält der Knoten einiger verflochtener Buchszweige, so die Legende, würde auch die Liebe dauern. Die langjährig verheiratete Wanderkameradin beruhigt, es gäbe dafür auch andere Anzeichen. Vor Vieux Port kommt erneut die Seine in Sicht. Das Dorf verströmt mit Reetdach-Häusern, gepflegtem Fachwerk und üppiger Blumenpracht den Charme von Puppenstuben. Schon lange legen in Vieux Port, dem alten Hafen, keine Fischerboote und Lastkähne mehr an. Geschlossene Fensterläden deuten auf Zweitwohnungen von Hauptstädtern. Ein hübsches Dorf ohne Hafen und Gaststätte, letzteres erscheint uns sogar noch bedauerlicher. Vor fremden Einblicken schützende Hecken verwehren uns den versprochenen Blick auf die Seine, dafür säumen hundertjährige Buchen den Rückweg nach Aiziers, wo wir dem viel besungenen Strom den Rücken kehren. ...



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Ausgabe 146

Mai/Juni 2009