© Klaus-Peter Kappest

Wenn es im Sommer kracht

Ausgabe 147 – Juli/August 2009

Know How

Wann immer unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinander treffen, gerät die Atmosphäre in Aufruhr und es bilden sich hohe Wolkentürme. Im Sommer steht die Sonne zudem hoch am Himmel und wärmt in den Mittagsstunden den Boden und die darüber liegende o

Im Mittel sind rund 3.000 Gewitter gerade irgendwo auf unserem Globus aktiv. In Deutschland werden im Mittel jährlich etwa 200.000 Entladungen registriert. Dabei gehen auf jeden Quadratkilometer etwa fünf bis acht Blitze nieder. Im Sommer - bei feuchtwarmer Witterung - gewittert es deutlich mehr als im Winter, in Süddeutschland mehr als in Norddeutschland, in höheren Lagen mehr als im Flachland. Gewitter sind normal, die Atmosphäre versucht lediglich unterschiedliche Ladungszustände auszugleichen. Im Haus und im Auto ist man absolut sicher. Im Freien jedoch werden bei uns jedes Jahr Dutzende von Menschen vom Blitz getroffen, viele überleben das nicht oder behalten bleibende Schäden.

Gefahren abschätzen

Vor einer Wanderung lohnt es sich generell den Wetterbericht abzuhören (s.u.). Werden Gewitter angekündigt, sollte man unterwegs den Himmel im Auge behalten. Zur Vorbereitung gehört auch, sich über schnelle Heimwege und Schutzhütten zu informieren. Fragen Sie im Zweifelsfall Einheimische, wie die Lage einzuschätzen ist. Brechen Sie rechtzeitig die Wanderung ab, wenn Sie die typischen Vorboten eines Gewitters aufziehen sehen. Vor allem in den Bergen kann sich ein heftiges Gewitter innerhalb einer halben Stunde entwickeln.

Verhalten bei Gewitter

Wenn Sie unterwegs doch einmal von einem Gewitter überrascht werden, dann meiden Sie Bergkuppen ebenso wie Türme und Freileitungen. Gehen Sie stattdessen in einer weitgehend trockenen Mulde oder einer Lichtung in die Hocke, stellen Sie die Füße ganz dicht zusammen und umfassen Sie mit den Armen Ihre Beine. Ideal: Sie hocken auf einem Rucksack, Fahrradhelm oder anderem isolierendem Material, z.B. auf Ästen. Achten Sie darauf, dass Ihre nasse Kleidung möglichst nicht mit dem Boden in Berührung kommt. Im Wald sind Sie nicht sicher. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass ein Blitz ausgerechnet in den einen Baum einschlägt, neben dem Sie gerade stehen. Aber besonders hohe Bäume sind nun mal für Blitze generell attraktiv, egal ob Buche oder Eiche.

Weg vom Rad und Wasser

Wenn Sie per Zweirad unterwegs sind: Steigen Sie ab, suchen Sie Schutz. Ein paar Meter Sicherheitsabstand zum Zweirad sind im Freien angebracht, ebenso zu anderen metallischen Gegenständen die Sie vielleicht mitführen (Regenschirm, Golftasche, Wanderstöcke usw.). Auf dem Wasser gilt generell bei Annäherung eines Gewitters: Nichts wie raus! Bis zu einem Umkreis von 100 Metern kann eine Blitzentladung im Wasser tödlich sein oder Lähmungen verursachen.


Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe, ist Pressereferent und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach.
Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe, ist Pressereferent und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach.

Der Autor: Gerhard Lux (geb. 1953) studierte Meteorologie, Geophysik und Mathematik in Frankfurt am Main und ist seit 1980 beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach beschäftigt. Dort arbeitete er im Vorhersagedienst, als Klima-Gutachter, Key-Accounter sowie als Qualitätsmanager. Zugehörigkeit zu nationalen und internationalen Normenausschüssen. Veröffentlichung zahlreicher Fachartikel über Wetter und Klima. Zur Zeit ist er Pressereferent und Sprecher des DWD. Seine bevorzugten Wandergebiete: Kellerwald und das Wallis/Schweiz



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Ausgabe 147

Juli/August 2009