© Klaus-Peter Kappest

Who’s who der deutschen Wanderwege

Ausgabe 147 – Juli/August 2009

Know How

Lange fristeten sie einen Dornröschenschlaf. Erst seit einigen Jahren machen deutsche Wanderwege wieder von sich reden. Neben den Klassikern wie Rennsteig und Westweg sind zahlreiche neue, ganz auf die Wünsche des modernen Wandergastes zugeschnittene „Prä

Autor: Rainer Brämer, Natursoziologe
Autor: Rainer Brämer, Natursoziologe

Dabei handelt es sich um Wege, die nach den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes bzw. des Deutschen Wanderinstitutes zertifiziert sind. Um zu sehen, was tatsächlich beim Wanderer ankommt, enthalten die deutschlandweit erhobenen „Profilstudien Wandern“ des Deutschen Wanderinstituts regelmäßig die offene Frage „Fallen Ihnen spontan Namen von bekannten Fernwanderwegen ein?“. Zwei Drittel der Befragten konnten 2008 darauf antworten – mehr als je zuvor. Die insgesamt über 1.500 Namensnennungen betrafen über 200 verschiedene Wege. Etwa jeder Fünfte hat einen Weg aus der Region benannt, in der er sich gerade befand. Wegen des damit verbundenen Heimvorteils der Befragungsstandorte müssen diese Wege unberücksichtigt bleiben, wenn man hieraus eine Rangliste von Deutschlands bekanntesten Fernwanderwegen ableiten will.

Das sich so ergebende „Who‘s Who deutscher Fernwanderwege“ führt nach wie vor der Rennsteig an, der indes erneut einen Teil seines immensen Vorsprunges eingebüßt hat. Langsam heften sich die neuen Premiumwege an seine Fersen, allen voran der Rothaarsteig als Pionier des „neuen Wanderns“, dessen Neuzertifizierung aufgrund der Schäden, die Sturm Kyrill Anfang 2007 anrichtete, noch aussteht. Gefolgt wird die Rangliste vom kräftig aufholenden Rheinsteig. Dessen Vorgänger, die beiden Rheinhöhenwege, vor zwei Jahren überregional noch mit 2% dabei, finden heute nur noch vor Ort Erwähnung. Zu den Verlierern unter den Klassikern gehören auch der Westweg im Schwarzwald und der Hermannsweg im Teutoburger Wald. Sie haben sich erst sehr spät für eine Modernisierung entschieden und dadurch in den letzten Jahren ihren Bekanntheitsgrad halbiert. Beim Hermannsweg dürfte sich auch der unglückliche Namenswechsel zu „Hermannshöhen“ negativ ausgewirkt haben.

Gemeinsam ist den Spitzenreitern in der Hierarchie prominenter Wanderwege, dass sie in nahezu allen Befragungsregionen von Nord nach Süd, von Ost nach West bekannt sind. Viele neue Wanderwege haben diesen wichtigen Schritt dagegen noch nicht ansatzweise  geschafft. Zwar hat auch der neue Saar-Hunsrück-Steig kräftig zugelegt, was er allerdings ausschließlich der eigenen Region verdankt. Ähnliches gilt in geringerem Maße für den Harzer-Hexen-Stieg. Andere neu geschaffene Prädikatswege wie Vogtland-Panoramaweg, Goldsteig, Frankenweg, Seensteig, Sauerland Höhenflug, Kellerwaldsteig oder auch die Gruppe der Toptrails sind bislang dagegen so gut wie gar nicht bis in das überregionale Wanderbewusstein vorgedrungen.

Wohlgemerkt: Das Ergebnis liefert keine Aussagen über die subjektive oder objektive Qualität, sondern nur über die Bekanntheit der deutschen Fernwanderwege. Die aber ist eine maßgebliche Voraussetzung für ihren Erfolg.

Autor: Dr. Rainer Brämer



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Ausgabe 147

Juli/August 2009