© Klaus-Peter Kappest

Brenz? Kolumne von Manuel Andrack

Ausgabe 148 – September/Oktober 2009

Know How

Ich war mal wieder wandern. In der Brenz-Region. Wenn mich vor der Wanderung jemand gefragt hätte, „Brenz?“, hätte ich vermutlich geantwortet: „Nöö, muss man nicht löschen.“ Ach, ich Unwissender. Dabei leben an der Brenz zwischen Aalen und Ulm viele Württ

Ich bin in der Nähe von Herbrech-tingen bei Heidenheim gewandert. Dort gibt es ein tolles Kloster, das schon seit den Zeiten Karls des Großen existiert. Und kurz hinter dem Kloster geht es in das Eselsburger Tal und hier fließt die Brenz, und die tut das dort nicht öde geradeaus, sondern hübsch geschwungen und verschlungen. Man erzählte mir in Herbrechtingen, besonders schön sei es im Eselsburger Tal im Frühling, wenn die Märzenbecher millionenfach an den Hängen blühen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich, als mein Gegenüber auf schwäbisch das Wort „Märzenbecher“ aussprach, zunächst an eine überaus exotische, nie gehörte Pflanzengattung dachte.


Im Eselsburger Tal kann man an der Waldseite auf einem netten Pfad entlang gehen. Dort sieht man nur Bäume. Schöner und interessanter ist es, im Tal unten auf einer asphaltierten Kreisstraße zu gehen, die so gut wie autofrei daher kommt. Von dort hat man nämlich nicht nur den Blick auf die erwähnte Waldseite, sondern geht direkt an einem weitestgehend baumlosen Hang entlang. Durch karges Grün schimmern immer wieder urige Muschelkalkfelsen. Wenn man das so im Vorbeiwandern betrachtet, könnte man denken, man befände sich in den Alpen oberhalb der Baumgrenze oder in den schottischen Highlands.


Eine sehr bekannte Felsformation direkt am Wegesrand wird die „Drei steinernen Jungfrauen“ genannt.

Einer Legende nach gab es auf der Eselsburg ein hartherziges und männerhassendes Burgfräulein, das auch ihren Zofen den Umgang mit Männern verbot. Als sie allerdings drei ihrer Mädchen im Eselsburger Tal beim Poussieren erwischte, wurde das frigide Burgfräulein sehr böse, verwünschte die drei Jungfrauen, die daraufhin zu Stein wurden. So weit die Legende. Wenn man sich nun die drei Felsen anschaut, die stalagmitenhaft in die Höhe wachsen, können die Jungfrauen keine Schönheiten gewesen sein. Dünne Köpfchen, Riesenarsch und Elefantenbeine, eigentlich unvorstellbar, dass mit denen ein Mann geflirtet haben soll.


Aber vielleicht hatten die Schwaben auch einfach nur zu tief ins Gläsle geschaut, als sie den drei Felsen diesen Namen gaben. Ich schlage andere Namen und Legenden vor. Man kann sich je nach Geschmack eine aussuchen:


Legende: Drei Riesen mit Zipfelmützen waren im Eselsburger Tal auf Wanderschaft. Wegen der Zipfelmützen hatten sie den Spitznamen Zwergriesen. Sie rasteten an der Brenz, nahmen ihre Mützen ab und tranken vom mitgebrachten Selbstgebrannten. Als sie sturztrunken weitergingen, vergaßen sie ihre Kappen. Seitdem heißen die Felsen die „Drei Zipfelmützen“.


Legende: Zwei Riesen spielten einmal an der Brenz Mensch-Ärgere-Dich-Nicht. Einer verlor fürchterlich, hatte immer noch drei Figuren im Häuschen, als der andere schon gewonnen hatte. Wutentbrannt schleuderte er die drei Spielfiguren durch das Tal, wo sie dann liegenblieben. Seitdem heißen die Felsen die „Drei Mensch-Ärgere-Dich-Spielfiguren“. Hm, etwas sperriger Name.


Legende: Drei Riesen wanderten durch das Eselsburger Tal und mussten ganz dringend mal groß. Den Namen der drei Felsen können Sie sich ungefähr denken.



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Ausgabe 148

September/Oktober 2009