© Klaus-Peter Kappest

Wetter messen über den Wolken

Ausgabe 148 – September/Oktober 2009

Know How

Stellen Sie sich vor, Sie sind zu Fuß unterwegs auf Ihrer Lieblingsstrecke. Die herbstlich-warme Sonne scheint vom Himmel und plötzlich sehen Sie auf der Wiese einige Meter seitlich etwas Weißes aufleuchten, dann eine viele Meter lange rote Schnur liegen

Start! Rund 20 m lang ist das gesamte Gespann. Über eine Stunde ist es bis zur Dienstgipfel- höhe unterwegs und funkt in dieser Zeit ständig Messwerte zur Bodenstation.
Start! Rund 20 m lang ist das gesamte Gespann. Über eine Stunde ist es bis zur Dienstgipfel-höhe unterwegs und funkt in dieser Zeit ständig Messwerte zur Bodenstation.

Stellen Sie sich vor, Sie sind zu Fuß unterwegs auf Ihrer Lieblingsstrecke. Die herbstlich-warme Sonne scheint vom Himmel und plötzlich sehen Sie auf der Wiese einige Meter seitlich etwas Weißes aufleuchten, dann eine viele Meter lange rote Schnur liegen und Reste eines gummiartigen Gewebes. Aus der kleinen weißen Plastikschaum-Box ragen Drähte ... was um aller Welt könnte das nur sein?


Die Rückseite der Box gibt schließlich Auskunft: Es handelt sich um eine Radiosonde des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Sie durchfliegt unter einem gasgefüllten Wetterballon die untere Atmosphäre und liefert kontinuierlich verschiedene Messwerte. Dieser Bereich der Meteorologie heißt „Aerologie“. Der Fund einer Radiosonde ist gar nicht mal so selten. In Deutschland werden solche Sonden an neun Stellen zwei- bis viermal täglich gestartet. Das macht jeden Tag fast 40 Ballons, die mit rund 300 Metern pro Minute steigen, eine Höhe von 30 km erreichen, sich dabei durch den geringen Druck enorm ausdehnen, schließlich platzen und danach sanft an einem kleinen Fallschirm zur Erde gleiten. Mehr als die Hälfte der Gespanne werden kurzfristig wieder gefunden. Meist von Förstern, Pilzsammlern, Wanderern, auf Wiesen, in Wäldern, im Brachgelände - überall in Deutschland!

High-Tech über den Wolken

Klein, aber oho: Die vom Deutschen Wetterdienst verwendete Radiosonde vom Typ RS92. Per Ballonaufstieg erreicht sie Höhen von etwa 30 km. Gut zu erkennen sind die Sensoren für Lufttemperatur und -feuchte sowie die Antennen der GPS-Anlage
Klein, aber oho: Die vom Deutschen Wetterdienst verwendete Radiosonde vom Typ RS92. Per Ballonaufstieg erreicht sie Höhen von etwa 30 km. Gut zu erkennen sind die Sensoren für Lufttemperatur und -feuchte sowie die Antennen der GPS-Anlage

Das Gerät selbst besteht aus einem Sendeteil (Radio-), einer kleinen Batterie und einem Teil mit einigen Messfühlern (-sonde). Direkt gemessen werden Luftdruck, Luftfeuchte und Lufttemperatur. Indirekt werden aus dem per GPS festgestellten Windversatz der Radiosonde die Windrichtung und -geschwindigkeit bestimmt. Alle Daten gelangen per Funk unmittelbar zur Bodenstation und ermöglichen ein genaues Bild über den Zustand der einzelnen Luftschichten. High-Tech also über den Wolken. Weltweit sind es knapp 1000 Aufstiegsstellen. Ein teures System für die Wettervorhersage, aber einfach nicht zu ersetzen. Heutige computergestützte Wettervorhersagen sind auf diese Ballonmessungen extrem angewiesen.


Return to sender ?

Ein Radiosondengespann wird zum Start vorbereitet: Gasgefüllter Ballon, Kleinfallschirm, lange Schnur und Radiosonde
Ein Radiosondengespann wird zum Start vorbereitet: Gasgefüllter Ballon, Kleinfallschirm, lange Schnur und Radiosonde

Was tun mit einem solchen Fund? Auch hier gibt die Rückseite Auskunft: Fast alle Sonden sind Einweg-Geräte. Sie können nicht wieder aufgearbeitet werden. Man kann sie wie normalen Hausmüll entsorgen. Oder eben behalten, als kleines Souvenir mit besten Grüßen des Deutschen Wetterdienstes. Daneben werden aber auch regelmäßig wertvolle Spezialsonden gestartet, beispielsweise zur Ozonmessung in Höhen bis zu 40 km. Auf solchen Sonden ist eine Adresse angegeben, an die man das Gerät schickt. Dafür gibt es dann ein offizielles Dankschreiben und einen kleinen Finderlohn.


Von Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe, Pressereferent und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach am Main.
Von Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe, Pressereferent und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach am Main.

Von Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe, Pressereferent und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach am Main.

Link-Tipp


Mehr Infos unter  www.dwd.de – Stichwort „Aerologie“ oder „Radiosonde“
www.wettergefahren.de



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 148

September/Oktober 2009