© Klaus-Peter Kappest

Entdeckungsreise in ein unbekanntes Spanien: Val d‘Aran – Das Juwel der Pyrenäen

Ausgabe 149 – November/Dezember 2009

Spanien

Über 3.000 Meter ragen die Pyrenäengipfel um das Val d‘Aran in die Höhe und formen spektakuläre Bergpanoramen, soweit das Auge reicht. Das größte Seengebiet der Pyrenäen schmiegt sich mit lieblichen Auen zwischen die schroffen Steinriesen; rauschende Wass

Val de Toran: Ein Traum in Grün
Val de Toran: Ein Traum in Grün

„Zum Restaurant Lucana geht es die Carretera de Gausac hinunter und dann Richtung Frankreich“, erklärt uns die Rezeptionistin des Hotels, ohne eine Miene zu verziehen. Wir verlassen erstaunt das Hotel und finden anhand der merkwürdig anmutenden Wegbeschreibung innerhalb von Minuten das Restaurant. Im Val d‘Aran ist eben alles ein wenig anders. Im äußersten Nordwesten Kataloniens gelegen, gehört das Val d‘Aran zu Spanien, öffnet sich jedoch geografisch in Richtung Frankreich. Von Spanien aus ist das Tal durch einen fünf Kilometer langen Tunnel zu erreichen, der erst seit 1965 ganzjährig befahrbar ist. 

Wanderwelt der unbegrenzten Möglichkeiten

Wandern am Tuc de Pan
Wandern am Tuc de Pan

Dieser geografischen Lage verdankt das Tal seine unberührte und intakte Bergwelt, die heute zu allen Jahreszeiten Naturfreunde anzieht. Gipfelstürmer brechen von hier aus auf ins Maladeta-Massiv, mit dem Pico de Aneto (3.404 m) als höchstem Gipfel der Pyrenäen. Liebhaber von Hochgebirgslandschaften mit weniger sportlichen Ambitionen erkunden im Süden des Tals das Seengebiet der Lacs de Colomèrs, einen alpinen Traum aus Wasser, Weidelandschaften und  filigran gefalteten Felsformationen. Die Route der „Sieben Seen von Colomèrs“ führt in nur drei Stunden durch diese unvergleichliche Hochgebirgslandschaft, geformt von der langsamen Erosion der Gletscher. Mit Gipfeln, die die 3.000 Metermarke umspielen, darunter der Creu de Colomèrs, der Gran Tuc de Colomèrs und der Tuc de Ratera, eröffnet sich dem Wanderer hier eine Hochgebirgslandschaft auf einem Weg mit nur 360 m Höhenunterschied.

Nationalpark Aigüestortes y Estany de Sant Maurici

Winterwelt 
Winterwelt 

Das Val d‘Aran bildet auch den Eingang zum einzigen Nationalpark Kataloniens, dem Parque Nacional Aigüestortes y Estany de Sant Maurici, einem Juwel der Pyrenäenlandschaft. Der größte Teil dieses seit 1955 geschützten Gebietes mit einer Fläche von 40.852 ha liegt auf Höhen über 1.000 m, viele Gipfel erreichen die 3.000-Metermarke. Die großen Höhenunterschiede führen zu einem Miteinander vieler unterschiedlicher Ökosysteme im Nationalpark: Über die unteren Lagen ziehen sich Wiesen, Äcker und Laubwälder, die mittleren Lagen sind von Nadelwäldern bedeckt, Almwiesen und Felsen prägen die Höhenlagen. In dieser vom Menschen nahezu unberührten Natur finden unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Dichte Nadelwälder, lichte Laubmischwälder, Heidelbeere, Wacholder und Ginster besiedeln die tiefer gelegenen Gebiete des Parks. In den alpinen Lagen finden sich Enzian-, Steinbrech- und Hahnenfußarten. 

Etwa 200 verschiedene Tierarten bevölkern den Parque Nacional Aigüestortes y Estany de Sant Maurici, von denen fast zwei Drittel Vögel sind: Auerhuhn, Steinadler, Bartgeier, Alpenschneehuhn, Schwarzspecht und Mauerläufer, Eichelhäher, Bachstelze, Schneefink, Waldbaumläufer und Steinrötel machen Aigüestortes auch für Birdwatcher zu einem spannenden Terrain. Unter den Säugetieren wecken vor allem Gämsen, Wildschweine, Hermelin, Baummarder, Siebenschläfer und Alpenmurmeltier das Interesse der Besucher, in den beiden wichtigsten Flüssen, dem Sant Nicolau und dem Escrita, tummeln sich Forellen.

Wasser ist ein zentrales Element in dieser einzigartigen Komposition von Gebirgs- und Hochgebirgslandschaften mit ihren unterschiedlichen Habitats. Der Name Aigüestortes geht auf die Mäander des Riu Sant Nicolau zurück und bedeutet so viel wie „gewundene Gewässer“. Zahlreiche Karseen, welche während der letzten Eiszeit entstanden,  durchbrechen das Grün der Almwiesen. Das Val d‘Aran hat mit den Gemeinden Vielha und Vilamós Anteil an der landschaftlich sehr reizvollen äußeren Zone des Nationalparks, darüber hinaus stellt es ein ideales Eingangsportal zu dieser geschützten Hochgebirgslandschaft dar. ...



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Ausgabe 149

November/Dezember 2009