© Klaus-Peter Kappest

Heilquellen und Klostergeist: Per pedes in den Naturparks Haut-Jura und Chartreuse

Ausgabe 149 – November/Dezember 2009

Frankreich

In Rhône-Alpes, eine der größten Regionen Frankreichs, wird die vielfältige Natur sowie das kulturelle Erbe in mehreren Nationalparks oder regionalen Naturparks geschützt und erhalten. Im Departement Ain erstreckt sich vor den Toren der Kurstadt Divonne d

Das göttliche Wasser

Obelix war hier: Hinkelstein  auf dem Mourex
Obelix war hier: Hinkelstein 
auf dem Mourex

Glaubt man der Legende, so nannten die alten Römer das wohltuende Nass dieser Juraquellen „Divonna“. Die heutige Kurstadt Divonne-les-Bains verdankt demnach ihren Namen dem „göttlichen Wasser“. Seit über 2.000 Jahren bringen die Quellen der Stadt Nutzen. Über ein Aquädukt versorgten sie die römische Garnison Noviodunum (heute Nyon in der Schweiz) mit Trinkwasser. Ab Ende des 15. Jhs. betrieben die Bäche und das Flüsschen Divonne Mühlen und Sägewerke. Im 19. Jh. besann man sich der heilenden Wirkungen des Wassers und errichtete ein Thermalbad. Kurgäste strömten herbei, um sich von Schlaflosigkeit und Angstzuständen befreien zu lassen. Heute ist das Kurstädtchen ein beliebtes Erholungsziel mit Thermen, Kasino, Golfplatz und Seepromenade. Gleich am Stadtrand beginnt jedoch der regionale Naturpark Haut-Jura, der sich mit über 165.000 Hektar fast über die gesamten Jurahöhen erstreckt. Im Departement Ain gehören rund 25 Gemeinden zum Regionalpark, von denen eine Vielzahl abwechslungsreicher Wanderstrecken ausgehen. Über allem thront der Crêt de la Neige, die mit 1.720 m höchste Erhebung der Juraberge. Der Fernwanderweg GR 9 durchquert den gesamten Höhenzug und bildet das Bindeglied zum Regionalpark Chartreuse. 

Den Mont Blanc im Blickfeld

Schmaler Pfad zum  Dent de Crolles
Schmaler Pfad zum 
Dent de Crolles

Nachdem das Reisemobil auf dem Campingplatz Le Fleutron bei Divonne-les-Bains geparkt ist, führt uns der Platzwart zu seiner Lieblingstelle im oberen Bereich der Anlage. Von hier aus fällt der Blick auf den Mont Blanc, falls er sich nicht gerade in die Wolken verzieht. Monsieur ist etwas frustriert, nicht gleich sein Paradestück vorführen zu können. Wir trösten ihn mit der Vermutung, es gäbe doch sicher noch andere Aussichtspunkte, die wir vielleicht erwandern könnten. Eine kleine Tour führt zum Mont Mourex, der eine noch grandiosere Aussicht bietet. Also starten wir am nächsten Morgen am Kasino und den Thermen zur Wanderung. Der Anstieg beginnt am Golfplatz, wo ein hoher Zaun vor verirrten Bällen schützen soll. Zwei junge Platzwarte verraten, dass in der Ferme de Mussy weiter oben hervorragender Obstkuchen serviert wird. So freundlich beraten erreichen wir kurz danach die „Grande Source“, eine der vielen Quellen von Divonne. Das magnesiumreiche Wasser sprudelt, nachdem es fast 15 Jahre durch den Kalkstein sickerte, heftig zwischen aufragenden Steinen hervor. Der  folgende Anstieg auf dem „Chemin des Dames“ scheint für weibliche Wanderer wie geschaffen. Durch schönen Mischwald geht es bis zur besagten Ferme de Mussy, wo wir uns den Obstkuchen zu früher Stunde verkneifen. Nachdem sich der Wald zu einer Hochfläche lichtet, bietet sich endlich der versprochene Ausblick, der das Prädikat grandios durchaus verdient. Auf der einen Seite die Jurahöhen und im Hintergrund das Rhône-Tal. Links dehnt sich die silberne Fläche des Genfer Sees, in dem deutlich die berühmte Wasserfontäne auszumachen ist. Dahinter erhebt sich die Alpenkette mit dem Mont Blanc, der mit seiner weißen Gipfelspitze an das gleichnamige Dessert, Maronencreme mit Sahnehaube, erinnert. Mitten auf der Hochfläche ragt ein Menhir zwischen Trockenrasen und Heide hervor, drumherum ein Kreis aus kleineren Steinen. Es sind Überreste eines frühgeschichtlichen Kultplatzes, auf  die Sonne verehrt wurde. Zwischen Wildrosenbüschen und grasenden Kühen geht es hinunter bis zum Dorf Mourex. Danach marschieren wir gemächlich am Waldrand entlang zurück zum Campingplatz. Dort hat sich inzwischen der Mont Blanc wieder unter seine Wolkendecke verkrochen. ...



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Ausgabe 149

November/Dezember 2009