© Klaus-Peter Kappest

Die Stille von Mafate - Über den Col des Boeufs nach La Nouvelle

Ausgabe 150 – Januar/Februar 2010

Frankreich

Wie ein Kleeblatt umgeben die drei Talkessel Cilaos, Salazie und Mafate den Piton des Neiges. Sie entstanden durch Erosion nach den letzten Ausbrüchen des Vulkans vor 22.000 Jahren. Der am wenigsten besiedelte Cirque de Mafate ist für Touristen nur zu Fuß

Unten Filaos, oben Fels

Auf der Hochebene durch den Tamarindenwald nach La Nouvelle
Auf der Hochebene durch den Tamarindenwald nach La Nouvelle

Von Grand Ilet im Talkessel Salazie führt eine kurvige Forststraße bis zu einem bewachten Parkplatz, ein idealer Ausgangspunkt der Tour. Schon bei der Auffahrt bieten sich immer wieder schöne Aussichten auf die zerklüfteten, von dichter Vegetation überzogenen Berge.

Beim anschließenden Anstieg auf dem breiten Forstweg erstreckt sich tief unten links der Filaoswald von Grand Sable, vor uns erheben sich die Felswände des Gros Morne, mit 2.991 m der zweithöchste Berg der Insel. Nach einer halben Stunde Fußmarsch endet der Weg auf der Passhöhe und gibt den Blick auf den Cirque de Mafate frei. Ganz weit hinten ist die Ansiedlung Marla unterhalb des Col du Taibit auszumachen. Dieser Pass führt auf dem Fernwanderweg GR 1 nach Cilaos.

Callablüten in 1.810 m Höhe

Stärkt nach jeder Wanderung: Cari ist das Nationalgericht  der Insel La Réunion
Stärkt nach jeder Wanderung: Cari ist das Nationalgerichtder Insel La Réunion

„Inquiet pu, ti pas, na arrivé“, heißt es auf kreolisch. Dem Spruch folgend sorgen wir uns nicht, Schritt für Schritt werden wir unser Ziel erreichen. Grüne Abhänge säumen den Cirque de Mafate. So heißt es auch für uns über einige Stufen und auf einem schmalen Pfad bergab marschieren. In Höhen von über 1.810 m zeigt die Berglandschaft noch üppigen Bewuchs. Baumhohe Farne, duftende Mimosenbäume und Agaven mit meterhohen Blütenstangen säumen den Weg. Bei der Hochebene der Tamarinden ändert sich das Bild. Auf den Lichtungen mit hohem Gras weiden Rinder. Wir rasten unter einer schattigen Tamarinde und wundern uns über diese tropische „Hochalm“. Ein Sportler eilt im Laufschritt vorüber, ein kurzer Gruß und schon verschwindet er hinter einer Biegung. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Wie wir später erfahren trainiert er für den „Grand Raid“. Die Durchquerung der Insel gilt als der schwierigste Berglauf weltweit. Wir setzen unseren Weg lieber „ti pas, ti pas“ fort.

So entgeht uns nichts von der herrlichen Vegetation, weder die Callablüten am Bachrand noch die nur wenige Zentimeter hohe Mistelart „Bois de Souris Chaude“, deren Früchte bei Vögeln beliebt sind und deren Blätter gegen Rheuma helfen sollen. ...


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Ausgabe 150

Januar/Februar 2010