© Klaus-Peter Kappest

Tourenplanung: Wanderkarte aufs GPS-Gerät

Ausgabe 151 – März/April 2010

Know How

Wer ein GPS-Gerät nutzt, muss die gute alte Papierkarte noch lange nicht in die Ecke legen. Erstens eignet sie sich hervorragend für die Tourenplanung, denn dies ist auf den kleinen Bildschirmen der GPS-Geräte nur sehr schwer zu leisten. Zweitens ist es n

Marktführer Garmin war bislang dafür bekannt, dass auf seinen GPS-Geräten nur eigene, teilweise relativ kostspielige Karten darstellbar waren. Als praxistaugliche Alternative kamen bislang nur Karten des Wikipedia-ähnlichen OpenStreetMap-Projektes infrage, wobei derzeit gerade bei den interessanten Wanderregionen das verfügbare Wegenetz noch lückenhaft ist.
Durch ein einfaches Update ermöglichen die Geräte der Oregon-, Dakota- und Colorado-Serien von Garmin nun die Darstellung von nahezu allen Karten. Voraussetzung: die Karten müssen vorher eingescannt sein bzw. in einem Rasterformat (.jpg) vorliegen. Mithilfe von Google Earth wird die eingescannte Kartendatei dann auf ihre korrekte Lage auf der Erdoberfläche positioniert und für die Verwendung in den Garmin-Geräten abgespeichert.


Eine sehr interessante Möglichkeit, da die meisten Wanderinhalte noch nicht digital vorliegen, vom hohen Preis einmal ganz abgesehen. Zudem fehlen für viele außereuropäische Länder noch GPS-taugliche Karten.


Das Zusammensetzen von eigenen Kartenscans der üblichen A4-Scanner ist relativ mühsam und kaum präzise zu leisten. So hat sich die Firma merkartor darauf spezialisiert, großformatige Karten einzuscannen und sie auch für die Nutzung in Navigationsprogrammen wie Touratech QV, Ozi Explorer und Compe GPS zu georeferenzieren. Die Kunden erhalten eine CD mit den fertigen Daten, um sie direkt in den jeweiligen Programmen sowie auf den dazu passenden GPS-Geräten verwenden zu können. Inhaber Michael Merk bietet jetzt auch die spezielle Aufbereitung für Garmin-Geräte mit bis zu 100 Kartendateien an.

Bei den Garmin-Modellen können allerdings immer nur kleine Kartenausschnitte übertragen werden – eine mühevolle Kleinarbeit also. Auch andere GPS-Gerätehersteller ermöglichen die Darstellung von Rasterkarten, wobei die Kartensätze allerdings meist für die jeweiligen Geräte gekauft werden müssen. SatMap hat sich auf die offiziellen Serien der jeweiligen Landesvermessungsämter spezialisiert, erfüllt aber auch spezielle Wünsche. Wer auf seinem SatMap-Gerät eigene Karten darstellen will, kann diese bei SatMap in England als Sonderanfertigung herstellen lassen. Kostenpunkt: ab ca. 170 €.

Als sehr flexibel erweisen sich die neuen Lowrance-Geräte, die schon jetzt MagicMaps- und Kompass-Karten zeigen können. Kartenkönig ist das TwoNav Aventura von Compe GPS, weil es in Verbindung mit der Software Touratech QV nahezu alle Rasterkarten und auch eingescannte Karten in großen Dateien darstellen kann. Compe GPS bietet topographische Karten zahlreicher Länder an. 


Rasterkarten auf Garmin-Geräten – Wie geht das?

1. Diese Funktion ist nur möglich mit Garmin-Geräten der Oregon-, Dakota- und Colorado-Serien.
2. Gerät an PC anschließen, Garmins Webupdater starten und die neueste Gerätesoftware aufspielen.
3. Mit dem Windows Explorer auf dem Garmin-Gerät im Verzeichnis \Garmin einen neuen Ordner mit dem Namen „CustomMaps“ anlegen.
4. Gewünschten Kartenausschnitt einscannen, als .jpg abspeichern.
5. Google Earth öffnen und auf Gebiet der Karte zentrieren. Mit „Hinzufügen – Bild-Overlay“ Kartendatei laden. Transparenz auf etwa 50 % stellen und mit den grünen Begrenzungslinien die Kartendatei über ihre Position in Google Earth schieben bzw. dehnen. Transparenz wieder auf 100 % stellen. Rechter Mausklick auf den Dateinamen, „Bild speichern unter“ wählen und in das Verzeichnis CustomMaps des Garmin-Gerätes übertragen.
Diese Methode ist allerdings etwas mühsam und nicht wirklich sehr präzise. Zudem dürfen die einzelnen Kartendateien nur 1024 x 1024 Pixel groß sein, sonst werden sie automatisch heruntergerechnet und damit unscharf. Maximal 100 derartiger Kacheln kann ein Garmin-Gerät darstellen.
Achtung: Die Urheberrechte der jeweiligen Karten müssen natürlich beachtet werden!
Sehr präzise, schnell und einfach geht es mit der Software Touratech QV: Kartenausschnitt als jpg-Datei markieren und im kmz-Format in das GPS-Gerät übertragen, fertig.


GPS-Geräte zum Wandern (629,80 KB) - Praxiseinsatztest-Artikel in diesem Heft als PDF-Download


Weitere News:

Modellwechsel bei Garmin
Eine Reihe von Geräten werden vom Markt genommen, dazu gehört das Colorado und das Geko 201. Auch die Tage des gelben eTrex H könnten gezählt sein, denn Garmins neue Software BaseCamp unterstützt keine seriellen Geräte mehr. Die Modelle Oregon 200, 300 und 400t sind nicht mehr erhältlich, ebenso die älteren Edge-Modelle 205 und 305. Die neuen Modelle Oregon 450 und 450t folgen dem Oregon 300 und 400t, haben aber den neuen, besser ablesbaren Bildschirm der 550er Reihe, den neuen Dreiachsen-Kompass und auch die erhöhte Datenkapazität. Das Oregon 450t verfügt über eine Freizeitkarte von Europa im Maßstab 1:100.000. Preise: 399 bzw. 479 Euro.

Xplova mit Logiball-Kartensubstanz
Der taiwanesische Hersteller Xplova nutzt Vektorkarten zur automatischen Berechnung von Wanderrouten. Ähnlich wie im KFZ-Navi entstehen die Karten hierbei aus einer Datenbank; die Karten erscheinen einfacher, aber sind weniger speicherhungrig und für Zielführungen besser nutzbar. Das neue Xplova G5 verwendet hierfür erstmals in einem GPS-Handgerät die „Deutschland-Plus“-Karte des Herner Unternehmens Logiball . Diese kombiniert 1,1 Millionen km Navteq-Straßendaten mit 1,3 Millionen km Feld- und Waldwegen und macht die gemeinsame Substanz routingfähig. Strecken von A nach B können also auch in Waldgebieten unterwegs berechnet werden.

Weitere Karten für das MyNav 600
Auch Hersteller Giove setzt auf Vektorkarten. Für das MyNav 600 steht inzwischen das gesamte Alpengebiet von Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Verfügung, zur Navigation auf Rad- und Wandertouren, auf der Skipiste, beim Skitourengehen oder Schneeschuhwandern.

Kompass: Schweiz für Überflieger und Kompass-Updates
Der Kompass-Verlag hat eine neue digitale Karte für die Schweiz herausgebracht, im Basismaßstab 1:50.000, mit allen Funktionen der bisherigen Serie. Ausgewählte Kartenausschnitte können ausgedruckt oder auf Handy bzw. PDA geladen werden. Der Preis von 89,95 Euro ist gerade in Bezug auf das Schweizer Gebiet sehr attraktiv. Zudem gibt es ein Software-Update mit vielen neuen Funktionen für die digitalen Kompass-Karten, so z. B. eine detaillierte Track-Auswertung, bessere Höhenprofil-Funktionen und die gemeinsame Verwaltung von Wegpunkten und Tracks.
 
Topographische Karten für Windows-Smartphones
Nutzer von Handys mit Windows mobile (z. B. die meisten HTC-Geräte) können kostenlos topographische Karten nutzen. Inzwischen stehen topographische Karten von Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Verfügung.



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