© Klaus-Peter Kappest

Auvergne: Auf den Spuren der Jakobspilger

Ausgabe 153 – Juli/August 2010

Frankreich

„Utreia“, immer weiter, diesem Pilgerruf folgen seit über tausend Jahren Menschen auf den Jakobswegen bis Santiago de Compostela. Eine organisierte Wandertour auf einer Teilstrecke ist die attraktive Alternative, um wenigstens für eine Woche in der Auverg

So weit die Füße tragen: Auf dem Jakobsweg in der Auvergne. Foto: Thierry Marsilhac
So weit die Füße tragen: Auf dem Jakobsweg in der Auvergne, Foto: Thierry Marsilhac

Die siebentägige Jakobsweg-Wanderung beginnt in Montfaucon-en-Velay auf der Via Gebennensis. Ab Le Puy en Velay heißt diese Pilgerroute Via Podiensis. Ihre Beliebtheit ist auf den Bischof Godescalk zurückzuführen, der als der erste Jakobspilger gilt. Mittlerweile sind die Strecken durchgehend als Fernwanderweg GR 65 gekennzeichnet. Die Beweggründe, in die Fußstapfen der Jakobspilger zu treten, sind vielfältig, doch wie einst mag auch heute gelten: „Keiner kommt so zurück, wie er gegangen ist.“

Unbeschwert von Etappe zu Etappe

Erbaut auf einem freigelegten Vulkanschlot: die Michaeliskapelle aus dem 10. Jh. Foto: Luc Olivier
Erbaut auf einem freigelegten Vulkanschlot: die Michaelis-kapelle aus dem 10. Jh., Foto: Luc Olivier

Nach der Ankunft in Montfaucon-en-Velay bleibt noch Zeit in der Kapelle Notre Dame die zwölf Gemälde des flämischen Meisters Abel Grimmer zu bewundern, ein Zeitgenosse Jean Breughels, mit dem er oft verglichen wird. Der Empfang in der Wanderherberge ist herzlich, die Mahlzeit vorzüglich. Unbelastet von Gepäck, das jeweils zur nächsten Unterkunft transportiert wird, erscheinen die 17 km bis Saint-Jeures fast wie ein Spaziergang. Wie angenehm wir doch heute im Vergleich zu den Pilgern des Mittelalters auf Schusters Rappen und mit reichhaltigem Picknick die Gegend durchstreifen.

In Tence überschreiten wir den Lignon und erreichen leichten Fußes das Etappenziel St. Jeures. Ein ländliches Dorf mit gedrungener Granitkirche, im Gästehaus erwarten uns komfortable Zimmer der Kategorie drei Ähren und das anregende Gespräch mit den Gastgebern, die schon manchen Jakobswanderer begrüßt haben.

Die nächste Etappenstrecke bis Saint-Julien-Chapteuil führt durch das Meygal-Massiv mit den kegelförmigen „Sucs“, die von einstiger Vulkantätigkeit in diesem Gebiet zeugen. Ebenso die Basaltorgeln beim Dorf Queyrières. Bei Raffy fällt ein „Maison de l‘Assemblée“ ins Auge. In diesen Versammlungshäusern unterrichtete im 17. Jh. eine Gemeinschaft wohltätiger Frauen die Dorfkinder und kümmerte sich um Kranke. Mit einem schönen Blick auf den Meygal verschnaufen wir nach dem Anstieg auf fast 1300 m und nehmen einen tiefen Schluck kühles Mineralwasser aus der Auvergne.

In der romanischen Kirche von Saint-Julien mit einer beeindruckenden Glockenmauer ist eine der Seitenkapellen dem Heiligen Jakobus gewidmet. Dieses Mal übernachten wir in einem gemütlichen Hotel Logis-de-France, wo wir uns nach einem köstlichen Salers-Steak den deftigen Käse Bleu d‘Auvergne zum AOC-Wein Saint-Pourçain schmecken lassen. ...


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Saas-Fee und das Saastal im Wallis - Die Welt zu Füßen

Einfach riesig! Wanderland Luxemburg

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Ausgabe 153

Juli/August 2010