© Klaus-Peter Kappest

Auf den Spuren der Erdgeschichte: Geowandern im Oberharz und Bad Sachsa

Ausgabe 154 – September/Oktober 2010

Deutschland

Die Regionen Oberharz und Bad Sachsa liegen mitten im „GeoPark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen“, der einen spannenden Überblick über die wechselhafte Erdgeschichte der vergangenen 500 Mio. Jahre bietet. Der Nationalpark Harz ist ein Bestandteil des

Abenteuer Geowandern

Hoch hinaus: Wandererlebnis Oberharz, Foto: TI Oberharz
Hoch hinaus: Wandererlebnis Oberharz, Foto: TI Oberharz

Der Harz besitzt aufgrund seiner erdgeschichtlichen Entwicklung eine große geologische Vielfalt auf engem Raum. Zu deren Vermittlung wurde ein flächendeckendes Netz von Landmarken und Geopunkten eingerichtet, die sich natürlich am Besten wandernd entdecken und erleben lassen.

Verschiedene Georouten weisen (Wander-)Wege zur Erdgeschichte des Geoparks und bieten Querschnitte durch die Geologie dieser Region. Begleitet werden sie von markanten, erd- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Stätten – den Geopunkten.

Der Oberharz, das ist das Herzstück und gleichzeitig die höchstgelegene Region des Harzes. Auf 380 bis 928 m Höhe liegen die sechs Orte Altenau, Buntenbock, Clausthal-Zellerfeld, Sankt Andreasberg, Schulenberg und Wildemann. Vom Erdaltertum bis hin zur jüngsten Bergbaugeschichte finden sich hier zahlreiche Spuren der bewegten Vergangenheit.

Am Südrand des nördlichsten Mittelgebirges Deutschlands liegt Bad Sachsa in einer geologisch besonders interessanten Karstregion. Der Karstwanderweg erschließt mit über 250 km Wegstrecke diese einzigartige Naturlandschaft. So werden auf den Wanderungen und Geopfaden der Region spannende Themen der Erdgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar.

Geologie trifft Poesie

Erlebnis Erdgeschichte: Auf dem Karstwanderweg, Foto:
Erlebnis Erdgeschichte: Auf dem Karstwanderweg, Foto:

Der Goetheplatz an den Hohen Klippen am Rehberg bei Sankt Andreasberg hat seinen Namen von keinem Geringeren als dem berühmten Dichter, der hier 1783 während seiner zweiten Harzreise Station machte.

Im späten 18. Jh. tobte unter den Wissenschaftlern der „Basaltstreit“. Forscher hatten erkannt, dass der Basalt und andere Gesteine „dem Feuer“ (Magma und Vulkane) entstammten und nicht „dem Wasser“ (Sediment). Goethe und andere glaubten dagegen noch, die Gesteine entstammten dem Meerwasser.

Die Wanderung am Rehberger Graben, die auch am Goetheplatz entlang führt, verbindet spannende Stationen der Erdgeschichte. Infotafeln erklären gut verständlich die geologischen Phänomene am Weg. Der 7 km lange Rehberger Graben wurde Anfang des 18. Jahrhunderts angelegt, um die Bergwerke in Sankt Andreasberg mit dem Wasser zum Antrieb der Bergwerksmaschinen zu versorgen. Ein Teil davon lässt sich auch vom Oderteich aus erwandern, dann beträgt die Wegstrecke nach Sankt Andreasberg 4 km.

Im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg und im benachbarten Bergwerksmuseum Grube Samson wird die spannende Geschichte der Region und des Geoparks eindrucksvoll näher gebracht. Wer sich in kompakter Form über die Vielfalt der Harzer Gesteinswelt informieren möchte, dem sei auch ein Besuch auf dem gesteinskundlichen Lehrpfad Jordanshöhe empfohlen. Dort befindet sich eine Kollektion von etwa 40 Blöcken der harztypischsten Gesteine – Anfassen erlaubt.

Staunen und Erleben

Historisches Wasserrad der Oberharzer Wasserwirtschaft, Foto:
Historisches Wasserrad der Oberharzer Wasserwirtschaft, Foto:

Das Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus, direkt am Harzer Hexenstieg zwischen Altenau und dem Brocken gelegen, bietet viele spannende Informationen zum Nationalpark und zu den geologischen Besonderheiten der Region.

Über die Grenzen hinaus bekannt wurde Torfhaus, nachdem Goethe, der damals anonym als Maler Weber den Harz bereiste, 1777 in Begleitung von Torfhaus-Förster Degen von hier zu seiner ersten Brockenbesteigung aufbrach. Die ungefähre Route von Degen und Goethe heißt heute Goetheweg – ihr genauer Verlauf ist jedoch unbekannt.

Eine mögliche Wanderung führt entlang des artenreichen Großen Torfhausmoores, einem beeindruckenden wie selten gewordenen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, und über den Wanderweg Kaiserweg auf rund 4 km Länge zurück zum Infozentrum.

Eine etwas längere Wegstrecke – rund 14 km – müssen Wanderer auf einer geologischen Wanderung über den Acker-Rundwanderweg zur Nationalpark-Waldgaststätte Hanskühnenburg bewältigen. Der Name des Weges hat nichts mit dem Acker der Landwirtschaft zu tun, sondern stammt vom mittelhochdeutschen „agger“, was soviel wie Kamm oder Wall bedeutet.

Der geologisch hoch spannende Bergrücken besteht fast vollständig aus weißen bis hellgrauen Quarziten. ...
www.oberharz.de

www.bad-sachsa.de


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Ausgabe 154

September/Oktober 2010