© Klaus-Peter Kappest

Die Spur der Steine: Wandern und Geologie im Erzgebirge

Ausgabe 154 – September/Oktober 2010

Deutschland

Erdgeschichtlich betrachtet hat das Erzgebirge so einiges hinter sich. Vor rund 300 Mio. Jahren, im Zeitalter des Karbon, falteten starke tektonische Bewegungen das Gestein zum mächtigen Massiv des varistischen Gebirges. Aus dem Erdinneren drang Magma ein

In mehreren Jahrmillionen wurde das varistische Gebirge weitgehend abgetragen. Übrig blieb ein flach hügeliges Relief. Später zerbrach das Gebiet in einzelne Schollen, über die sich wiederum aufgrund vulkanischer Tätigkeit dünnflüssige Lava ergoss. Ehemalige Flusstäler wurden mit Lava ausgefüllt und erstarrten zu Basalt. Die folgende Erosion konnte nun das weichere Gestein der Höhen stärker abtragen als das härtere in den Tälern, die so genannte Reliefumkehr ließ aus Tälern Berge und aus Bergen Täler werden.

Geologie erwandern

Spannendes Geotop:  Basalt - Palmwedel am  Hirtstein bei Satzung, Foto: Stadt Marienberg
Spannendes Geotop:  Basalt – Palmwedel am  Hirtstein bei Satzung, Foto: Stadt Marienberg

Dieses einzigartige Relief lässt sich heute von den zahlreichen Gipfeln des Erzgebirges auf deutscher und tschechischer Seite bewundern. Vom Fichtelberg (1.215 m) hat man einen fantastischen Blick über das gesamte Erzgebirge.

Der Weitwanderweg „Kammweg“ ist besonders deutlich geprägt von dem einzigartigen Relief dieser rauen Mittelgebirgslandschaft, deren höchste Erhebung der Keilberg bei Gottesgab/Tschechien mit 1.244 m ist.

Die Berggipfel bieten bemerkenswerte Aussichten und Weitblicke nach Sachsen und Böhmen. Gegenwärtig wird an der Optimierung des Kammweges zum Qualitätsweg Wanderbares Deutschland gearbeitet.

Der von Klingenthal im Vogtland bis nach Altenberg im Ost-Erzgebirge verlaufende, gut 200 km lange Weg bietet die einzigartige Möglichkeit, die geologischen Highlights der Region grenzübergreifend zu erwandern und zu erleben.

Die Mineraliensammlung der TU Bergakademie Freiberg, das Geotop „Orgelpfeifen” am Scheibenberg mit dem dazugehörigen Basaltlehrpfad, das Kalkwerk Lengefeld mit seiner sagenhaften Orchideenblüte auf der Talsohle oder das Serpentinsteinvorkommen in Zöblitz sind nur einige Attraktionen nördlich des Kammweges.

Stein-Reich

Gut markiert: die  Wanderwege im Erzgebirge, Foto: Tourismusverband Erzgebirge
Gut markiert: die  Wanderwege im Erzgebirge, Foto: Tourismus-verband Erzgebirge

Der Basaltfächer am Hirtstein bei Satzung zählt zu den wichtigsten nationalen Geotopen und ist optisch und geologisch eine Besonderheit. Vor 24 Mio. Jahren drang flüssiger Basalt kuppelförmig in das ältere Gneisgestein ein.

Beim Abkühlen der heißen Magma entstanden die spektakulären, fächerförmig angeordneten Basaltsäulen, die heute ein Anziehungspunkt für Wanderer jeden Alters sind.

Das Flächennaturdenkmal Kahleberg (905 m) besticht durch seinen markanten Stufenabbruch und Blockhalden aus Quarz-Porphyr Gestein. Bei Seiffen vermittelt der Bergbausteig mit 20 Stationen rund um die Binge, ergänzt durch Basaltaufbruch am Ahornberg viel Wissenswertes aus der geologischen Geschichte der Region und das Besucherbergwerk Zinnkammern in Pöhla verbindet mit dem Bergbaulehrpfad durchs Luchsbachtal traumhafte Wandererlebnisse mit faszinierender Geologie.

Auch zu den Teufelssteinen im Steinbachtal führt ein geologischer Wanderweg – der Graupnerweg –, der Landschaftsgenuss mit spannender Information verknüpft. ...
www.tourismus-erzgebirge.de


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September/Oktober 2010