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Eisglätte oder Glatteis: Der erste Frost und seine Folgen

Ausgabe 155 – November/Dezember 2010

Know How

Spätestens Ende Oktober, nach der Zeitumstellung von Sommerzeit auf Winterzeit, tauchen regelmäßig in den Supermärkten die ersten Anisplätzchen auf, gefolgt von Marzipantaler, Mandelspekulatius und schließlich Lebkuchen. Es wird überdeutlich: Die Advents

Von Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe
Von Gerhard Lux, Dipl.-Meteorologe

Der Herbst ist eine Jahreszeit für wunderbare Wanderungen. Doch spürt man deutlich, dass die Tageslänge stetig abnimmt und die Nächte länger werden. In der Folge rutschen die nächtlichen Temperaturen immer weiter nach unten. Und selbst bei wolkenlosem Himmel vermag die Sonne das Quecksilber tagsüber nicht mehr sehr weit nach oben zu treiben. Die Feuchte der Luft kondensiert oft bereits in der Abendkühle zu Dunst oder Nebel. Erste Bodenfröste mit Reif treten auf, dann verbreitet Nachtfröste. In Deutschland fällt in der Regel schon etwa Mitte November in den Niederungen der erste Schnee - mit dem üblichen Glättechaos auf unseren Straßen.

Glätte ist nicht gleich Glätte!

„Glätte“ ist lediglich ein Sammelbegriff für alle meteorologischen Erscheinungen, die durch Eisablagerungen am Erdboden oder an Gegenständen hervorgerufen werden. Die vier häufigsten Glättearten sind „Reifglätte“, „Schneeglätte“, „Eisglätte“ und „Glatteis“. Die sprachliche Unterscheidung ist mehr als sinnvoll, denn ebenso unterschiedlich wie die Namen sind die jeweiligen physikalischen  Entstehungsprozesse und die daraus wiederum folgenden besonderen Bedingungen, z.B. auf Fußwegen, für den Straßenverkehr, für die kommunalen Räumdienste usw.

Und Eis ist nicht gleich Eis!

In den kalten, wolkenlosen Herbst- oder Winternächten verliert unsere Lufthülle Energie, die Luft kühlt sich stark ab. Die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit lagert sich dann ggf. als Reif ab. Festgefahrener Reif auf Straßen führt zu Reifglätte. Im Fall von festgefahrenem Schnee spricht man dagegen von Schneeglätte. Eisglätte, oft auch „gefrierende Nässe“ genannt, entsteht anders: Kühlt eine regennasse oder mit Schneeresten bzw. Schneematsch bedeckte Fahrbahn oder Oberfläche beispielsweise in einer kalten wolkenarmen Nacht unter Null Grad ab und gefriert, spricht man von Eisglätte.

Das nicht mit Eisglätte zu verwechselnde Glatteis, umgangssprachlich manchmal auch „Blitzeis“ genannt, ist besonders gefährlich. Oft zeigt es den Übergang von Frostwetter zu leichtem Tauwetter an. Ganz typisch u.a. beim Herannahen einer Warmfront bei einer winterlichen Westwetterlage.

Glatteis entsteht dann, wenn stark unterkühlter Regen auf den Boden auftrifft oder auch wenn normal temperierter Regen beispielsweise auf eine stark unterkühlte Fahrbahn fällt. Unterkühlt heißt, die Temperatur der Regentropfen oder der Straße liegt unter dem Gefrierpunkt. Man spricht dabei oft auch von „gefrierendem Regen“ oder „gefrierendem Sprühregen“. Das Wasser gefriert schockartig zu Eis. Der Eispanzer ist im Allgemeinen durchsichtig und kann zentimeterdick werden - verbunden mit extremer Glätte.  



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Ausgabe 155

November/Dezember 2010