© Klaus-Peter Kappest

Ethischer Konsum: Den Raubbau an der Natur stoppen

Ausgabe 155 – November/Dezember 2010

Know How

Die Erde mit ihren vielfältigen Naturlandschaften – von den Tundraebenen und den Eisfeldern der Arktis bis zu den tropischen Regenwäldern des Amazonas – ist atemberaubend schön und erschreckend verletzlich.

Fairtrade-Reisbauer aus Indien, Foto: TransFair e.V. / C. Nusch
Fairtrade-Reisbauer aus Indien, Foto: TransFair e.V. / C. Nusch

Die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten begann vermutlich vor etwa 4 Milliarden Jahren. Der Mensch in seiner heutigen genetischen Ausstattung ist hingegen gerade einmal 200.000 Jahre jung. Nichtsdestotrotz hat unsere Spezies wie keine andere vor ihr das Antlitz des blauen Planeten geprägt und verändert.

Unsere Art zu siedeln,  zu wirtschaften und zu konsumieren bedroht nicht nur das Weltklima und den Fortbestand lebenswichtiger Ressourcen, sie führt auch zu einem radikalen Ungleichgewicht in der Verteilung der Güter: Während die hochentwickelten Industriestaaten in einem geradezu ungesunden Überfluss leben, sind Hungersnöte und extreme Armut die alltägliche Realität vieler Entwicklungsländer.

Jede Kaufentscheidung zählt

Die wenigsten Menschen stehen dieser erschreckenden Entwicklung gleichgültig gegenüber. Die Frage, wie man als Einzelner Einfluss auf Probleme von weltpolitischer Dimension nehmen sollte, löst jedoch meist  Ratlosigkeit aus. Eine Handlungsoption, die jedem offen steht und langfristig eine enorme Schubkraft entwickeln kann, ist die des nachhaltigen oder ethischen Konsums.

Nachhaltiger Konsum ist umweltverträglich, sozialverantwortlich und wirtschaftlich tragbar, und er ist ein mächtiges Werkzeug in den Händen der Verbraucher. Wenn die nicht nachhaltig produzierte Ware in den Regalen der Geschäfte liegen bleibt, sind die Firmen gezwungen, nachhaltige Produktionswege zu suchen, um ihre Waren absetzen zu können.

Diese Erkenntnis liegt zum Beispiel dem Titel eines „etwas anderen Einkaufsführers“ von Fred Grimm zu Grunde: „Shopping hilft die Welt verbessern“ nennt sich der Führer zum verantwortungsvollen Konsum, der dem Verbraucher die Infos an die Hand gibt, um fair gehandelte, umweltverträgliche Produkte zu kaufen, ohne deshalb sein Leben auf den Kopf stellen zu müssen.

Ethischer Konsum statt Askese

Längst ist sich die Wirtschaft des neuen Trends bewusst geworden. Die Gruppe der „LOHAS“, also derer, die sich einem „lifestyle of health and sustainability“ verpflichtet fühlen, ist bereits seit einigen Jahren als solvente und meinungsbildende Zielgruppe definiert, die eine bedeutende Rolle im Marketing vieler Firmen spielt.

Was die LOHAS ganz wesentlich von den Ökos der 80er Jahre unterscheidet, ist ihre starke Genuss- und Konsumorientierung. Weit entfernt vom asketischen Lebensstil lautet ihre Devise: „Ohne Einschränkung konsumieren und sich dabei auch noch besser fühlen.“

„Ein bisschen bigott“, könnte der Idealist denken. Da jedoch den meisten Menschen der Verzicht schwer fällt, stellt ethischer Konsum eine durchaus positive Alternative dar, welche das nachhaltige Engagement der Unternehmen fördert und gleichzeitig die Wirtschaft stützt.

Doch Vorsicht: Nicht jede Firma, die mit grünen Etiketten wirbt, verkauft auch wirklich umweltfreundliche Inhalte. Der Trend zum „Greenwashing“ drückt sich häufig in der fantasievollen Eigenkreation von Umweltsiegeln vieler Firmen aus, die mit Werbebotschaften wie „ungespritzt“ oder „naturnah erzeugt“ nur scheinbar ökologische Produkte auf den Markt bringen. 


Produkte mit dem Fairtrade-Siegel helfen dabei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von im Welthandel benachteiligten Bauern und Beschäftigten aus Afrika, Asien und Südamerika durch faire Preise und eine Zusatzprämie für Gemeinschaftsprojekte zu verbessern. Außerdem sind illegale Kinderarbeit und Zwangsarbeit verboten.  www.transfair.org/ueber-fairtrade


Das deutsche Bio-Siegel kennzeichnet Lebensmittel, die gemäß der EG-Bio-Verordnung (EWG) 91/2092 aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft stammen. Damit ist garantiert, dass die Produkte den ökologischen Mindestanforderungen entsprechen.
www.bio-siegel.de


Auch das EU-Bio-Logo darf nur für Erzeugnisse verwendet werden, die im Einklang mit den Anforderungen der EG-Bio-Verordnung stehen. Auch hier ist somit die Einhaltung eines Mindeststandards ökologischer Anforderungen garantiert.
www.bio-siegel.de


Mit der „EU-Blume“ werden Textilien gekennzeichnet, die vom Anbau bis zur Entsorgung eine vergleichbar geringe Umweltbelastung aufweisen. Arbeitsbedingungen von Bauern und Textilarbeitern werden hier noch nicht erfasst, sind aber für die Zukunft angedacht. Weitere Infos:  www.eco-label.eu


Das BDIH-Siegel „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ steht für Kosmetika, die ohne Erdölprodukte, Gentechnik, radioaktive Bestrahlung, ohne Verwendung tierischer Substanzen und natürlich ohne Tierversuche hergestellt wurden. Die Rohstoffe kommen aus kontrolliert biologischem Anbau, die Produktion muss sozialverträglich, umwelt- und ressourcenschonend vonstattengehen.
www.kontrollierte-naturkosmetik.de


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Ausgabe 155

November/Dezember 2010