© Klaus-Peter Kappest

Der Pilgerweg Loccum-Volkenroda: Auf den Spuren der Zisterzienser

Ausgabe 156 – Januar/Februar 2011

Deutschland

Seit 2005 verbindet eine etwa 300 km lange, ökumenische Pilgerroute die beiden ehemaligen Zisterzienserklöster Loccum in Niedersachsen und Volkenroda in Thüringen. Doch der ursprüngliche Weg, der dem modernen Pilgerpfad zugrunde liegt, ist wesentlich älte

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Kalt und einsam muss es gewesen sein, als die Mönche sich vor fast 900 Jahren auf ihren beschwerlichen Weg gen Norden machten. Wanderschuhe, Trekkingrucksäcke und Funktionskleidung gehörten damals genausowenig zum Pilgerdasein wie gute Wanderkarten, warme Duschen in den Herbergen oder die Möglichkeit zum Gepäcktransport. Entlang des heutigen Weges finden sich noch zahlreiche Klöster bzw. Klosterruinen, überwiegend Zisterziensischen Ursprungs.

Der enge Kontakt mit der Natur und der spannende Wechsel der verschiedenen Kulturlandschaften entlang des Weges erscheint heutigen Wanderern und Pilgern sicher noch eindrucksvoller als den Mönchen von damals. Auf rund 300 km führt der Pilgerweg Loccum-Volkenroda entlang von Weser, Leine und Unstrut, über die Mittelweser, das Weserbergland, Vogler und Solling sowie durch das thüringische Eichsfeld.

Nach der Querung der Bückeberge und des Wesergebirges stößt der Weg auf den Flusslauf der Weser und begleitet sie über Hameln bis Bodenwerder. Von dort geht es über den Mittelgebirgszug des Vogler nach Stadtoldendorf. Der waldreiche Solling, die Fachwerkstadt Uslar, das Heilbad Heiligenstadt und Mühlhausen mit seiner historischen Altstadt sind weitere Stationen des Weges. Lange Zeit war diese Strecke durch die deutsch-deutsche Grenze getrennt, die heute als Grünes Band auch für Pilger einen besonderen Reiz hat.

Das verbindende Element des Weges spiegelt sich nicht nur in den Regionen, sondern auch in religiösen Inhalten wider. Vom katholisch geprägten Eichsfeld im Süden – in der Region finden bis heute zahlreiche Wallfahrten und Prozessionen statt – zum traditionell evangelischen Norden spielt die Ökumene auf dem Pilgerweg eine große Rolle.

Pilgern in der heutigen Zeit geht meist mit Sinnsuche, dem Wunsch nach Ruhe und innerer Einkehr einher. Neben religiösen Motiven ist es vielen Wanderern ein Bedürfnis, der Hektik und dem Stress des Alltags zu entfliehen, den Blick wieder fürs Wesentliche zu klären und einen freien Kopf zu bekommen.

Die Route bezieht bewusst landschaftlich reizvolle Abschnitte, kultur- und kirchengeschichtlich markante Orte, Kirchen und Klöster mit ein. Zusammen mit anderen sehenswerten Baudenkmälern lässt der Weg so die Glaubensgeschichte  der Region wieder lebendig werden.

Am nördlichen Ende liegt das Kloster Loccum, heute Tagungshaus und Pilgerort der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Das traditionsreiche, über 1.000 Jahre alte Stift Fischbeck wird bis heute von einem Damenkonvent bewohnt und bewirtschaftet. Im ehemaligen Zisterzienserkloster Amelungsborn bei Stadtoldendorf führen Christen im „Kloster auf Zeit” das Erbe der Zisterzienser fort. In der ehemaligen Benediktinerabtei Kloster Bursfelde am Ufer der Weser befindet sich ein Tagungszentrum und Einkehrhaus der ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Das Kloster Volkenroda steht seit der Wende unter ökumenischer Leitung und ist offizielles EXPO 2000-Lebensformprojekt. Die Ruine der romanischen Kirche gilt als das älteste Bauwerk der Zisterzienser in Deutschland und steht in einem spannenden Kontrast zum angrenzenden Neubau mit Jugendzentrum und dem „Christuspavillon” der EXPO 2000. ...


Weitere Informationen: www.weserbergland-tourismus.de, www.eichsfeld.de, www.loccum-volkenroda.de


Planungstipp:

Wer seine Tour vorab im Internet planen möchte, ist mit dem hifreichen Pilgerweg-Navigator gut beraten. Interaktive Streckenplanung, gps-Tracks, Infos zu Unterkünften und speziellen Pilgerangeboten gibt es unter www.pilgerweg-navigator.de


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Ausgabe 156

Januar/Februar 2011