© Klaus-Peter Kappest

Editorial: Ihr Job, Herr Dr. Rösler!

Ausgabe 156 – Januar/Februar 2011

Know How

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Auf 253 Mrd. Euro beliefen sich 2009 die Gesundheitskosten in Deutschland. Na bravo. Davon entfallen ca. 30 Mrd. Euro alleine auf die Kosten, die bei Patienten mit Diabetes mellitus (Typ II), kurz Zucker, anfallen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) schätzte für 2009 ca. 6,6 Mio. Erkrankte. Nach aktuellen Prognosen seriöser Wissenschaftler wird sich die Zahl der Diabetiker in Deutschland bis 2020 mehr als verdoppeln. Schon gibt es adipöse Fünfjährige, die an Zucker erkranken. Auslöser für diesen Typ der chronischen Zuckererkrankung ist  die ungesunde Lebensweise. Übergewicht, verursacht durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: mit Fettleibigkeit und Bewegungsmangel provozieren Jahr für Jahr Millionen Deutsche den Ausbruch der chronischen Erkrankung. Ein Zurück auf Start gibt es dann nicht. Wohl, bei radikaler Lebensstiländerung, ein gutes Auskommen mit dem Zucker – manchmal sogar ohne Medikamente. Warum ich mich so aufrege? Das ist rasch erklärt. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist in Wahrheit ein Krankheitssystem. Alle im System verdienen am Kranken, nicht am Gesunden. Wie kann das sein, Herr Dr. Rösler?

Wer in der GOÄ, der Gebührenordnung für Ärzte, nach Honorierungsmöglichkeiten sucht, die nicht das Finden oder Behandeln einer Krankheit (oder eines Leidens) belohnen, hat Pech! Kein Arzt verdient daran, wenn er seinem Patienten Bewegung, Ernährung mit „Lebens-Mitteln“ oder Hilfestellungen für einen bewussten Lebensstil verschreibt. Prävention wird den Ärzten nicht honoriert. Mithin findet sie in deutschen Kliniken und Praxen auch nicht statt. Oder kennt jemand von Ihnen einen Arzt, der etwa ein wöchentliches Bewegungsprogramm verschrieben hätte?

Herr Rösler, Sie sind am Zuge. Bevor ich mir die Milchmädchenrechnungen, etwa von Rauchern, anhören muss, die geringere Lebenserwartung sei doch Ausgleich (persönlicher Beitrag) genug für höhere Behandlungskosten bis zum Exitus, plädiere ich doch für einen Systemwechsel. Jetzt!

Der hat gut reden, denken Sie vielleicht. Klar, wenn ich mir die vorliegende Ausgabe anschaue, das wunderschöne Special Deutschlands Schönste Wanderwege, den Pocketguide mit 12 Tourentipps zum Wandern auf hessischen Prädikatswanderwegen, das Titelthema Winter und Winterfluchten – Bewegung kann so erlebnisreich sein, so viel Freude spenden. Freude hatten auch über 10.000 Menschen, die sich die kostenlose iPad-App des Wandermagazins aus dem Apple iTunes-Store gezogen haben. Eine neue Magazin-Dimension mit bewegtem Bild und Tönen. Elegant streichen die Zeigefinger über den Bildschirm. Die Artikel hängen wie Kleidungsstücke an der Wäscheleine. Nur nicht zum Trocknen, sondern zum Antippen. Coole Sache!

Wie wäre es mit Pilgern? Es muss ja nicht immer einer der Jakobswege sein. Lesen Sie unbedingt auch, was Natalie Glatter in Nepal beim Trekking erlebt hat. Wandern im Val d‘Aran in den spanischen Pyrenäen. Wandern auf Ibiza, mit Manuel Andrack auf den Feldberg im Schwarzwald oder mit Konrad Lechner die Brandenberger Alpen überqueren – jeder Tipp ein echter Kalorienkiller und hochkarätiger Appetitanreger. Wir haben Rucksäcke getestet, wir beschäftigen uns mit Tee, Homöopathie, Geocaching, Natur in der Wohnung und mit der Langlebigkeit von Outdoorprodukten.

Nutzen Sie den Jahreswechsel zum Innehalten, zum Auftanken – viel Spaß und Freude am Leben.

Ihr Michael Sänger
Chefredaktion Wandermagazin



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Ausgabe 156

Januar/Februar 2011