© Klaus-Peter Kappest

Ibiza: Ein mediterranes Naturparadies

Ausgabe 156 – Januar/Februar 2011

Spanien

Ein silbrigblauer Schleier überzieht das Meer vor der Küste Ibizas am frühen Morgen. Noch liegen die feinen Sandstrände im kühlen Licht der ersten Sonnenstrahlen und schimmern in sanften Pastelltönen. In den Cafés der Hauptstadt beginnen die Kaffeemaschin

Online-Plus

Hier geht's zum Beitrag „Ibiza – ein mediterranes Naturparadies“ im blätterbaren Flashmagazin WM-Live 156

Im Norden Ibizas wird noch immer Landwirtschaft nach traditioneller Art betrieben. Das intensive Rot der eisenhaltigen Erde kontrastiert mit dem Blau des Himmels und dem Immergrün der Kiefernwälder. Unberührt von Kunstdünger und Giftspritze tragen hier die Felder  ihre Früchte. Um den Boden fruchtbar zu halten, lassen die Bauern ihn immer wieder brach liegen. Vor allem im Frühling bereiten sie damit den Besuchern der Insel eine besondere Freude, denn dann verwandeln sich diese Gebiete in ein Meer aus Wildblumen in allen nur erdenklichen leuchtenden Farben.

Von Nord nach Süd

Ibizas Norden, dessen Zentrum die kleine Gemeinde Sant Joan bildet, ist ein wahres Paradies für Naturliebhaber. Die sanften Hügel sind überzogen mit Feldern und ausgedehnten Wäldern, einzelne Badebuchten schmiegen sich in eine schroffe Felslandschaft am Meer.

Wildromantisch präsentiert sich das Gebiet um die Felsennase von s’Àguila mit seinen fantastischen Ausblicken über die bizarr geformte Küste. Die kreisrunde, nahezu abgeschlossene Steinbucht Es Portitxol mit den typischen Bootsgaragen liegt so versteckt, dass man dort selbst im Hochsommer nur auf wenige Menschen trifft.

Von hier aus führt ein Wanderweg entlang der Küstenlinie zum Leuchtturm „Faro de Moscaster“. Das Rauschen des Meeres und das sirrende Geräusch des Windes an den exponierten Punkten des Küstenweges bilden die musikalische Kulisse der Wanderung. In die Nase steigt eine mediterrane Duftmischung aus salziger Meeresbrise, dem Geruch der Sonne auf staubiger Erde und dem kaum wahrnehmbaren Aroma der Kiefernnadeln.

Auch die traditionelle Architektur Ibizas ist im Norden der Insel noch lebendig. Im Dorf Balàfia zum Beispiel findet sich eine Festung aus fünf Bauernhäusern, die von zwei Wehrtürmen flankiert ist – ein Relikt der bewegten Geschichte der Insel, die immer wieder von Piraten angegriffen wurde. Da die Häuser bis heute bewohnt sind, lassen sich die Innenräume nicht besichtigen, dafür bietet sich die Gelegenheit zu einem Spaziergang durch Obst- und Getreidefelder.

Ein weiterer Höhepunkt im Norden der Insel ist die Höhle Cova de Can Marça, in der Nähe des belebten Küstenstädtchens San Miquel. Sie setzt sich aus mehreren natürlichen Grotten zusammen, welche durch Meereserosion entstanden sind. Hier wurden Fossilien  prähistorischer Tiere gefunden, darüber hinaus beeindrucken Stalaktitenformationen und ein 20 Meter hoher Wasserfall.

Doch nicht nur der Norden der Insel begeistert den Besucher mit seinen Naturschönheiten. Die Landschaft vom Süden Ibizas bis zum Norden Formenteras steht als Heimat zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten unter besonderem Schutz. „Ses Salines“, „Die Salinen“, heißt der Naturpark, dessen flache Marschen schon von den frühen karthagischen Siedlern zur Gewinnung von Salz genutzt wurden. Neben den eigentlichen Salzfeldern sind auch die Dünengürtel, Strände und Steilküsten sowie das Meer samt den kleinen Inseln zwischen Ibiza und Formentera Teil des über 11.000 Hektar großen Parks.

Vor allem zwischen Frühjahr und Herbst finden hier zahlreiche selten gewordene Vögel ihre Rast- und Brutstätte. Flamingos, Fischadler, Kormorane, Reiher und Stelzenläufer besiedeln dann ein Naturparadies, das 500 verschiedene Pflanzenarten beherbergt. Die faszinierende Unterwasserwelt des Parks wird (unter anderem) von Oktopussen, Barrakudas, Delfinen und Meeresschildkröten bevölkert.

Natur hautnah

Im Südwesten der Insel liegt das Naturschutzgebiet von Cala d‘Hort, es Vedranell und den Islotes de Poniente. Hier lockt Ibiza mit Felseninseln im türkisblauen Meer, mit Stränden, Felsküste, Wäldern, Wildbächen und Bergmassiven von bezaubernder Schönheit.

Unvergesslich bleibt ein Streifzug durch das Naturschutzgebiet, der sich bis zur Abenddämmerung ausdehnt: im Licht der untergehenden Sonne erhebt sich die mythische Felseninsel es Verdrá wie ein Urgeschöpf des Meeres zwischen den Wellen und der Wind wispert unwahrscheinliche Geschichten und vergessene Legenden.

Hoch hinauf

Last but not least ist der Inselsüden auch Sitz des „höchsten Berges“ von Ibiza, dem 475 Meter hohen „Talaia de Stant Josep“. Zu seinem Gipfel führt ein reizvoller Wanderweg auf kleinen Pfaden durch Kiefernwald und Macchia, bei dem sich immer wieder schöne Aussichten auf die Südküste bieten. Oben angekommen, belohnt ein weiter Panoramablick, der fast die gesamte Insel umfasst. Scharfe Kontraste prägen den Westen Ibizas.

Die touristische Metropole Sant Antoni wird Naturfreunde weniger reizen als die ländliche Stille, die nur wenige Kilometer entfernt beginnt. Dennoch sollte man zumindest dem berühmten Café del Mar einmal einen Besuch abstatten, auch wenn man sich ansonsten dieses Inselabschnitts lieber wandernd annehmen möchte.

Cala Salada heißt eine der schönsten Buchten nördlich von Sant Antoni, die tief in die Felsküste eingeschnitten, von türkisfarbenem Wasser und grünem Kiefernwald begrenzt wird. Sie ist Ausgangspunkt einer malerisch schönen Wanderung durch Wälder und weitgehend aufgegebenes Farmland. Markanter Wegpunkt ist die Grotte Cova de ses Fontanelles. Zwar sind die uralten Höhlenmalereien, die ihre Wände einst schmückten, mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen, dafür bietet sich in der Umgebung ein unvergleichliches Küstenpanorama.

Der Osten der Insel um Santa Eulària lockt mit einer Vielzahl von Stränden, mit bezaubernden Ortschaften und einsamen Feldern. Emblematisch für diese Region sind auch die Hippie-Märkte Las Dalias und Punta Arabí, die von Indiendevotionalien und Batiktüchern bis zu hochkarätigem Kunsthandwerk wirklich alles zu bieten haben. Unter Umständen bekommt man sogar den einen oder anderen „echten Hippie“ zu sehen.

Von Santa Eulària führt eine recht anstrengende, dafür aber auch reizvolle Wanderung durch die waldreiche Küstenlandschaft nach Cala Llonga. Nicht nur die herrlichen Ausblicke am Weg laden hier immer wieder zum Verweilen ein, sondern auch die Möglichkeit, durch einen kurzen Abstecher zu einer einsamen Bucht zu gelangen, die mit kristallklarem Wasser zu einem erfrischenden Bad lockt. ...


Weitere Informationen:

www.ibiza.travel

www.spain.info/de/

fincallorca IBIZA  – Fincas auf Ibiza


Weitere Reportagen zum Thema Internationales Wandern in diesem Heft:



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 156

Januar/Februar 2011