© Klaus-Peter Kappest

Editorial: Für jedes Fragezeichen gibt’s eine Zahl

Ausgabe 157 – März/April 2011

Know How

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir wussten es schon immer. Statistisch betrachtet lässt sich jede Absurdität belegen, jede Unschuld beteuern und jedes Fiasko vergrößern. Emnid hat im Auftrag des größten deutschen Reisekonzerns TUI ermittelt, dass 21% der

Ausgabe 157 (März/April 2011)
Ausgabe 157 (März/April 2011)

Ich frage mich nur, wo tummeln sich all die Wanderer eigentlich? Ich bin nun ausweislich meines Berufes ein beredter Augenzeuge des Geschehens da draußen in Feld und Busch. Wo sind all die Millionen bekennenden Wanderer? Okay,  die Wanderparkplätze sind gut besetzt, die Wanderhütten gut besucht. Aber dazwischen? Warum treffe ich so selten andere Wanderer? Ich bin weder nächtens noch übermäßig häufig abseits markierter Wege unterwegs. Gut, den einen oder anderen Wanderstau (ja, die gibt es!) habe ich auch erlebt, aber da herrschten nun wirklich Ausnahmebedingungen (schönstes Herbstwetter und Sonntag).

Darf ich provokant sein? Vielleicht gibt es die 40 Millionen gar nicht. Vielleicht hat es sie nie gegeben. Da die Wissenschaftler des für die Grundlagenstudie federführenden Europäischen Tourismusinstituts jeden selbst ernannten Fußgänger mit Außenaktivitäten von mehr als einer Stunde als Wanderer definieren, kommen mir leichte Zweifel. Ich höre schon die Kritiker rufen: „Die Menge verteilt sich im Gelände!“ Andere werden sagen: „Die Zahlen lügen nicht!“ Mag sein. Warum aber herrschte in den meisten Wanderhotels deutscher Mittelgebirge 2010 verdächtige Ruhe? Warum sinken seit Jahren die Auflagenzahlen für Wanderführer und Wanderkarten? Wirklich nur wegen der Substitution im Web? Warum feiern Touristiker Buchungszahlen von 30 oder 50 Wanderpauschalen im Jahr bereits als Erfolg?

Doch – für jedes Fragezeichen gibt’s eine Zahl. Der bayerische Wanderschuster Meindl aus Kirchanschöring verkauft jährlich mehrere 100.000 Paar Wanderschuhe. Irgendwer muss die Schuhe ja schließlich tragen! Aber wann und wo? Auf dem Weg zur Arbeit, beim Erlebniseinkauf vielleicht? Sicher, aber nicht nur! So ist es mit Statistiken eben. Subjektive Wahrnehmung und objektives Zahlenmaterial passen selten zusammen. Derweil freut sich das Wandermagazin auf den 27. Jahrgang – Beständigkeit, die zählt!

Und hier die Ausrufezeichen: In diesem Heft geht es um die kleinen Schwestern der großen und schönen Schweiz. Wir betören Sie mit Traufgängereien, entführen auf die Karibikinsel Guadeloupe und tippeln mit Manuel Andrack durch Paris. Ein Besuch im Stammland des Blaufränkisch – ein unendlich feiner und edler Rotwein aus dem Mittelburgenland im Osten Österreichs. Kulinarische Ziele im Schwarzwald, an der Nahe, im Frankenwald in Harz und Kurpfalz. Lamatrekking gefällig? Den „Spechtswald“ (Spessart) präsentieren wir gänzlich frei von Räuberbanden – Wandern pur! Heilklimawandern im Tölzer Land, der Saargau mit neuen Touren, Hollands Süden als Tourenparadies und der Praxistest von GPS-Geräten, Leben im Gleichgewicht und tolle Tourenideen aus den katalanischen Pyrenäen. Dazu Futter für Ihren Tourenfrühling: elf Regionen und 25 Tourenideen. Viel Freude!

Ihr Michael Sänger,
Chefredaktion Wandermagazin



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März/April 2011