© Klaus-Peter Kappest

Nur nichts wegschmeißen: Recycelte Produkte

Ausgabe 157 – März/April 2011

Know How

Es gibt keinen Müll, sondern nur Rohstoffe. Wissenschaftler prognostizieren, dass wir in 30 Jahren anfangen werden, die Mülldeponien auszugraben, um an Polyester und Polyamid heranzukommen. Bei „Seltenen Erden“ ist es das bereits Realitität. Schon heut

Foto: iStock/Rob Hill
Foto: iStock/Rob Hill

Die Ausreden der Recycling-Schlafmützen und Nachhaltigkeits-Ignoranten sind immer die gleichen: „Wir würden ja gerne Recyclingmaterialien nutzen, als Hersteller von Premium-Outdoorprodukten geht das aber nicht, weil unsere Untersuchungen ergaben, dass die Qualität der Recyclingstoffe den Leistungsdaten neuer Stoffe nicht entspricht.“ Meist wird dann noch erwähnt, dass ja gar nicht geklärt sei, ob das eine Energieersparnis oder Schadstoffreduktion mit sich bringe. Ihre langlebigen Produkte seien viel ökologischer. Meine Meinung? Faule Ausreden!

Der führende Fleecehersteller Polartec, der mindestens so viel Renommee zu verlieren hat wie manch selbst ernannter Marktführer oder State-of-the-Art-Hersteller, sagt von seinen Recyclingfleecestoffen, dass sie in Nichts hinter der Qualität und Funktionalität der Neupolyesterfleece stehen. Auch der japanische Hersteller von Rucksackmaterialien, Teijin, auch kein ungeschriebenes Blatt, was hochwertige Funktionsstoffe angeht, stellt seine Recyclingstoffe auf eine Stufe mit den nicht recycelten Ressourcen.

Und selbst angenommen, die Lebensdauer von Recycling-Produkten sei wirklich geringer: Ist es angesichts knapper werdenden Rohstoffe sinnvoller, ein Fleece aus Rohöl herzustellen, das theoretisch zehn Jahre hält und dann verbrannt wird oder in eine Deponie kommt, statt ein Fleece aus recyceltem PET herzustellen, das – ebenso theoretisch – sieben Jahre hält, um danach wieder zu einem neuen Fleece aus PET zu werden?

„Ja, aber die Transportwege...“, wird dann noch verzweifelt eingeworfen. Eine Milchmädchenrechnung, weil man zwar voraussetzt, dass PET-Flaschen gesammelt und transportiert werden müssen, aber vergisst, dass auch die neuen Rohstoffe zu den Produktionsstätten transportiert werden müssen und es obendrein einen blühenden Mülltourismus von Europa nach Ostafrika oder Südostasien gibt.

Recycling macht Sinn

Als Jürgen Trittin als Bundesumweltminister das Pfand für PET und Aluminium einführte, sah die Getränkeindustrie das Ende der Welt nahen. Weit gefehlt. Zum einen verdient die Industrie am Pfandsystem, weil sie sich ihre Verpackung teilweise bezahlen lassen kann, indem diese nicht zu 100% wieder zurückkommt, zum anderen bekommt das Pfandsystem Bestnoten aus dem Ausland. Vorbildlich und zeitgemäß sei es. Fremdes Lob und positive eigene Erfahrung genug, um die vielen Ausnahmen endlich abschaffen zu können.

Alles andere als verfilzt

Fischernetze. Foto: Archiv Wandermagazin
Fischernetze. Foto: Archiv Wandermagazin

Internationalen Schätzungen zufolge landen jedes Jahr weltweit über 21 Milliarden Plastikflaschen auf Mülldeponien. Aus etwa 27 PET-Flaschen lassen sich ca. 500 Gramm recyceltes Garn herstellen. Damit könnten PET-Flaschen zu einem richtigen Rohstoff werden. Vertreter der Outdoorindustrie setzen recyceltes PET bereits bei Rucksäcken, Taschen, Accessoires, Shirts, Hemden, Hosen, Fleece, Bauschvlies und Oberstoffen für Jacken oder Schlafsäcken ein.

Durch das Recyclingfleece-Programm bei Polartec wurde 2009 der CO2-Ausstoß in der Produktion um 17.236 Tonnen reduziert. Der Anteil der recycelten Stoffe bei Polartec stieg innerhalb von vier Jahren von einem Prozent auf 30% im Jahr 2010 – Tendenz weiter steigend. ...


Den kompletten Beitrag mit einer Produktübersicht „Recycelte Wanderausrüstung“ können Sie hier kostenlos als PDF (465,03 KB) downloaden.



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Ausgabe 157

März/April 2011