© Klaus Hurtienne

Auvergne: Wandern in allen Varianten

Ausgabe 158 – Mai/Juni 2011

Frankreich

In der Auvergne trifft man auf weite ursprüngliche Landstriche und heimatverbundene Menschen, für die das Wort Gastfreundschaft noch Bedeutung hat. Dazu bietet die zentralfranzösische Region eine Natur, die wie geschaffen ist um sie auf Schusters Rappen,

Schlafende Vulkane soweit das Auge reicht. Foto: CRDTA/ FROBERT David
Schlafende Vulkane soweit das Auge reicht

In der Auvergne schlägt der warme Puls von Frankreich. Unter grünen Vulkankegeln ist das brodelnde Herz der Erde nicht weit. Allerdings beschränken sich die Landschaften dieser Region nicht nur auf die seit rund 6.000 Jahren erloschene Vulkankette.

In den insgesamt vier Departements der Region erstrecken sich weite Naturgebiete in unterschiedlichen Höhenlagen, darunter die beiden regionalen Naturparks PNR Volcans d‘Auvergne und PNR Livradois Forez.

Die Gipfel des Zentralmassivs, der grüne Mittelpunkt von Frankreich, erreichen Höhen von knapp 1.900 m. Doch neben den vielfältigen, landschaftlichen Reizen zeichnet sich die Auvergne durch ihre warmherzigen Bewohner aus, denen der bekannte französische Chansonnier Georges Brassens mit seinem Lied „L‘Auvergnat“ ein liebevolles Denkmal setzte.

Dank der unterschiedlichen Landstriche ist diese Region für alle Arten von Wanderungen geeignet. Ob zu Fuß, per Rad oder hoch zu Ross, ob gemütliche Wanderung oder sportliche Tour, die Naturerlebnisse und die Begegnungen mit den Menschen der Auvergne sind immer bereichernd.

Ob hier der Froschprinz wohnt? Wasserbecken im Wald. Foto: CRDTA/ DAMASE Joel
Ob hier der Froschprinz wohnt? Wasserbecken im Wald

Die sowohl über das Autobahnnetz als auch per Bahn oder Flug gut erreichbare Region wird von insgesamt elf Fernwanderwegen (GR) durchquert. Der wohl bekannteste ist der GR 441, der in zwei Tagen die Vulkankette „Chaine des Puys“ umrundet oder in Verbindung mit dem GR 30 eine zweitägige Seenwanderung ermöglicht.

Das Angebot an Rundwanderwegen und Wandertouren ist umfangreich. Für Radtouristen sind außer den gekennzeichneten Radstrecken und den Radwegen (Voies Vertes), auch die verkehrsarmen Nebenstraßen der ländlichen Gebiete ideal für abwechslungsreiche Touren.

Für Kanufahrer ist der Allier, einer der noch ursprünglichsten Flüsse in Europa, ein beliebtes Revier. Die Auvergne gilt seit Jahrzehnten auch als ein Reiterland, vorwiegend aufgrund den weiten Landstriche, in denen dem höchsten Glück auf dem Rücken der Pferde kaum Grenzen gesetzt sind.

Wanderland Auvergne von Nord nach Süd

Eichenstämme für des Königs Flotte im Wald von Tronçais. Foto: CRDTA/ DAMASE Joel
Eichenstämme für des Königs Flotte im Wald von Tronçais

Das Departement Allier im Norden der Region wird von den breiten Flussauen des Allier, sanften Hügeln und ausgedehnten Laubwäldern geprägt. Das Vogelschutzgebiet am Allierufer beherbergt mit die größte Artenvielfalt in ganz Frankreich.

In dem von breiten Schneisen durchzogenen Waldgebiet von Tronçais wurden einige Eichen bereits zu Zeiten von König Louis XIV. gepflanzt. Auf der Burg von Bourbon l‘Archambault stand die Wiege des Bourbonen-Geschlechtes, das vom 16. Jh. bis zur Französischen Revolution die Könige Frankreichs stellte.

So verwundert es kaum, dass in diesem Departement unzählige weitere Adelssitze liegen. Die teilweise zu besichtigenden Schlösser und Herrenhäuser sind heute teilweise noch bewohnt und bieten immer wieder Gelegenheit, eine interessante, erholsame Pause einzulegen.

Einer der vielen Adelssitze im  Departement Allier: Schloss Avrilly. Foto: CRDTA/  DAMASE Joël
Einer der vielen Adelssitze im  Departement Allier: Schloss Avrilly

Im Ostteil der Auvergne erhebt sich im Departement Haute-Loire das Forez-Massiv. Die einstigen Almhütten, die mit Stroh gedeckten „Jasseries“, zeugen von einer bis vor wenigen Jahrzehnten noch intensiven Almwirtschaft. Doch nach wie vor grasen im Sommer Kühe auf den Hochweiden und liefern die Milch für den bekannten Blauschimmel-Käse „Fourme d‘Ambert“.

Die Hauptstadt des Departements, Le Puy-en-Velay, ist seit Jahrhunderten Ausgangspunkt der Via Podiensis, des bekanntesten Jakobswegs nach Compostela. Neben einem umfassenden Weitwandernetz gibt es zahlreiche Naturlehrpfade, die besonders für Familien ebenso lehrreiche wie amüsante Wanderstrecken darstellen.

Das Departement Puy-de-Dôme erhielt seinen Namen vom wohl bezeichnendsten Vulkankegel der Region, der weithin sichtbar die Hauptstadt der Auvergne, Clermont-Ferrand, überragt. Der 1.465 m hohe Berg gehört zu einer langen Kette, die sich durch die gesamte Region zieht.

An seinen Abhängen lässt sich die Geschichte der Vulkantätigkeit ebenso erkunden wie im nahe gelegenen Krater von Puy de Lemptegy und im benachbarten Museumspark Vulcania. Das schwarze oder rote Vulkangestein diente häufig als Baumaterial, prägt jedoch vielerorts auch das Landschaftsbild.

Im Süden der Region Auvergne liegt das Departement Cantal, wo auch der gleichnamige, kräftige Käse hergestellt wird. Ausgedehnte Esskastanienwälder bilden im südlichsten Teil einen lieblichen Kontrast zur Bergkette der Monts du Cantal mit bemerkenswerten Gipfeln wie Puy Mary (1.787 m), Puy Griou (1.694 m) und Plomb du Cantal (1.855 m).

Hier erstrecken sich stille, ländliche Gebiete. Auf den saftigen Weiden grasen die rotbraunen Salerskühe mit den typischen, gebogenen Hörnern. Von Trockenmauern gesäumte Pfade, dichte Wälder oder ehemalige Almauftriebe sind heute beliebte Wander- und Reitwanderstrecken. ...


Weitere Infos:

www.auvergne-tourismus.de
www.cantaltourisme.fr
www.cde-cantal.ffe.com
www.parc-volcans-auvergne.com
www.equitation-auvergne.com/fr/tourisme-equestre/



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 158

Mai/Juni 2011