© Klaus-Peter Kappest

Outdoor-Routing: Wie geht‘s in der Praxis?

Ausgabe 158 – Mai/Juni 2011

Know How

Die Wandermarkierungen haben wir schon längere Zeit nicht mehr gesehen. Etwas nervöse Blicke in den Augen der Mitwanderer. Kein Problem, wir holen das GPS-Gerät raus, schauen auf die Karte, entdecken den Zielort, tippen mit dem Finger darauf, wählen „Wand

Automatisch durch die Wildnis? Einige GPS-Geräte bieten inzwischen die Streckenberechnung über Feld- und Waldwegenetze an
Automatisch durch die Wildnis? Einige GPS-Geräte bieten inzwischen die Streckenberech-nung über Feld- und Waldwegenetze an

Utopie? Nein, diesen Komfort bieten neue Outdoor-Navis wie das Falk Ibex 30  (siehe WM 157) tatsächlich. Es wird mit einer vorinstallierten Deutschlandkarte geliefert, bei dem auch das „Routing“ möglich ist – also die automatische Berechnung von A nach B, unterwegs, auf der Tour – und zwar nicht nur auf Straßen wie bei den Kfz-Navis, sondern auch auf dem gesamten Feld- und Waldwegenetz. Auch das MyNav 500 Sport , das Xplova G5 sowie die Garmin-Geräte mit der aktuellen „Topo Deutschland 2010“ besitzen voll routingfähige Outdoor-Karten. Für die neue Magellan eXplorist-Serie befinden sich Topo-Karten in Vorbereitung.

Bei unseren Wanderungen zeigten sich aber auch Grenzen der neuen Technologie – und vor allem der damit verbundenen digitalen Karten. Das Positive: die GPS-Präzision fast aller neueren, von uns getesteten Geräte ist gut bis sehr gut, auch unter widrigen Umständen. Im Wald und Gebirge zeigen die Geräte die eigene Position auf wenige Meter genau an und zeichnen die Strecke sehr genau auf; auch die Höhenangaben sind einigermaßen verlässlich. Für das Routing allerdings fehlt es den digitalen Karten offensichtlich noch an Inhalten: Während das Wegenetz zwar fast vollständig und auch relativ genau enthalten ist, mangelt es noch an der Differenzierung der Wegoberflächen (asphaltiert – nicht asphaltiert) und am Verlauf der beschilderten Strecken, vor allem im lokalen und regionalen Bereich. Es stellt sich auch die Frage, wer diese Daten künftig einpflegen sollte.

Alle Navis führten uns zum Ziel, aber die Wegewahl war zuweilen abenteuerlich und leitete uns über breite Forststraßen wie Ackerraine, mal standen wir vor Privatwegen, zuweilen gab es den Weg auch gar nicht mehr. Immer deutlicher wurde dabei, dass es keine flächendeckende Aktualisierung mehr im Gelände gibt. Bei Garmins sehr präziser und anschaulicher „Topo Deutschland“ und auch beim MyNav 500 wurde zu Beginn häufig eine relativ umwegige Strecke vorgeschlagen. Was aber immer half, war der Vergleich mit einer örtlichen Wanderkarte: Wenn die vorgeschlagene Strecke allzu merkwürdig erschien, konnte man Zwischenziele setzen und damit die Strecke verändern. Beim Abweichen von der geplanten Strecke brauchte das Garmin relativ viel Abstand, um eine neue Strecke zu berechnen. Von der intuitiven Bedienung, der Streckenberechnung und dem Gesamtkomfort gefiel uns das Falk Ibex am besten. Für dieses Gerät sollte man allerdings auf jeden Fall einen Ersatzakku mitführen. Ob man im Wald Sprachführung braucht (welche die Garmin-Outdoor-Navis nicht bieten), sollte jeder selbst entscheiden.

Wer ausgeschilderte Wanderwege sicher nachvollziehen möchte, greift  besser auf die Eingabe fertiger GPS-Daten (zum Beispiel aus Tourenportalen) zurück oder entwirft diese Strecken selbst am PC mithilfe von Programmen wie MagicMaps oder Touratech QV. Alle GPS-Geräte können diese Daten importieren, mal einfacher, mal etwas komplizierter.
Unser Fazit: Wer sich in die – nach wie vor gewöhnungsbedürftige Bedienung – einmal eingearbeitet hat und etwas wegetolerant ist, wird an den neuen Navis viel Freude haben.


Nützliche Links:

www.falk-navigation.de
www.garmin.de
www.xplova.com/de
www.mynav.de
www.magellangps.com


Neu: Magellan eXplorist-Serie

Magellans neue Outdoor-GPS-Geräte eXplorist 510, 610 und 710 sind nun im Handel erhältlich. Jedes Modell verfügt über einen 3-Zoll-Farb-Touchscreen sowie über eine 3,2-Megapixel-Kamera mit Autofokus, Mikrofon und Lautsprecher. Fotos, Videos und Audio-Kommentare können so unterwegs aufgenommen werden – der dazugehörige Ort wird gespeichert. Das vorinstallierte Kartenmaterial enthält die vollständigen Straßennetze der USA, Kanadas, Westeuropas und Australiens. Zusätzliche topographische Outdoor-Karten befinden sich in Vorbereitung. Die Modelle 610 und 710 sind mit einem dreiachsigen elektronischen Kompass und einem barometrischen Höhenmesser ausgestattet, das 710 enthält ein vollständiges Straßenrouting. Besonders für Geocacher sind zahlreiche Funktionen vorhanden, eine 30-Tage-Mitgliedschaft bei www.geocaching.com ist im Preis inbegriffen. Empfohlene Preise: „eXplorist 510“ 349 Euro, „610“ 449 Euro, „710“ 549 Euro. www.magellangps.com


Viewranger: Mobile Tourenplanung auf dem iPhone

Mit der App „ViewRanger Open Maps“ (2,99 Euro) kann man sich unterwegs kostenlose Karten wie OpenStreetMap auf den Bildschirm holen. Damit ist zwar kein automatisches Routing möglich, aber in den freien Karten sind inzwischen eine Menge Wanderstrecken verzeichnet.  Mit ViewRanger kann man sie auf dem iPhone nachzeichnen, diesen Entwurf speichern und sich dann führen lassen. Auch die OpenCycleMap-Karten können online angeschaut und dann gespeichert werden, um sie auf einer Tour offline zu nutzen. Dafür ist keine Datenverbindung erforderlich. Externe Touren sind als GPX-Datei importierbar. Mit der ViewRanger-Premiumversion (19,99 Euro) erhält man zusätzlich ein Guthaben, mit dem man amtliche topographische Karten (wie die BKG 1:25.000er) kaufen und auf dem iPhone speichern kann. Damit wird jederzeit gebührenfrei eine präzise Karte angezeigt – und per GPS natürlich auch der genaue Standort darauf. www.viewranger.com


Neue Alpenvereinskarten für das Satmap Active 10

In der neuen Version 2 wurden die Alpenvereinskarten für das Active 10 überarbeitet und erweitert. Je nach Kartenblatt bieten sie jetzt eine höhere Auflösung und eine noch genauere Georeferenzierung. Zusätzlich gibt es 22 neue Kartenblätter, darunter 9 österreichische (inkl. Kitzbüheler Alpen und Niedere Tauern) sowie 13 bayerische Karten (mit Mangfallgebirge und Chiemgauer Alpen). Zusammen sind 56 Gebiete gespeichert (Auflösung 1:25.000 bzw. 1:50.000). Wie in der ersten Version zeigen die Karten Zusatzinfos wie Alpenvereins-, Schutzhütten oder andere Unterkünfte, Wege und Schutzgebiete. Weiterhin befindet sich Gesamt-Österreich im Maßstab 1:200.000 auf der Karte. Die neue Karte gibt es für 129,90 Euro (DAV-Mitglieder 99,90 Euro). Ein Update der ersten Version bei ausgewählten Händlern oder beim DAV: 29,95 Euro. www.satmap.co.uk oder www.alpenverein.de


MagicMaps bringt Topo-Karten auf GPS-Geräte

Amtliche topographische Karten können mit Lösungen des Outdoor-Spezialisten MagicMaps auf immer mehr GPS-Geräte übertragen werden. Das Update 5.03 der MagicMaps-Software „Tour Explorer“ ermöglicht dies u.a. für die neueren Garmin-Serien Oregon, Dakota, Map62, die MyNav 500/600-Geräte, das VDO GP7, Falk Ibex, Xplova G5 sowie die Kfz-Navis von Becker und Falk. Während die Garmin-Geräte für den Rasterkarten-Import begrenzt sind (je nach Maßstab auf 50 x 50 km), zeigt sich das Falk Ibex besonders flexibel, denn es kann auch mehrere größere Gebiete aus den MagicMaps-Karten importieren. Besonders brillant erscheinen die Karten auf den Bildschirmen der MyNav/VDO-Geräte. Das Schöne daran, der Export aus dem Tour Explorer-Programm ist denkbar einfach: Gerät anschließen, Kartenausschnitt markieren und übertragen. www.magicmaps.de



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