© Klaus-Peter Kappest

Der Fläming: Newcomer in Sachen Wandern

Ausgabe 159 – Juli/August 2011

Deutschland

Wo ist eigentlich der Fläming? Die Frage wird häufig gestellt, wenn man von dieser Region spricht, die insbesondere für Wanderer noch ein echter Newcomer ist. Südwestlich von Berlin, genau in der Mitte zwischen Elbe, Havel und Spree wölbt sich der Höhenzu

Sanfte Hügel, überzogen von Wäldern, Wiesen und leuchtend gelben Rapsfeldern, prägen das Gesicht des Flämings. Er ist 100 km lang, 50 km breit, im Hohen Fläming 200 m hoch, im Niederen Fläming 178 m – keine wirklichen Berge und dennoch ein abwechslungsreiches Relief für ausgedehnte Wandertouren. Stress, Lärm, Hektik? Fehlanzeige!

Danke, liebe Eiszeit

Landidyll am  Burgenwanderweg –  Gutspark Dahlen.  Foto: Wittig
Landidyll am  Burgenwander-weg –  Gutspark Dahlen

Während der letzten Eiszeiten bedeckten die gigantischen Eismassen aus Skandinavien das Land zwischen Berlin, Potsdam, Magdeburg, der Lutherstadt Wittenberg und Dahme in der Mark. Die mehr als 140.000 Jahre alten Höhen des Flämings gehören zu den Altmoränen der Saalevereisung. Während der weiter nördlich gelegene Teil Brandenburgs in der jüngeren Weichseleiszeit ein weiteres Mal von Eis bedeckt wurde, blieb der Hohe Fläming eisfrei.

Die Niederungen der Belziger Landschaftswiesen verdanken ihre Entstehung den Schmelzwässern der Weichselgletscher und sind damit bereits Teil der Jungmoränen-Landschaft. Das Eis ist schon lange geschmolzen. Geblieben sind sanft geschwungene Berge, wie der 200 m hohe Hagelberg, kilometerlange, wildromantische Trockentäler, die hier Rummeln heißen, und die Flüsschen Nuthe und Nieplitz mit herrlichen Schleifen und einer blau glitzernden Seenlandschaft. Zum Wandern wie geschaffen!

Naturerlebnis vom Feinsten

„Unter Kiefern“ –   Installation Nr. 8 am  Kunstwanderweg. Foto: Wittig
 „Unter Kiefern“ –   Installation Nr. 8 am  Kunstwanderweg

Mit den Naturparken Hoher Fläming und Nuthe-Nieplitz in Brandenburg und dem Naturpark Fläming in Sachsen-Anhalt haben drei Großschutzgebiete Anteil an dem wandernswerten Höhenzug. Eine Vielzahl besonders geschützter Gebiete – von der Gesamtfläche des Naturparks Hoher Fläming sind über 90 Prozent als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen – sorgen für den Erhalt seltener Pflanzen und Tierarten.

An einigen Stellen wächst noch der ursprüngliche Buchenwald. Besonders beeindruckend sind die Rummeln. Diese eiszeitlichen Ablaufrinnen ziehen sich fast schluchtenartig durch das sonst so sanfte Relief. Sechs bis zwölf Meter tief sind sie eingekerbt und bis zu drei Kilometer lang. Botanisch betrachtet sind es faszinierende Biotope für Pflanzen und Tiere.

Als angenehmer „Nebeneffekt” für Wanderer finden sich hier herrliche Naturlandschaften ohne Verkehrslärm. Stattdessen gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Tierbeobachtungen und Naturerlebnisse. Die Naturparke bieten ein tolles Programm für alle Altersgruppen und Interessenschwerpunkte an (www.naturpark-flaeming.de, www.flaeming.net und www.naturpark-nuthe-nieplitz.de). Wer lieber auf eigene Faust unterwegs ist, findet ein dichtes Netz an Themenwegen und Lehrpfaden – Langeweile ausgeschlossen!

Von Rittern und Schlossherren

Im Schlosspark Wiesenburg. Foto: Metzler
Im Schlosspark Wiesenburg

Jahrhundertelang stellte der Fläming den Grenzwall zwischen Slawen und Deutschen dar. So entwickelte sich im Lauf der Zeit eine Verteidigungslinie aus Burgen, wehrhaften Dörfern und mauerbewehrten Städten. Die bewegte Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen – zahlreiche Burgen, Schlösser und Herrenhäuser prägen als steinernes Erbe bis heute das Gesicht der Region.

Im Hohen Fläming kann Bad Belzig mit einer historischen Altstadt und der mittelalterlichen Burg Eisenhardt sowie der SteinTherme Bad Belzig in Form eines aufgeschnittenen Steins aufwarten, in Wiesenburg laden Schloss und Schlosspark zu einem Bummel ein. Die nahe gelegene Burg Rabenstein kann ebenfalls besichtigt werden. In der Spargelstadt Beelitz gibt es die Wunderblutkapelle und in Jüterbog im Niederen Fläming die Kirche St. Nikolai zu bestaunen.

Einen Höhepunkt stellt das ehemalige Zisterzienserkloster Zinna dar, dessen gotische Wandgemälde zu den schönsten in Deutschland zählen. Der dünn besiedelte Landstrich und insbesondere die Lutherstadt Wittenberg gelten als früher Ausgangspunkt der Reformation. Mittelalterliche Feldsteinkirchen prägen das Bild vieler Dörfer.  ...


Mit einem Tourentipp über den Internationalen Kunstwanderweg


Weitere Infos: www.reiseregion-flaeming.de



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Ausgabe 159

Juli/August 2011