© Klaus-Peter Kappest

Kamm drüber: Der Kammweg vom Erzgebirge ins Vogtland

Ausgabe 159 – Juli/August 2011

Deutschland

Ja, ja, ja! Kammwandern ist schön. Das wussten schon die Altvorderen. Der berühmte Blaue Kammweg machte es vor. Einmal quer über das Kammgebirge von Vogtland und Erzgebirge. Der qualitätsgeprüfte neue Kammweg Erzgebirge-Vogtland, sogar mit einem 26 km kur

Blick vom Auersberg (1.019 m) auf die Talsperre Sosa. Foto: TV Erzgebirge/BUR Werbung
Blick vom Auersberg (1.019 m) auf die Talsperre Sosa

Natürlich ist der Kammweg auch ein Themenweg. Ein Thema – was sage ich? Viele Themen macht der Weg, der über weite Strecken durch den Naturpark Erzgebirge/Vogtland verläuft, auf dramatische Weise erlebbar. Das Thema Grenzlage zum Beispiel. Seit Jahrhunderten markiert das Kammgebirge die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen. Die unglaubliche Bergbaugeschichte gehört dazu. Die Spuren des Bergbaus reichen bis ins Mittelalter. Orgelbau und Dichterkunst, Burgenstolz und Wetterfrosch – alles original und eindrucksvoll.

Schwibbögen und Wasserkanäle

Abkühlung im Steinbachtal. Foto: TV Erzgebirge/BUR Werbung
Abkühlung im Steinbachtal

Die silberne Vergangenheit des Erzgebirges ließ viele der kleinen Erzgebirgsorte erblühen, Freiberg war die historische Bergstadtmetropole mit ehrwürdiger technischer Universität und allen Insignien des Reichtums, der aus dem Boden kam. Spuren des Bergbaus, der Bewässerung, der Erzverarbeitung finden sich entlang des Kammweges in Hülle und Fülle. Im Vogtländischen kommt die Tradition des Musikinstrumentebaus hinzu. Auch heute noch wird im Musikwinkel um Klingenthal und Markneukirchen handwerklicher Instrumentebau gepflegt.

Weihnachtsland Erzgebirge

Bergmänner als  Räuchermann zum Leben erweckt – beim Drechsler Spephani in Olbernhau. Foto: TV Erzgebirge
Bergmänner als  Räuchermann zum Leben erweckt – beim Drechsler Spephani in Olbernhau

Gedrechseltes Holzspielzeug, die berühmten Nussknacker, die Räuchermännle, die kostbaren Weihnachtspyramiden – es ist kein Zufall, dass erzgebirgische Volkskunst seine Wurzeln im Bergbau hat. Einst als Nebenerwerb der Bergleute für die dunklen Tage gedacht, entfalteten die Menschen eine kaum vorstellbare Kreativität und handwerkliches Geschick. Das Spielzeugdorf Seiffen auf dem Erzgebirgskamm gilt weltweit als Symbol der handwerklichen Volkskunst. Klar, der Kammweg führt dorthin.

Salzsteige und Schmugglerpfade

Dampfbetriebene Schmalspurbahn zwischen Jöhstadt und Steinbach. Foto: TV Erzgebirge
Dampfbetriebene Schmalspur-bahn zwischen Jöhstadt und Steinbach

Grenzland war immer auch Schmuggler- und Transitland. Die Böhmischen Steige führten aus dem nach Norden langsam abfallenden Erzgebirge und seinen Wirtschaftszentren wie Zwickau, Chemitz, Gera, Glauchau oder Dresden hinauf auf den Kamm Richtung Böhmen. Mancherorts sind die Trassen der alten Salzsteige noch präsent. Der Kammweg schneidet sie alle, die alten Schmugglerpfade, die Sagenwege berüchtigter Räuber und die alten Handelswege.

Gipfel über Gipfel

Blick auf das Spielzeugdorf Seiffen und den Schwartenberg. Foto: TV Erzgebirge/E.Schalling
Blick auf das Spielzeugdorf Seiffen und den Schwartenberg

Einige der Gipfel, die der Kammweg ansteuert, quert und verlässt, sind vulkanischen Ursprungs. Typisch die Kontur des Hirtsteins bei Marienberg. Na klar, der Kammweg knackt die Tausendermarke. Auf die Spitze (1.215 m ) treibt es der Fichtelberg mit Wetterstation, weiter westlich lässt sich der Auersberg mit veritablen 1.019 m auch nicht lumpen.  Kahleberg oder Geisingberg im Osten mit überragender Flora – der neue Kammweg ist fordernd. Aber er ist gerecht. Die Belohnung, in Form von Aussichten der Kategorie „sagenhaft“, folgt stets auf dem Fuß.

Von Schöneck ein kleiner Ausflug ins Elstergebirge, das interessante Burgsteingebiet und schließlich zum Wanderdrehkreuz am Zusammenfluss von Selbitz und fränkischer Saale in Blankenstein. Von wegen Ende gut. Hier starten Rennsteig, Fränkischer Gebirgsweg und der Frankenweg. Der historische Blaue Kammweg, so ist in alten Karten zu lesen, begann auf dem Kamm des Thüringer Waldes. Na bitte!


Mit Tourentipp „Kammweg Erzgebirge“ (17 Etappen)


Weitere Infos:

www.tourismus-erzgebirge.de
www.wandern-vogtland.de
www.kammweg.de



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 159

Juli/August 2011