© Klaus-Peter Kappest

Auf heimlichen Wegen: Der Hugenottenweg im Département Drôme

Ausgabe 160 – September/Oktober 2011

Frankreich

Über Jahrhunderte wurden Reformierte in Frankreich als Ketzer verfolgt. Tausende Hugenotten wanderten aus. In die Schweiz, nach Deutschland. Ihr Weg ins Exil wird nun auf dem grenzüberschreitenden „Chemin de la Tolérance“ durch die Region Rhône-Alpes und

Am Fuße von Porte de Bary und Trois Becs auf idyllschem Weg zum Col de la Chaudière. Foto: Iris Kürschner
Am Fuße von Porte de Bary undTrois Becs auf idyllschem Weg zum Col de la Chaudière

Eine dunkle Gestalt huscht durch die Nacht. Treffpunkt ist ein Wäldchen oberhalb von Poet-Laval, ein kleines Nest in der nördlichen Drôme. Es ist der 27. März 1686. „Die Reise wird gefährlich sein. Frankreich zu verlassen ist uns verboten. Eine lebenslange Galeerenstrafe schwebt über unseren Köpfen.“ Frau und Kind muss der Hugenotte zurücklassen, weil das Töchterchen noch zu klein ist. In Genf will er Geld verdienen und seine Lieben nachkommen lassen. Er schafft es nach Genf. „Wir sind nicht die einzigen, die sich in Genf drängen. Die Flüchtlinge kommen jeden Monat zu mehreren Hunderten an, die meisten Franzosen, aber auch Italiener auf der Flucht aus dem Piemont.“ Ihm werden seine Papiere und die Kleidung gestohlen. So muss er auf der Suche nach Arbeit weiter nach Bern ziehen. Seine Familie hat er nie wieder gesehen.

Châtillon-en-Diois unter den Wandfluchten des Vercors ist ein Gewirr aus archaischen Gassen. Foto: Iris Kürschner
Châtillon-en-Diois unter den Wandfluchten des Vercors ist einGewirr aus archaischen Gassen

Ein Schicksal von vielen. Johannes Melsen hat es in seinem zweisprachigen Büchlein „Einmal einfach...die Geschichte einer komplizierten Reise“ auf Grundlage historischer Dokumente in Form eines Tagebuches nachgezeichnet. Melsen ist Koordinator der französischen Wegstrecke „Sur les pas des huguenots – Auf den Spuren der Hugenotten“, die von Poet-Laval durch die Drôme und weiter nach Genf führt. Aus seiner Idee, den Exilweg der Hugenotten durch die Drôme wieder lebendig zu machen, hat sich mittlerweile ein europäisches Gemeinschaftsprojekt entwickelt, ein grenzüberschreitender Kulturwanderweg, der auf
1.800 km bis ins deutsche Bad Karlshafen führt. Symbol ist eine blaue Scheibe mit weißer Figur. Sie erinnert an das „méreau“, eine geprägte Münze, die den Hugenotten als Erkennungszeichen diente zur Teilnahme an ihren geheimen Gottesdiensten. „Dank der Forschungen von Pierre Bolle, Professor an der Universität Grenoble, entspricht die Route ziemlich genau dem historischen Verlauf“, so Melsen.  ...


Infos zum Hugenottenweg in Frankreich:

www.drome-tourismus.com
www.rhonealpes-tourisme.com
www.surlespasdeshuguenots.eu



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Ausgabe 160

September/Oktober 2011