© Klaus-Peter Kappest

Der Boden-Geo-Pfad im Fläming: Wir stehen drauf!

Ausgabe 160 – September/Oktober 2011

Deutschland

Früher oder später kommt jeder Wanderer in den Fläming! Warum? Abwechslungsreiche Landschaft, jede Menge steinerne Zeitzeugen, eine wechselvolle Eiszeitgeschichte und herzliche, gastfreundliche Menschen.

Die Natur gewinnt ihr Territorium zurück. Foto: Preuß
Die Natur gewinnt ihr Territorium zurück

Sie wollen mehr? Die zahlreichen Wanderwege des Flämings ermöglichen viel Abwechslung und das Eintauchen in die verschiedenen Facetten und Besonderheiten der Region. Das Wegenetz wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut, optimiert und entspricht höchsten Qualitätsansprüchen. Dazu zählt die Infrastruktur: das sind unverlaufbare Markierung, informative Wegweisung und hochwertige Möblierung. Sie brauchen weitere Argumente? Okay, da wären die Seen, die Berge, die Flüsse, die Rummeln und der Abwechslungsreichtum des Flämings, der besonders auch auf den thematischen Wegen (z. B. der Burgen- oder Kunstwanderweg) für spannende Wanderabenteuer sorgt. Immer wieder stößt man auch auf geologische Phänomene, die dem Wanderer Aufschluss über die eiszeitliche Entstehung und die spannende Erdgeschichte des Flämings geben. Schließlich ist Wandern pure Geologie
per pedes – oder?

Einer dieser thematisch hoch spannenden Wanderwege ist der Boden-Geo-Pfad in der Luckenwalder Heide im Landkreis Teltow-Fläming. Er steht für abenteuerliches Wandervergnügen auf engen, naturnahen Pfaden und bietet gleichzeitig tiefgreifende Informationen zur Entstehung und Nutzung der umliegenden, vom Ton- und Gipsabbau geprägten Landschaft. Ganz ohne pädagogischen Zeigefinger und sehr anschaulich inszeniert führt die Tour auf dem 12 km langen Themenweg den Wanderer anhand von Infotafeln und Geo-Stationen in die Materie ein. Naturräumlich gehört die Ortschaft Sperenberg, Ausgangspunkt des Boden-Geo-Pfades, zur Luckenwalder Heide, eingebettet in den Naturraum Mittelbrandenburgische Platten und Niederungen.

Mal auf dem Boden bleiben

An manchen Stellen ragen Gipsfelsen aus  dem Boden. Foto: Preuß
An manchen Stellen ragen Gipsfelsen aus  dem Boden

Ohne Boden wäre das Leben in seinen vielfältigen Formen nicht möglich. Fruchtbare Böden, auf denen Pflanzenwachstum möglich ist, sind Grundlage für tierisches und menschliches Leben und das Produkt der Lebenstätigkeit einer arten- und individuenreichen Gemeinschaft von Bodenorganismen. Der Boden-Geo-Pfad beschäftigt sich auf  eindrucksvolle  Art und Weise mit dem geologischen Phänomen „Boden“. Er stellt ihn als lebenswichtiges Naturgut vor und informiert z.B. über die Entstehung und Nutzung der Sperenberger Gipsbrüche, die als Folge des Gipsabbaus entstanden, der vor ca. 700 Jahren begann.

Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine einmalige, vom Menschen geformte Landschaft, die heute mit ihren vielfältigen, kleinräumigen Strukturen seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bietet und Wanderer und Naturliebhaber zu Tagesausflügen einlädt. Die Gipsbrüche sind eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet „Baruther Urstromtal und Luckenwalder Heide”. Diese Fläminglandschaft zählt zu den interessantesten Jungmoränenlandschaften im norddeutschen Tiefland.

Das Ziel des Boden-Geo-Pfades besteht darin, durch die Vermittlung von bodenkundlichem und geologischem Wissen zu mehr Verständnis für den natürlichen Kreislauf und den achtsamen Umgang mit der begrenzten Ressource Boden zu fördern. Der Pfad will den Wert und die Wichtigkeit der Erhaltung dieses Naturgutes vermitteln. Zugleich wird auf die geologischen und regionalen Besonderheiten der Region eingegangen. Dabei bleibt der Wanderspaß natürlich nicht auf der Strecke: unterwegs warten jede Menge Natur und abwechslungsreiche Naturräume. Seen, Wälder und Felder wechseln einander ab, und wer will, kann sogar mit der Draisine anreisen. Das ist ganz sicher nicht nur für große und kleine Hobbygeologen spannend!

Steine und Wildnis

Die stillgelegten Gipsbrüche sind heute ein wertvolles Schutzgebiet für Pflanzen und Tiere. Foto: Preuß
Die stillgelegten Gipsbrüche sindheute ein wertvolles Schutz-gebiet für Pflanzen und Tiere

Mit den Naturparks Hoher Fläming und Nuthe-Nieplitz in Brandenburg und Fläming in Sachsen-Anhalt haben derzeit drei Großschutzgebiete Anteil an dem Höhenzug. Die Naturparks enthalten wiederum eine Vielzahl besonders geschützter Gebiete. So sind von der Gesamtfläche des Naturparks Hoher Fläming über 90 % als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Ebene und sanfte Hügel bieten gute Bedingungen zum Wandern, Rad fahren, Reiten und Nordic Walking. Über das gesamte Gebiet verteilt informieren zahlreiche thematische Lehr- und Naturerlebnispfade über die Besonderheiten von Geologie, Fauna und Flora.

In Sperenberg und seiner Umgebung sind viele, zum Teil einzigartige, geschützte Biotope und Landschaftsbestandteile mit einer einzigartigen Vegetation und Tierwelt und unterschiedlicher Schutzkategorie zu finden.

Der größte Teil des Boden-Geo-Pfades Teltow-Fläming verläuft im Bereich des Landschaftsschutzgebietes (LSG) „Baruther Tal/Luckenwalder Heide“. Der Bereich der Sperenberger Gipsbrüche ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Gleichzeitig ist der Boden-Geo-Pfad Bestandteil des geplanten Naturparks „Baruther Urstromtal“...


Mit Tourentipp: Boden-Geo-Pfad


Infos zur Region: www.reiseregion-flaeming.de, www.deutscher-wandertag-2012.de



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Ausgabe 160

September/Oktober 2011