© Klaus-Peter Kappest

Über sieben Berge: Eine Überquerung des Spessarts

Ausgabe 160 – September/Oktober 2011

Deutschland

Wandern auf Schneewittchens Spuren? Interessiert? Okay, das geht so: Vom Bahnhof in Lohr tippelt man in die Altstadt mit schönen Fachwerkhäusern und dem Renaissancerathaus, das um 1600 erbaut wurde.

Von hier sind es nur wenige Meter zum ehemaligen Mainzer Schloss, in dem sich heute ein Museum befindet. Der kleine Abstecher ist angesichts der kurzen Etappe des ersten Tages besonders zu empfehlen. Das „Schneewittchenzimmer“ erinnert an eines der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm. Der Aufstieg aus der Stadt auf die Höhen des Spessarts macht übrigens deutlich, weshalb Schneewittchens schon etwas betagte Stiefmutter nicht folgen konnte.

Auf der Weikertswiese

Zunächst geht es an Grenzsteinen mit dem kurfürstlich-mainzerischen Wappen und der Jahreszahl von 1683 entlang. Schon damals war die Bedeutung des Hochspessarts für die klassische Landwirtschaft gering. Interessant war der Spessart jedoch als höchstbegehrtes fürstliches Jagdgebiet. So wurden die Grenzen auch genau gesetzt und überwacht. Die Weikertswiese ist mit 86 Hektar die größte unbewohnte Rodungsinsel im Spessart. Früher wurde sie von den Mainzer Kurfürsten zur Pferdezucht genutzt. Heute sind die ausgedehnten Wiesen mit vielen Sträuchern und kleinen Baumgruppen für Wanderer eine willkommene Abwechslung. Zehn Hektar sind als NSG ausgewiesen, da hier bedrohte Pflanzenarten und sogar mehrere Orchideenarten ein Rückzugsgebiet haben.

Auf der Heide blühn die letzten Rosen

Herbststimmung im Spessart. Foto: Tourismusverband Spessart-Mainland/Andreas Hub
Herbststimmung im Spessart

Es ist ein leuchtender Oktobertag, wir ziehen über die herrlichen Bergwiesen nach Neuhütten. Zahlreiche Malven mit ihren großen zartrosa Blüten stehen unmittelbar am Wegesrand. Ihre Form und Farbe ähnelt denen der Heckenrosen. Unwillkürlich denkt man an einem solchen Herbsttag daran, dass es immer wieder die Blumen sind, die den Wanderer vom zeitigen Frühling, durch die langen Sommertage hindurch bis in den Spätherbst begleiten.

Der Talgrund bei Heigenbrücken

Die Altstadt in Lohr. Foto: Dr. Konrad Lechner
Die Altstadt in Lohr

Dieses Fleckchen Erde ist Lebensraum für viele bedrohte Pflanzen und Tiere. Die aufgelassenen, verwilderten Talwiesen, darunter etwas Auwald, ein Bach und Wasserflächen sind die Lebensgrundlagen für den nachtaktiven Bieber und seltene Insekten. Ganz unmerklich nähert man sich dabei Heigenbrücken, dessen Ortsmitte wir nach nur kurzer Nutzung einer Straße erreichen. Hier erwartet den Wanderer ein gemütliches Gasthaus zur Einkehr und Übernachtung, so dass der erste Wandertag alles bietet, was man in unseren Waldgebirgen erwarten darf. Tipp: Heigenbrücken hat einen Bahnhof!

Unser nächstes Ziel: das kleine Jakobsthal, eine Rodungsinsel mit nur wenigen Häusern, sie ist förmlich umzingelt vom Wald. Wer nach der schönen Wanderung im Tal des Lohrbaches die Siedlung erreicht, freut sich über eine Einkehrmöglichkeit, schöne Bildstöcke und das reichlich verwendete natürliche Baumaterial Holz. Ort und Name sind von einer Sage umrankt. Einst musste ein Glasmacher an seine drei zerstrittenen Söhne anteilig vererben, wollte sie aber dennoch in der Nähe haben. Das Los sollte entscheiden. Das Losglück des Ersten soll ihn zum Ausspruch „Hab‘ ich‘s Tal“ (Habichsthal) veranlasst haben. Der älteste Sohn Heinrich erhielt die bisher bewohnte Hütte, woraus Heinrichsthal entstand, und aus der Hütte des dritten Sohnes Jakob entwickelte sich Jakobsthal. ...


Mit einem Tourentipp "Überquerung des Spessarts"



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Ausgabe 160

September/Oktober 2011