© Klaus-Peter Kappest

Hohenlohe: Das Wander-Dreieck Kocher-Jagst-Trail

Ausgabe 161 – November/Dezember 2011

Deutschland

Kocher, Jagst und Bühler liefern den dramaturgischen Leitfaden für höchstes Wandervergnügen! Das große Wanderprojekt in Hohenlohe soll 2012 durch den Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland zertifiziert werden. Die Vorbereitungen

Mehrere Weitwanderwege durchziehen das Hohenloher Land. Sie kommen von Süden oder Norden, von Westen und Osten und führen stets weiter. Daher reifte die Idee einer lupenreinen Hohenlohe-Route: dem Kocher-Jagst-Trail. Das spannende Wander-Dreieck ist eine etwa 200 km lange Rundtour. Von Blaufelden (Bahnanschluss) führt der Weg über Kirchberg, Crailsheim (Bahnanschluss) und Wildenstein nach Ellwangen (Bahnanschluss). Diese Ostspange ist als Jagststeig ausgewiesen und markiert. Es schließt sich, als Bühlersteig, eine Südspange über Willa und Bühlertann nach Schwäbisch Hall-Hessental (Bahnanschluss) an. Im Nordwesten führt dann die als Kochersteig bezeichnete Route über Braunsbach und Heimhausen wieder zurück nach Blaufelden (Bahnanschluss). Jeder Steig für sich betrachtet ist Wandergenuss pur. Zusammengefasst: Was für ein Wandervergnügen!

Viele Wege führen ins Hohenloher Land

Im Kochertal bei Geislingen. Foto: Dr. Konrad Lechner
Im Kochertal bei Geislingen

Das zwischen den Großräumen Nürnberg und Stuttgart gelegene Hohenloher Land ist mit den angrenzenden Metropolregionen sowie den nördlich und südlich anschließenden Landschaften sehr gut verbunden. Die Bahnlinie Nürnberg – Stuttgart bietet für Wanderungen am Kocher-Jagst-Trail Bahnhöfe in Crailsheim (auch IC), Schwäbisch Hall-Hessental und Ellwangen (auch IC). Die von Crailsheim nach Wertheim verkehrende Bahn hält im Hohenloher Land auch in Blaufelden. Für den zwischen den Bahnlinien befindlichen Raum stehen zahlreiche Buslinien zur Verfügung. Dazu deckt der Fahrplan des Landkreises Schwäbisch Hall den größten Teil des Hohenloher Landes ab. Das bedeutet höchste Mobilität, auch und gerade ohne Fahrzeug. Mit dem PKW ist das Hohenloher Land durch die  A6 und A7 sehr gut erreichbar.

Blaufelden – Start und Ziel des Trails

Schloss Burleswagen über dem Jagsttal. Foto: Dr. Konrad Lechner
Schloss Burleswagen über dem Jagsttal

Das an der historischen Postroute von Nürnberg nach Straßburg gelegene Blaufelden wird vom spätmittelalterlichen Turm seiner Wehrkirche überragt, der bereits aus der Ferne sichtbar ist. Von seiner Empore wird an Festtagen mit einem Lied zum Gottesdienst eingeladen. Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten zur Kirche, der Besuch (werktags ohne Gottesdienst) könnte ein würdiger Beginn für diese große Wanderung sein. Für Blaufelden als Start und Ziel des Trails spricht auch das Angebot an Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten und insbesondere die geringe Entfernung vom Bahnhof bzw. der Ortsmitte zur freien Flur. Es ist sowohl Einstieg für den Jagststeig als auch für den Kocher-Jagst-Trail als Gesamtrunde.

Das Albvereinsheim im Blaubachtal

Gasthaus am Einkorn oberhalb Schwäbisch Hall-Hessental. Foto: Dr. Konrad Lechner
Gasthaus am Einkorn oberhalb Schwäbisch Hall-Hessental

Schon wenige Kilometer nach Blaufelden bietet das Albvereinsheim im Blaubachtal eine besonders schöne Rastmöglichkeit. Am Hang des Tales, inmitten von Wiesen gelegen, mit Unterstellmöglichkeit und Grillplatz wird hier der Streckenwanderer richtig verwöhnt. Sonntags ist die Hütte sogar bis zur Mittagszeit bewirtschaftet. Der Blick ins Tal lässt richtig Vorfreude auf den weiteren Weg aufkommen und die Erwartungen werden reichlich erfüllt.

Im Blaubachtal

Auf dem Weg in die Limpurger Berge. Foto: Dr. Konrad Lechner
Auf dem Weg in die Limpurger Berge

Von der Zeit des Vorfrühlings, wenn der Wald noch nicht belaubt ist und die Sonne wenig behindert in den Wald eindringt, bis zum Ende des Frühlings wird der Wanderer hier von einem bunten Blütenreigen begrüßt. Der schönste Schmuck ist wohl die im Juni blühende, prächtige Türkenbund-Lilie. Ihre zurückgerollten, roten Blütenblätter und die weit herausragenden Staubblätter formen eine sehr auffällige große Blüte, die an Gewächse aus fernen Ländern erinnert.

Schildmauerburg Amlishagen

Ein Ensemble aus vergangener Zeit bietet das hoch über dem Brettachtal gelegene Amlishagen. Die Schildmauerburg ist ein mittelalterliches Baudenkmal, das auf eine 700jährige Geschichte zurückblickt, und ein bedeutendes Kulturdenkmal. Die Kirche im Barockstil stammt aus dem 18. Jh. und besitzt eine Altarwand, in der sich die Kanzel über dem Altar befindet.

Im Brettachtal

Rechenberg mit Schloss und Weiher. Foto: Dr. Konrad Lechner
Rechenberg mit Schloss und Weiher

Nach Amlishagen steigt man ins Brettachtal ab und wandert unmittelbar am Fluss entlang talabwärts über mehr oder weniger große Steine. Äußerst naturnah, aber bei Nässe nicht ganz leicht zu begehen. Hoch über dem Tal sieht man nochmals die Burg von Amlishagen. Dann führt die Route ebenfalls auf Steinen ohne Sicherung und Geländer über den Fluss. Es ist ein richtiges Trekkingerlebnis, aber nicht bei hohem Wasserstand oder bei Schnee und Eisglätte. In diesem Fall gibt es eine sichere, ebenfalls markierte Ausweichroute, die wieder zum Jagststeig führt. ...


Infos zur Region: www.kocher-jagst-trail.de


Kocher-Jagst-Trail und die Zertifizierung

Aktuell befinden sich Kocher-, Jagst- und Bühlersteig in der Zertifizierung zu Qualitätswegen Wanderbares Deutschland bzw. in der Vorbereitung dazu. Viele Verhandlungen – mit Eigentümern, Jagdpächtern, Gemeinden, Forst- und Naturschutzbehören – waren und sind zu führen. Viele Änderungen der bisherigen Wegeverläufe sind bereits im Gelände durchgeführt worden. Es werden weitere Änderungen folgen, die dann auch im Gelände markiert und in das Kartenmaterial übertragen werden.

Um das Markierungssystem benutzerfreundlicher zu gestalten, wurde die bisherige Teilmarkierung in eine dauerhafte und eigenständige (durchgehende) Markierung für alle drei Steige geändert. Der Schwäbische Albverein (SAV) hat inzwischen vielerorts bei gleichem Wegeverlauf, wenn die Wegeführung der neuen Steige besser ist, seine Wege verlegt. Auf den neuen Trägerschildern werden die jeweiligen Markierungen des SAV und der neuen Steige zusammengeführt. Das hat die verantwortlichen Ortsgruppen inkl. der Markierer vor große Herausforderungen gestellt, wofür ihnen Dank gebührt.

Aktuell ist der Kochersteig in seiner Wegeführung bestätigt und voraussichtlich zertifizierungsfähig. Der Jagststeig hat die größten Änderungen im Verlauf erfahren und befindet sich aktuell in der Endphase. Die nötigen Änderungen des Bühlersteiges sollen dieses Jahr im Spätherbst noch durchgeführt werden.

Zu Beginn der Wandersaison 2012 soll der Kocher-Jagst-Trail dann als Gesamtwerk zur Zertifizierung angemeldet werden. 2012, so die Verantwortlichen (Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e.V. und Wegeschöpfer Dr. Konrad Lechner), wird voraussichtlich die Zertifizierung erfolgen und der Kocher-Jagst-Trail bestehend aus seinen drei Steigen werden voraussichtlich als „Qualitätswege Wanderbares Deutschland“ zertifiziert sein. Die entsprechenden exakten Tourenführer werden vom Wandermagazin voraussichtlich im Frühjahr 2012 überarbeitet und neu verlegt. Es muss betont werden, dass der Präsident des Schwäbischen Albvereins, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, zugleich Präsident des Deutschen Wanderverbandes, dankenswerterweise dem Projekt zugestimmt hat und damit den Ortsgruppen des SAV grünes Licht für deren Einsatz gegeben hat.



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 161

November/Dezember 2011