© Klaus-Peter Kappest

Die Wilde Insel: Rügen – Wandern mit Meerblick

Ausgabe 163 – März/April 2012

Deutschland

Die Luft riecht nach Meer. Der Wind, der von der Ostsee her weht, zerzaust die Haare und trägt einen Hauch Freiheit mit sich, irgendwo am Horizont verschmelzen Himmel und See zu einer unscharfen Linie und die Augen fliegen ins weite Blau.

Insel der Vielfalt

Kaum jemand fährt „nur“ zum Wandern nach Rügen. Deutschlands größte Insel lockt mit traumhaften Ostseestränden und glasklarem Wasser, mit zahlreichen, gut ausgebauten Fahrradwegen, einem bunten kulturellen Angebot und mit viel ursprünglicher Natur. Dennoch sollte man die Wanderschuhe auf keinen Fall zu Hause lassen. Ein dichtes Wanderwegenetz von mehreren hundert Kilometern Länge überzieht die Insel und bringt Urlauber zu den schönsten Flecken der Natur. Das ist zugegebenermaßen nicht besonders schwierig, denn die sind reich gesät: auf knapp 1.000 Insel-Quadratkilo-metern vereint Rügen stille, von Schilf gesäumte Boddenufer, schroffe Steilküsten, feine „Puderzuckerstrände“, mystische Wälder, verwunschene Moore und sattgrüne Wiesen. Dazwischen liegen die Orte der Insel, die vom kleinen Fischerdorf bis zum mondänen Seebad mit klassischer Bäderarchitektur viel Abwechslung bieten. An einigen Stellen im Osten der Insel geht es richtig hügelig zu – z.B. in der Granitz oder den Zickerschen Bergen auf der Halbinsel Mönchgut. Und wer einmal die vielen Treppenstufen vom Ostseestrand durch die steilen, weißen Kreidefelsen des 118 m hoch aufragenden Königsstuhl zur Victoriasicht gestapft ist, der weiß, dass er sich ganz bestimmt nicht im „Flachland“ befindet.

Für Entdecker

Insgesamt bleiben die Wanderungen auf Rügen aber moderat und sind auch für Menschen mit wenig Kondition geeignet. Landschaftsgenuss und Naturerlebnis stehen auf den zahlreichen Ein- und Mehrtagestouren im Vordergrund. So kann die Insel Stück für Stück und in all ihren Facetten entdeckt werden: die imposanten Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund, urige Wälder, die raue Ostseelandschaft am Kap Arkona mit Rügens Leuchttürmen und dem historischen Fischerdorf Vitt, malerische und stille Landschaften im Westen mit tausenden rastenden Kranichen im Frühling und im Herbst oder die sanft gewellten Wiesen des Mönchgut im Süden der Insel.

Dabei führen die Touren über steile Hochuferwege, an einsamen Mooren vorbei, über Wiesen und Felder, an Sandstränden entlang und auf geschwungenen Pfaden in Norddeutschlands größten Buchenwald. Teilstrecken können auch mit „Wasser und Dampf“ zurückgelegt werden: Die zahlreichen Ausflugs- und Linienschiffe sowie die berühmte historische Schmalspurbahn „Rasender Roland“ können oft in die Tourenplanung einbezogen werden. Zur Stärkung während oder nach einer Wanderung locken Rügens Gastronomen mit lokalen Spezialitäten wie Hering, Sanddorn, Kohl & Co. – je nach Jahreszeit ernte- und fangfrisch nach traditionellen Rezepten.

Wildnis zu Fuß

Schutz für Rügens Schätze der Natur bieten zwei Nationalparks und ein Biosphärenreservat. Die Westküste Rügens und die Insel Hiddensee gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Halbinsel Jasmund, Heimat der berühmten Kreidefelsen, ist 1990 zum Nationalpark erklärt worden. Zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten haben hier ihre Heimat. Flächenmäßig ist der Nationalpark Jasmund mit 3.003 ha der kleinste Nationalpark Deutschlands, doch landschaftlich gehört er zu den vielleicht interessantesten Schutzgebieten. Die markanten Kreidefelsen an der Ostseeküste sind Rügens Wahrzeichen. Neben ihnen zählen die Rotbuchenwälder der Stubnitz, Moore, Trockenrasen, Wiesen und Weiden sowie die ehemaligen Kreidebrüche in Quoltitz zum Nationalpark. Der 400 Jahre alte Buchenwald, der große Teile des Jasmund überzieht, wurde im letzten Jahr von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgewiesen. Auf dem gut 12 km langen Hochuferweg lässt sich der spektakuläre Küstenbereich perfekt erwandern. Die Wanderung führt von Sassnitz über die Wissower Klinken, das Kieler Ufer und den Königsstuhl bis Lohme an der Kreideküste entlang und bietet spektakuläre Aussichten auf die berühmten weißen Felsen und die blau glitzernde Ostsee.

Über drei Treppenauf- und abgänge kann man die Perspektive wechseln. Während oben lichter Buchenwald den Hochuferweg über die mächtigen Kreidefelsen begleitet, liegt unterhalb der Steilküste der Ostseestrand – ein Paradies für Fossilienliebhaber. Am steinigen Strand finden sich häufig Hühnergötter – Feuersteine mit einem runden Loch – oder Donnerkeile, versteinerte Teile urzeitlicher Tintenfische. Beim Aufenthalt in der Nähe der Steilküste ist es allerdings besonders wichtig, auf die Warnschilder zu achten. Zu nahes Herantreten an den Kreideküstenrand kann nach längerer feuchter Witterung und durch die natürliche Küstenerosion sehr gefährlich sein. Dann sollte man auch nicht am Fuß bestimmter Kreidefelsformationen wandern. Die örtlichen Touristinfos halten aktuelle Informationen bereit. Das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl liegt direkt am Hochuferweg und ist Anlaufstelle für Wanderer und Besucher. Es informiert in einer 2.000 qm großen Ausstellung über die verschiedenen Facetten, Flora, Fauna und Geschichte des Nationalparks. ...


Infos zur Region: www.ruegen.de



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 163

März/April 2012