© Klaus-Peter Kappest

Tolerant und entspannt: Auf dem Hugenottenweg durch Savoyen

Ausgabe 163 – März/April 2012

Frankreich

Wer heute sein Reiseziel erreichen möchte, folgt festgelegten Bahnen mit dem Flugzeug, dem Auto oder der Bahn. Als sich die im Süden Frankreichs verfolgten Protestanten auf den Weg machten, kannten sie lediglich den Zielort Genf. Von dort zogen sie weite

Die Abtei von Hautecombe, traumhaft am Ufer des Lac du Bourget gelegen. Foto: Savoie Mont Blanc / Zvardon
Die Abtei von Hautecombe, traumhaft am Ufer des Lac du Bourget gelegen

Hatten die Glaubensflüchtlinge aus Südfrankreich die für Protestanten sichere Hochebene von Trièves hinter sich gelassen, lag vor ihnen eine der gefährlichsten Strecken bis ins calvinistische Genf. Sie führte 125 km an der Grenze des Königreichs Frankreich und dem Herzogtum Savoyen entlang. Stets liefen die Hugenotten Gefahr, von den königlichen Truppen entdeckt oder von Denunzianten ausgeliefert zu werden, denen eine Belohnung winkte. Nach Aufhebung des Ediktes von Nantes war es den Anhängern Calvins und Luthers nicht nur verboten, ihren Glauben auszuüben, sie durften auch das Land nicht verlassen. Wer sich dem Zwang einer Rückkehr in den Schoß der katholischen Kirche entziehen wollte, hatte jedoch keine andere Wahl. Im durch den Dreißigjährigen Krieg ausgebluteten Deutschland waren die fleißigen, protestantischen Handwerker willkommen.

Verdiente Pause am Weg bei Fragny. Foto: Savoie Mont  Blanc / Smit
Verdiente Pause am Weg bei Fragny

Wanderer, die heute auf dem „Hugenotten Weg“ den Spuren der Glaubensflüchtlinge durch die Departements Savoie und Haute-Savoie folgen, müssen sich um Sicherheit und Unterkünfte nicht sorgen. Sie können unbeschwert eine der schönsten Strecken des europäischen Fernwanderweges „Chemin de la Tolérance“ genießen. Beim Fort Barraux waren die Hugenotten auf Schlepper angewiesen, die sie bei Nacht und Nebel an der Festung vorbei schmuggelten. Überlieferungen zufolge war dies ein einträgliches Geschäft für Ortskundige, die aus der Not der Flüchtlinge Profit machten. Und sie ließen sich ihre Dienste, auf denen die Todesstrafe stand, teuer bezahlen.

Traumlandschaft: Das Dorf Les Marches im Departement Savoyen. Foto: Savoie Mont Blanc / Teso-Quenard
Traumlandschaft: Das Dorf Les Marches im Departement Savoyen

Heute kann der Wanderer auf dem Waldweg bei Barraux auch allein einen Fuß vor den anderen setzen. Und er muss sich nicht vor Bären und Wölfen fürchten, deren Jagdtrophäen damals die Scheunentore zierten. Mit Blick auf den Mont Granier, der sich mit 1.933 m am Rand des Naturparks Chartreuse erhebt, beginnt der Abstieg durch ein buckeliges Gelände mit den Weinlagen von Apremont und Abymes. Dieser Landstrich verdankt sein Aussehen einem gigantischen Erdrutsch im Jahr 1248. Damals stürzten 150 Mio. Kubikmeter Erde und Geröll vom Mont Granier. Der Erdrutsch schuf hervorragende Bedingungen für den Anbau von Reben. Von der Anhöhe gleitet der Blick über ein breites Tal zum Hügel mit dem Dorf Les Marches und dem Schloss der schönen Adèle Bellegarde. Ein Jahrhundert nach dem Exil der Protestanten diente sie dem Maler David als Modell für sein Gemälde „Raub der Sabinerinnen“, eine Allegorie für Frieden und Versöhnung.

Der See von Bourget liegt in einem Meer von Reben. Foto: Savoie Mont Blanc / Lansard
Der See von Bourget liegt in einem Meer von Reben

In den Weinlagen von Les Marches gibt das Museum in einem Winzerkeller einen Überblick über den Weinbau im 16. Jh. So manchem Hugenotten, der auf seinem beschwerlichen Weg bei Glaubensgenossen Unterschlupf fand, wurde ein Glas rustikalen Weins zur Stärkung gereicht. Ungleich besser schmecken die heute in diesem Gebiet angebauten Tropfen, wiewohl sie durchaus stärkend wirken können. ...


Infos zur Region:

www.savoiemontblanc.com

www.rhonealpes-tourisme.com

www.rhonealpes.tv

www.surlespasdeshuguenots.eu



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist als Print­version vergriffen, unter www.united-kiosk.de aber komplett als epaper erhältlich.

Ausgabe 163

März/April 2012