© Klaus-Peter Kappest

Bon Voyage: Vom Garten Frankreichs zum Ende der Welt

Ausgabe 164 – Mai/Juni 2012

Frankreich

Dank der reichen Geschichte finden sich in Frankreich herausragende, historische Sehenswürdigkeiten. Vom Loiretal bis zum Mittelmeer sind die ausgesprochen vielseitigen Landschaften mit einem ausgedehnten Wegenetz wie geschaffen für Wandertouren. Loire-S

Von einem Highlight zum andern

Der Pic du Midi de Bigorre den französischen Pyrenäen; www.picdumidi.com   Foto: ATOUT FRANCE / Camille ESPIGAT
Der Pic du Midi de Bigorre den französischen Pyrenäen

Wie kaum in einem anderen europäischen Land lassen sich in Frankreich bei Wanderungen Kultur und Natur miteinander verbinden. In den französischen Regionen erstrecken sich ursprünglich gebliebene Landstriche und Naturparks mit gekennzeichneten Fern- und Rundwanderwegen – ein Paradies für Wanderer zu Fuß, mit dem Rad, im Kanu oder hoch zu Ross. In diesen vielseitigen Landschaften erheben sich überall sehenswerte, historische Bauwerke. Das beginnt mit Loire-Schlössern im Zentrum Frankreichs, Abteien entlang der Jakobswege oder Vauban-Festungen im Roussillon und reicht bis zu beeindruckenden Zeugen der Antike in Südfrankreich. Nationaldenkmäler und UNESCO-Welterbe, mittelalterliche Dörfer und Burgen, Weinlagen und Naturschutzgebiete bieten zwischen Loiretal und Côte d‘Azur tausendfachen Anlass zum Wandern und Staunen.

Loiretal: Per pedes zu Prachtschlössern

Schloss Chambord östlich von Blois ist das größte  Schloss der Loireregion.  Foto: E Mangeat
Schloss Chambord östlich von Blois ist das größte Schloss der Loireregion

Der älteste französische Fernwanderweg, GR 3, führt durch das gesamte Loiretal bis zum Mündungsgebiet. Wer hier der rot-weißen Kennzeichnung folgt, streift nicht nur durch eine der geschichtsträchtigsten Landschaften Frankreichs, sondern auch durch die Auen des letzten ungezähmten Stromes in Europa. Wechselnde Sandbänke, flache Ufer, wo zahlreiche Arten von Wasservögeln nach Nahrung suchen, darüber erstrecken sich Weinlagen oder Tuffsteinfelsen mit Höhlenwohnungen. Es sind Landstriche, in denen immer wieder helle, von Türmen überragte Mauern die Geschichte des Landes erzählen. Links und rechts der Loire erstreckt sich der „Garten Frankreichs“, den sich viele Könige und Herzöge zum Wohnsitz erkoren und prächtige, von Parkanlagen umgebene Schlösser errichteten. Der außergewöhnlichen Vielzahl von Fürsten- und Königsschlössern aus dem 15. und 16. Jh. verdankt das gesamte Loiretal die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe. Eine Tour auf dem GR 3 wird gleichzeitig zu einer Reise in die Vergangenheit, wo der Wanderer den Spuren der Heiligen Johanna, Caterina de’ Medici, französischen Königen oder gar Leonardo da Vinci begegnet. Das bekannteste Loire-Schloss ist Chambord, unverkennbar an der Silhouette mit unzähligen Türmchen. Es war der Traum von König François I., die alte Burg in einen eleganten Renaissance-Bau zu verwandeln. Er war es auch, der das ursprünglich wehrhafte Schloss Royal von Amboise zur Wiege der Renaissance-Architektur in Frankreich machte. An seinem Hof versammelte der kunstsinnige König zahlreiche Künstler, darunter auch Leonardo da Vinci. Dieser verdankte seinem Gönner das benachbarte Schlösschen Clos Lucé, wo der Maler die letzten drei Jahres seines Lebens verbrachte. Heute beherbergt es die technischen Erfindungen des genialen Leonardo. Soweit des Wanderers Füße im Loiretal tragen, findet er immer wieder ein sehenswertes Bauwerk zum Verweilen. Das die Loire überragende Schloss Royal von Blois, wo nicht weniger als sieben Herrscher und zehn Königinnen residierten, bietet im Hof ein Panorama französischer Baustile vom Mittelalter bis ins 17. Jh.  Die prachtvoll ausgestatteten Räume vermitteln einen Eindruck vom eleganten Hofleben während der Renaissance. Von den Terrassen des Schlosses Chaumont (15. bis 19. Jh.) genossen bereits Caterina de‘ Medici, Diane de Poitiers oder sogar  Benjamin Franklin den herrlichen Ausblick auf die Loire. Der Schlosspark mit hundertjährigen Zedern ist alljährlich Schauplatz eines amüsanten, künstlerischen Gartenfestivals von internationalem Rang.

Sehenswerte Schlösser abseits vom Strom

Das Schloss Saumur liegt auf einem Felsplateau nahe dem Zusammenfluss der Loire und des Thouet. Foto: A Laurioux
Das Schloss Saumur liegt auf einem Felsplateau nahe dem Zusammenfluss der Loire und des Thouet.

Außer dem GR 3 mit seinen zahlreichen Nebenstrecken bieten rund 60 gekennzeichnete Rundwanderwege Gelegenheit, weitere historische Sehenswürdigkeiten der Loire-Region zu besichtigen. Dazu gehört die Domaine de Cheverny, ein prachtvoll ausgestattetes Schloss, das dem Zeichner Hergé als Vorlage für Château de Moulinsart diente, allen Lesern von Tim und Struppi hinreichend bekannt. Ein weiteres Kleinod und reizvolles Wanderziel ist das weit über den Cher ragende Schloss von Chenonceau. Hier gab Diane von Poitiers, die Maitresse von König Henri II., rauschende Feste, bis sie nach dessen Tod von seiner Gattin Caterina de‘ Medici nach Chaumont vertrieben wurde. Chenonceau war vorwiegend in weiblichem Besitz und wird deshalb als das Schloss der Damen bezeichnet. Es beherbergt eine bemerkenswerte Gemäldesammlung und Wandteppiche.

Auf den Spuren des Heiligen Martin

Im Naturpark Loire-Anjou-Touraine. Foto: CMouton-CRTCentreValDeLoire
Im Naturpark Loire-Anjou-Touraine

Auf rund 900 km führt der Martinusweg kreuz und quer durch Europa zu Schauplätzen des zum Christentum bekehrten, römischen Söldners. In Frankreich verbindet die 138 km lange, von Kirchen, Kapellen und Legenden gesäumte Teilstrecke „Chemin de Treves“ die Städte Vendôme und Tours, wo Martinus 371 zum Bischof ernannt wurde und die Abtei von Marmoutier gründete. Der Martinusweg verdeutlicht das gemeinsame kulturelle Erbe und wurde in die Liste der europäischen Kulturwege aufgenommen. ...


Nationaldenkmäler in Frankreich: Das „Centre des monuments nationaux“ verwaltet, erhält und betreut rund 100 staatliche, französische Sehenswürdigkeiten sowie 200 Ausstellungen und Veranstaltungen im Rahmen der nationalen Denkmäler. Das umfangreiche historische Erbe umfasst Abteien, Schlösser, Höhlen der Vorgeschichte, antike Überreste sowie archäologische Stätten. Alljährlich verzeichnen die Nationaldenkmäler etwa 9 Mio. Besucher. Die Webseite www.monuments-nationaux.fr fasst alle Sehenswürdigkeiten mit Öffnungszeiten und Kurzbeschreibung zusammen.

Übernachten: Wanderer haben im Loiretal eine große Auswahl an Unterkünften. Das reicht von der Natur-Camping-Anlage Huttopia in Rillé mit Hüttenzelten oder Zigeunerwagen (www.huttopia.com) über die Ferienhäuser und Gästezimmer von Gîtes-de-France (www.gites-de-france.com) bis zu exklusiven Schlosshotels der Grandes Etapes Françaises, wie die Domaine de Beauvois und Château d‘Artigny bei Tours oder Le Choiseul bei Amboise www.grandesetapes.fr

Festivals im Loiretal – eine Auswahl:

  • Festival de l‘Epau, klassische Musik in der Abtei von Epau bei Le Mans. 23.05.-03.06.2012
  • Festival des arts de Nantes, Juni, klassische     Konzerte mit Schwerpunkt Barock, Nantes und Umgebung. 19. - 27. 06. 2012
  • Les Traversées, Rencontres musicales de Noirlac, Konzerte in der Abtei. 23.06. - 21.07. 2012
  • Festival de Sablé, Barockmusik in Sablé-sur-Sarthe. 21.-25. 08.2012

Informationen über Festivals in Frankreich: www.francefestivals.com

Besichtigen: Die 1101 gegründete Abtei von Fontevraud bei Saumur mit den Grabmälern der Plantagenêt-Dynastie. Heute beherbergt das riesige Klosteranwesen ein Kulturzentrum. www.abbayedefontevraud.com

Radfahren: Die EuroVelo-Route Nr. 6 führt vom Atlantik zum Schwarzen Meer. Eine der reizvollsten Strecken verläuft durch die UNESCO-Landschaft des Loiretals. Entlang dieses Radweges, „La Loire à Vélo“, sind historische Städte, malerische Dörfer und Prachtschlösser immer wieder Gelegenheit für Unterbrechungen. Überall finden Radtouristen angemessene Unterkünfte und zahlreiche spezielle Leistungen. www.eurovelo6.org + www.loire-radweg.org

Schlösser: 19 Sehenswürdigkeiten im Loiretal www.schloesser-der-loire.com


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